Scott Pilgrim vs. the World: The Game – Complete Edition

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Scott Pilgrim vs. the World: The Game – Complete Edition Review

Er ist endlich zurück!

Mit der Digitalisierung vieler Medien haben alteingesessene Sammler physischer Datenträger bis heute ihre Probleme. Auch ich gehöre noch zu den wenig übrig gebliebenen Personen, die es bevorzugen, eine CD oder ein Modul in den Schacht zu schieben, anstatt durch endlos lange digitale Listen zu scrollen. Aber ich gebe zu, Netflix & Co. haben auch ihre praktischen Seiten. Für lau so viele Filme & Serien zu genießen, wie man nur kann, ist schon recht reizvoll. Ebenso die Idee des Xbox Game Pass, welche die Flatrate-Zockerei auch auf die Konsole und den PC bringt. Nur ein Problem gibt es da nach wie vor: digitale Medien währen nur so lange, wie die Publisher das erlauben. Entweder entscheiden dann auslaufende Lizenzen oder reine Willkür das Verschwinden aus der digitalen Bibliothek. So auch vor rund zehn Jahren bei Scott Pilgrim vs. the World: The Game, welches sein Echo bis heute nachhallen lässt. Wäre das Spiel auf Disc erschienen, hätten wir diesem nicht so lange nachweinen müssen. Aber ausdauerndes Einwirken auf Ubisoft und alle beteiligten Parteien hat sich am Ende nun doch ausgezahlt. Scott Pilgrim ist endlich zurück und dank Limited Run Games nun auch physischer Natur! #PhysicalForever

Aber kommen wir zum eigentlichen Thema – dem Spiel Scott Pilgrim vs. the World: The Game – Complete Edition. Nun, viele konnten den Hype rund um diese beinahe vergessene Perle nie verstehen. Manche behaupten, es würde nur gehyped werden, weil es bis vor Kurzem nicht mehr verfügbar war; andere wiederum schwören auf das Beat ’em Up. Ich für meinen Teil mochte den Film und fand das Spiel recht ordentlich – besser als den Durchschnittsprügler, aber auch nicht mehr. Aber ich war nie wirklich ein großer Fan des Genres, auch wenn ich Vertreter dessen immer wieder gerne am Arcade-Automaten spiele. Scott Pilgrim vs. the World: The Game ist gut gealtert. Grafisch sind 2D-Pixelart-Spiele ohnehin ein Hingucker und auch der brutal gute Soundtrack von Anamanaguchi ist ein Spektakel für die Ohren, welches seinesgleichen sucht. Spielerisch bringt es einige frische Ideen aufs Tablett, welche aber nicht immer dem Spielfluss dienen. Ihr seid anfangs recht limitiert, was euer Moveset und die Angriffsmöglichkeiten anbelangt. Man könnte fast sagen: wer die Grundangriffe und leichten Kombos nicht beherrscht, ist auch nicht bereit für das Late-Game. Nun, in gewisser Hinsicht ist das auch wahr, denn das Spiel ist bockschwer und provoziert den ein oder anderen Wutausbruch. Speziell in Situationen, in denen man von Gegner förmlich überrannt wird und seine Gesundheitsanzeige inklusive Extraleben dahinschmilzen sieht. Das frustriert recht schnell, da auch Level-Ups keine merkbare Wirkung zeigen. Nun, ein Level-Up macht einen in diesem Spiel auch nicht stärker. Dafür sorgen die Items, die man in Shops kaufen kann, die überall in den Leveln verteilt sind. Das Problem daran: ihr müsst eure hart erarbeiteten Münzen für Zeug ausgeben, zu dem ihr keine weiteren Informationen erhaltet. Ihr kauft quasi die Katze im Sack. Erst nach dem Kauf erfahrt ihr, was euch das Item bringt und welche Statuswerte es entweder dauerhaft oder auch nur temporär erhöht. Irgendwie dämlich, aber das Spiel setzt darauf, dass ihr es eben selbst herausfinden müsst, stärker werdet, bereits gespielte Level nochmals besucht und den ganzen Zyklus quasi in einer Endlosschleife abspult.

Abgesehen davon ist es aber recht ordentliche Action, die am Bildschirm abgeht. Ihr könnt Items aufheben und eure Umgebung nutzen, um euren Widersachern so richtig eine auf die Zwölf zu geben. Mit Fortlauf des Spiels erweitert ihr auch euren Pool an Movesets und stärkt eure Kräfte mit den nötigen Items. Und jeweils am Ende der insgesamt sieben Level steht euch auch eine knallharte Prüfung in Form eines Ex-Freunds eurer Flamme Ramona Flowers gegenüber, den ihr besiegen müsst, um ein wenig mehr Eindruck schinden zu können, und am Ende der zukünftige achte Ex-Freund zu sein. Spaß beiseite: das sind teilweise bockschwere Herausforderungen, die beim ersten Mal schon auch in die Hose gehen können. Daher ist es teilweise unumgänglich, dass ihr so genanntes Backtracking betreibt und alle Level nochmals abgrast, um Geld zu sammeln, hochzuleveln und euch zu stärken. Eine etwas seltsame Entscheidung, das in ein Beat ’em Up einzubauen, aber immerhin ist es mal was anderes. Ich für meinen Teil kann auch heute den Hype um das Spiel nicht ganz nachvollziehen, aber das hindert mich nicht dran, dass ich Scott Pilgrim vs. the World: The Game als ein gutes, vielleicht sogar sehr gutes Spiel ansehe. Es ist definitiv ein Beat ’em Up der anderen Sorte und macht gewisse Dinge anders, die das Genre auffrischen, aber auch frustrierend sein können. Im Endeffekt überwiegen dann aber die positiven Aspekte und der Fakt, dass es sich bei der Complete Edition um die vollständige Version des Spiels handelt – DLC inklusive. Das gepaart mit der Tatsache, dass Limited Run Games das alles für die Ewigkeit präserviert sorgt dafür, dass das Raunzen nach dieser gefühlten Ewigkeit bis zum Re-Release endlich vorbei ist.


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Toller Artstyle
  • Zeitloser Soundtrack
  • Erfrischendes Gameplay

The Bad

  • Hoher Schwierigkeitsgrad durch unnötige Beschränkungen
  • Teils frustrierende Stellen
8

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at