It Takes Two

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It Takes Two Review

To make a dream come true, it just takes two.

Gastbeitrag von Emanuel Liesinger

Josef Fares ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten in der Videospielindustrie. Der aus dem Libanon stammende Gründer der Hazelight Studios (dessen Bruder mit „Fares Fares“ wohl den kreativsten Namen aller Zeiten trägt) ist spätestens seit seiner legendären „Fuck the Oscars“-Ansprache bei den Game Awards 2017 eine unberechenbare Wildcard für die Marketingabteilung von Electronic Arts. Doch dies hielt den Publisher nicht davon ab, nach dem Erfolg von Hazelights ersten Koop-Titel A Way Out wieder unter dem „EA Originals“-Label mit dem schwedischen Studio zusammenzuarbeiten – um das wohl beste kooperative Spiel der letzten Jahre auf den Markt zu werfen.

Leider können Beziehungen in die Brüche gehen – und so öffnet It Takes Two. Beim gemeinsamen Essen offenbaren die Hauptprotagonisten May und Cody ihrer jungen Tochter, dass Sie sich scheiden lassen werden. Rose zieht sich in den Werkzeugschuppen zurück und spielt mit selbst gebastelten Puppen, welche ihren Eltern nachempfunden sind. Zufällig findet sie dort das „Book of Love“ – den Bestseller des berühmten Liebesexperten Dr. Hakim. Traurig und verzweifelt bittet sie das geheimnisvolle Buch um Hilfe, als ihre Tränen auf die Puppen treffen, wird ihr Hilferuf erwidert. Roses Eltern wachen kurze Zeit darauf auch im Schuppen auf – im Körper der beiden Puppen ihrer Tochter – und starten in ein Abenteuer mit dem Ziel, herauszufinden, wie Sie zu diesen Puppen wurden. Begleitet werden Sie dabei von Dr. Hakim persönlich, welcher in Form seines Buches schnell offenbart, was das eigentliche Ziel ist: May und Cody bei ihren Beziehungsproblemen zu helfen, und die Ehe der beiden zu retten.

Eines vorweg: Gleich wie A Way Out kann It Takes Two nur zu zweit gespielt werden. Die Koop-Mechaniken sind das Herz des Spiels, und ein kompletter Verzicht auf einen Einzelspielermodus erlaubt es den Entwicklern, voll und ganz in die Welt der gemeinsamen Herausforderungen einzutauchen. Dieses Vorhaben wird einem anhand der Friends-Pass-Version erleichtert, welche kostenlos heruntergeladen werden und sowohl als kurze Demo als auch als vollständiges Spiel agieren kann – wenn man von jemanden, der das Spiel besitzt, eingeladen wird. Dass Josef Fares jedem, der sich mit dem Spiel langweilen sollte, 1.000 Dollar verspricht, kommt nicht von ungefähr. Im Grunde ist It Takes Two ein Plattformer im Stil von Ratchet & Clank, allerdings hält beinahe jedes Level eine neue kreative Mechanik bereit, die erfrischende Abwechslung bringt und neue kooperative Wege öffnet. So erhält Beispielsweise Cody Nägel, welche er werfen kann, und May den äquivalenten Hammer, mit dem Sie diese Nägel einschlagen oder zum Schwingen zwischen Plattformen nutzen kann, um neue Bereiche zu erreichen. In einem anderen Level kann Cody sich in verschiedene Pflanzen verwandeln und May erhält das notwendige Wasser, um diesen Pflanzen zum Gedeihen zu verhelfen. Im Grunde erhält man immer ein neues mächtiges Werkzeug, welches allerdings so auf beide Charaktere verteilt wird, dass man nur gemeinsam zum Erfolg kommt. Dabei wird aber keine der Mechaniken überreizt. Man erhält eine neue Fähigkeit, nutzt diese in immer komplexer werdenden Herausforderungen in diesem Abschnitt und teilweise noch im abschließenden Bosskampf, nur um im nächsten Level wieder eine komplett neue Fähigkeit zu bekommen und die alte niemals wieder sieht. Doch nicht nur die Fähigkeiten unterscheiden sich von Level zu Level – teilweise ändert sich auch plötzlich das ganze Genre. So findet man sich plötzlich in einem Action-Rollenspiel, Flugsimulator oder Rhythmusspiel wieder – nur um kurze Zeit später wieder auf die nächste Überraschung zu treffen. So bleibt It Takes Two durchgängig frisch und hat in seiner etwa zehn Stunden dauernden Geschichte immer was Neues zu bieten.

Die von Josef Fares und Soni Jorgensen erdachte Geschichte folgt zwar einem ernsten Thema, dieses sorgt aber durch die witzigen Interaktionen zwischen den Charakteren und vor allem durch Comic-Relief-Charakter Dr. Hakim durchgehend für Lacher. Das wandelnde Buch mag zwar anfangs mit seinem klischeehaften spanischen Akzent, schlechten Witzen und übertriebenen Art nerven, wächst einem aber im Laufe des Spiels immer mehr ans Herz. Mir wurde von meinem Mitspieler sogar physische Gewalt angedroht, sollte ich Dr. Hakim an dieser Stelle im schlechten Licht dastehen lassen. It Takes Two gehört dabei sicher nicht zu den spielerischen Herausforderungen: sehr großzügig gesetzte Checkpoints, schnelle Respawns und Hilfe in Form von Kommentaren der Charaktere sorgen dafür, dass man an keiner Stelle im Spiel mehr als ein paar wenige Versuche benötigt. Im Vordergrund steht die Geschichte, abwechslungsreiche Möglichkeiten, das liebevolle Design der Welten und das gemeinsame Durchspielen des Titels, welches zu einem Abenteuer wird, das man so schnell sicher nicht vergisst. Oder um es in den Worten von Josef Fares zu sagen: „This is the shit! I’m telling you —this is the real shit!”


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

The Good

  • Stetige Abwechslung
  • Kreative Ideen
  • Liebevolle Synchronisation
  • Friend-Pass-Version

The Bad

  • Teilweise zu einfach
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at