Immortals Fenyx Rising

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Immortals Fenyx Rising Review

Die Götter sind los.

Relative lange war über das bei der Ankündigung noch als Gods & Monsters bekannte Projekt von Ubisoft eher wenig bekannt. Nach einer relativ sinnlosen schmeichelhaften Klage von Monster Energy hat sich Ubisoft kurzerhand dafür entschieden, das Kasperltheater vor Gericht nicht auszufechten und das Spiel umzubenennen. Immortals Fenyx Rising, wie es nun auf den Markt kommt, bleibt aber unter der Haube das gleiche Spiel. Apropos gleiches Spiel: ein gutes altes Sprichwort sagt: “Besser gut kopiert als schlecht erfunden”. Besitzer einer Nintendo Switch werden recht schnell Parallelen zu The Legend of Zelda: Breath of the Wild ziehen können, wenn sie das erste mal ins Spiel eintauchen. Ubisoft hat hier teilweise nicht nur ihre Inspiration gezogen, sondern fast schon grenzwertig dreist abgeschaut. Aber ganz ehrlich: nachdem Breath of the Wild 2 nach wie vor auf sich warten lässt, soll es Zelda-Fans nur recht sein, den Erkundungsdrang in Ubisofts Action-RPG stillen zu können. Und gerade weil das Spiel sehr an Nintendos Meisterwerk angelehnt ist, hat es mich von der ersten Minute an gepackt und seither nicht mehr losgelassen. Somit hagelt es von meiner Seite aus nur wenig Kritik diesbezüglich, so es ja auch ein völlig anderes Setting bedient und noch eine große Portion Humor reinpackt.

Nachdem Ubisoft mit der Assassin’s Creed Reihe in Odyssey einen Ausflug nach Griechenland gemacht hat, wollte man die Reise offenbar noch nicht enden lassen und sich dafür entschlossen, dem Setting einen anderen Anstrich in Form eines Cel-Shading-Looks zu verpassen, die Charaktere etwas comichafter erscheinen zu lassen und das Gameplay durch zwei Sprecher komödiös zu untermalen. Genauer gesagt ist es eine Unterhaltung zwischen Zeus und Prometheus, die unseren Helden begleiten. Die Goldene Insel, auf der Fenyx nach einem Schiffsbruch strandet, wurde von Typhon heimgesucht, der sämtliche Götter zu Stein oder anderen Dingen verwandelt hat. Nur unser Held, der eigentlich seinen Bruder rächen möchte, wurde von all dem verschont und macht sich so auf den Weg, um einigen bekannten Gesichtern unter den Göttern zu helfen und Typhon auszulöschen.

Das Spiel startet auf einer kleinen Insel, auf der ihr nach und nach alle Mechaniken und Kniffe kennenlernt, ehe ihr auf die riesige offene Welt losgelassen werdet, die ihr nach Belieben und in jeglicher Reihenfolge der Geschichtsabschnitte erkunden könnt. Zwar unterscheidet es sich im Vergleich zu Breath of the Wild dahingehend, dass ihr die Hauptgeschichte abschließen müsst, ehe ihr zum Endgegner gelangt, das tut dem Spielkonzept aber keinen Abbruch, da ohnehin viel mehr Fokus auf der Erzählung liegt, als in Immortals Fenyx Risings großem Vorbild. Es ist ein ständiges Hin und Her zwischen Zeus und Prometheus, das dem generellen Tonus des Spiels folgt, bei dem auch Hermes eine wichtige Rolle als eurer Sidekick spielt. Natürlich hält dieser auch jede Menge ulkige Momente für euch parat, wodurch man nicht immer weiß, ob man ihn lieben oder hassen soll. Aber generell ist es sehr erfrischend, mal einen nicht ganz so ernsten Ton zu hören, was auch gut zu der kunterbunten Welt der Goldenen Insel passt.

Aber mal weg von der Geschichte, die ihr ohnehin selbst erleben sollt, und hin zu all den Rätseln und Aufgaben, die euch erwarten. Hier bietet euch das Spiel reichlich Vielfalt und auch variable Schweirigkeitsgrade. Da wären Schieberätsel, die ein Bild aus vier Blöcken zeigen, das ihr in die richtige Position bringen müsst. Weiters gibt es auch Geschwindigkeitsherausforderungen, die euch abverlangen, dass ihr so schnell wie möglich zum Zielpunkt kommt – also quasi einen Mini-Marathon laufen müsst. Wobei es sich hier nicht auf die Fortbewegung per pedes beschränkt – ihr könnt euch mit euren mechanischen Flügeln durch die Lüfte sausen oder mit eurem gezähmten Reittier ins Ziel galoppieren. Dann könnt ihr auch noch Sternbildrätsel lösen, bei denen ihr eine gewisse Anzahl an Kugeln korrekt in den Einbettungen vor der Sternenkarte platzieren müsst. Die Kugeln hierfür bergen jedoch einzelne kleine Rätsel für sich, die ihr erst lösen müsst, um überhaupt an die Kugeln ranzukommen. Aber keine Angst – diese befinden sich in unmittelbarer Umgebung zur Sternenkarte. Außerdem könnt ihr euer musikalisches Geschick beweisen, wenn ihr eine gewisse Notenfolge auf einer großen Lyra nachspielt, die ihr überall auf der Insel verstreut findet.

Bewachte oder unbewachte Truhen bergen genau so wertvollen Loot, wie auch die Gewölbe, die mehr oder weniger das Equivalent zu den Schreinen aus Breath of the Wild darstellen. Diese fordern euch mit unterschiedlichen Geschicklichkeitspassagen, Schalterrätseln, Rätseln für eure Bogenschießkunst oder Rätseln, die auf die physikalischen Gesetze bauen. Jedes Gewölbe beherbergt unterschiedliche Schätze und variiert in der Länge – eben je nach Wichtigkeit. Solltet ihr einem Gott helfen und eine Besorgung in einem Gewölbe machen müssen, kann das Absolvieren dessen schon mal an der Stundenmarke kratzen. Außerdem gibt es auch einen Endboss am Ende eines solchen Gewölbes, der durchaus eure Fähigkeiten auf eine knallharte Probe stellt. Um nicht daran zu scheitern, habt ihr auch die Möglichkeit eure Fähigkeiten jederzeit hochzustufen und später wieder ins Gewölbe zurückzukehren.

Für Ausdauer, Gesundheit, Tränke oder eben auch Fähigkeiten benötigt es unterschiedliche Resourcen, die ihr durch das Erfüllen verschiedener Aufgaben erhaltet. Auch die Waffen und Ausrüstungen lassen sich aufwerten – jedoch nicht einzeln, sondern global für alles Gesammelte, was ich sehr begrüße. Es wir quasi immer der Ausrüstungsplatz verstärkt, was ungemein zum Ausprobieren verschiedene Waffen und -kombinationen einlädt. Jede Waffe hat auch mehrere Fähigkeiten, welche ihr einen eigenen Charakter verleihen und dadurch in unterschiedlichen Situationen eventuell einen besseren Vorteil bringen können, als beim üblichen Gemetzel auf der Insel. Zudem habt ihr auch die Möglichkeit Skins unabhängig von der ausgerüsteten Waffe zu verwenden. Sollte euch das Aussehen einer Waffe, aber die Fähigkeit einer anderen gefallen, so könnt ihr diese ohne Probleme miteinander kombinieren.

Die Welt ist nicht nur in eine handvoll große Bereiche eingeteilt, die sich vom Thema stark unterscheiden und so für eine Stilvielfalt sorgen, sondern auch gespickt mit allen möglichen Gegnern, die euch das Leben schwer machen wollen. Abgesehen von den üblichen Monstern, die mit einer schnellen Angriffskombo sofort dem Erdboden gleichgemacht werden, gibt es auch relativ starke Gegner, die euch einiges an Geschick abverlangen und nicht nur eure Angriffskünste ausreizen, sondern auch eure Verteidigkung. Hier kommt ihr meist nur mit perfektem Blocken und Kontern weiter, was eine schöne Herausforderung mit sich bringt und meist auch eine starke Waffe als Belohnung. Es zahlt sich in Immortals Fenyx Rising definitiv aus hier ein wenig über die Comfort-Zone zu gehen, um sich am Ende richtig gut fühlen zu können, wenn man einen starken Widersacher nach einem langen Kampf erlegt hat.

Man muss dem Spiel insgesamt betrachtet gratulieren, auch wenn es natürlich den Großteil seiner Ideen abgekupfert hat. Dennoch bringt es auch viele neue Ideen mit sich, die als großes Ganzes betrachtet, das Konzept perfekt ergänzen. Vielleicht mag es so sein, dass einem Spieler gewisse Rätsel besser gefallen, als dem Rest – vice versa. Aber ich denke, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und selbst wenn man nicht auf eine hunderprozentige Komplettierung aus ist, so kann man hier trotzdem dutzende Stunden versenken, die man sicherlich nicht bereuen wird. Grafisch wirkt das Spiel an manchen Stellen jedoch unfertig bzw. nicht mit dem nötigen Feinschliff versehen, was man vor allem an manchen Charaktermodellen merkt. Ansonsten können Xbox Series X|S und PlayStation 5 mit wunderschönem 4K-HDR-Bild begeistern. Ihr könnt zwischen High-Quality- und Performance-Modus wählen, was sich dann logischerweise in einem besseren Bild oder höherer Framerate niederschlägt – je nachdem, was euch wichtiger ist.

Die Nintendo-Switch-Version konnten wir leider nicht testen, haben aber durch Sichtigung des Videomaterials einen guten Eindruck davon gewinnen können. Natürlich hinkt es hier in grafischer Respräsentation und Performance leicht hinterher, kann aber im Gegenzug mobil und unterwegs gespielt werden. Der Clou dabei: ihr könnt euren Spielstand in die Cloud speichern und auf sämtlichen Plattformen verwenden. Sprich: zu Hause am TV über die anderen Konsolen oder am PC anfangen, in die Cloud speichern und den Speicherstand auf der Nintendo Switch runterladen und unterwegs weiterzocken. Genial! Leider müsst ihr dafür das Spiel mehrmals kaufen, was wohl kaum einer machen wird. Dennoch ein Feature, welches ich mir als Standard für die Zukunft wünschen würde. Wobei die Zukunft wohl ohnehin Cloud Gaming heißen wird und das dort ja auch schon automatisch so funktioniert. Ein Schlusswort noch zu Immortals Fenyx Rising: Absolute Kaufempfehlung!


Wir bedanken uns beim Publisher für die Bereitstellung eines Testmusters. Bitte beachtet auch unsere Wertungs-Richtlinien, an denen wir uns orientieren.

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Immortals Fenyx Rising für Xbox Series X|S und Xbox One
Immortals Fenyx Rising für PlayStation 5
Immortals Fenyx Rising für PlayStation 4
Immortals Fenyx Rising für Nintendo Switch

The Good

  • Gut geklaut und perfekt auf das griechische Setting adaptiert
  • Schöne Stil-Abwechslung der Gebiete
  • Tolle Rätselvielfalt
  • Erkundungsdrang pur

The Bad

  • Häufige Abstürze
  • Manchmal grafisch nicht 'State of the Art'
9

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at