Wollfühlvergnügen

Yoshi ist zurück! Hungrig und zielsicher wie früher, diesmal aber in entzückendes Garn gewickelt. Ob der Plattformer mehr als nur flauschig sein kann oder gar ein paar Laufmaschen besitzt, klärt unser Test.

Endlich wieder Gegner fressen und verschießen, gemütlich von der Couch aus auf einem riesigen Bildschirm. „Wie lange mag es wohl her sein?“, fragte ich mich, als ich das neue Spiel mit dem grünen Dino in der Hauptrolle zugesandt bekam. Ein Blick auf die Rückseite der verstaubten Kartonage von Super Mario World 2: Yoshi’s Island ließ mich zurückschrecken: 20 Jahre. Eine Ewigkeit! Drei Jahre hätten mir erspart bleiben können, doch obwohl ich ein Nintendo 64 besaß, ging Yoshi’s Story komplett an mir vorbei. Aber genug der grauen Erinnerung, ab ins kunterbunte Yoshi’s Woolly World!

Bereits die ersten Trailer und Gameplayvideos machten Hunger auf mehr: putzige Grafik, klassisches Yoshi-Jump’n’Run. Kann da noch etwas schiefgehen? Wahrscheinlich nicht. Denn auch das fertige Spiel verzaubert jeden Spieler innerhalb kürzester Zeit, Wollknäuel-Optik sei Dank! Das grafische Gerüst zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Spiel: Nicht nur sämtliche Yoshis, auch alle 50 Level und Widersacher sehen aus wie von Nadel und Garn erschaffen.

Doch es bleibt nicht bei dieser gestrickten Fassade, Nintendo und Good Feel wissen damit auch das Gameplay zu bereichern: An herausragenden Wollfäden kann gezogen, Plattformen können mit einem gezielten Wurf erschaffen und wiederum andere vermeintliche Sackgassen können zerdrückt werden – oder sind ohnehin Geheimgänge. Das erhöht den bereits hohen Sammelfaktor und spornt dazu an, erneut Level zu besuchen und zu meistern. Dieser Fleiß wird durch weitere Yoshi-Looks (gefundene Wunderwolle), Sticker für’s Miiverse und Bonusspiele (gefundene Grinseblumen) um Juwelen, die Powerups freischalten lassen, belohnt.

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Eintönig? – Ganz und Gar(n) nicht!

Auch abseits der Sammelwut macht das Spiel (und erneute Levelabschlüsse) unglaublichen Spaß, denn es sieht nicht nur traumhaft schön aus, es spielt sich mit höchster Präzision und strotzt nur so voller kleiner Ideen und netten Dreingaben. So gleicht keine der fünf Welten einer anderen, uns erwartet jeweils ein frisches Szenario. Ebenso differenziert sich die Spielmechanik in den verschiedenen Leveln. Das Gameplay wird durch Ausritte mit dem Hund Schnüffel oder spontanen Verwandlungen kurzzeitig verändert und bei letzterem stark beschleunigt. Dazu kommen viele kleinere Rätsel, um an zunächst unerreichbare Orte zu gelangen oder Schlüssel für uns noch verschlossene Tore einzusacken.

Ebenbürtig abwechslungsreich sind auch die Gegner. Kommen wir mit der Zunge nicht weiter, verwickeln wir sie mit einem ausgespuckten Wollknäuel und machen sie bewegungsunfähig. Die Bosskämpfe gestalten sich – Nintendo typisch – zwar recht simpel, beleben aber durch ihre Erscheinung und verschiedenen Schwachpunkten den Spielalltag. Dem Zwischenboss in Welt 2 etwa, ziehen wir mit Yoshis Zunge immer weiter die Hose aus, sodass dieser vor Scham rot anläuft und das Weite sucht – herrlich amüsant.

Wer es noch eine Spur chaotischer mag, kann im Koop zu zweit durch die Level springen. Das ist zunächst wirklich unübersichtlich und endet nicht selten im Kannibalismus, doch spielt man sich schnell warm und erreicht einige Rätselpassagen umso leichter. Kein Freund da? Kein Problem! Mit einem von drei flauschigen amiibos erschafft ihr einen zweiten, euch verfolgenden Yoshi. Übrigens: Weitere amiibos werden auch erkannt, schenken euch aber anstatt eines Duplikats, ein neues Aussehen.

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Verstrickt und zugenäht

Aber auch ein Woolly World verheddert sich einige Male: Die niedlichen Yoshi Geräusche werden schnell eintönig und auch vom Soundtrack blieb in unseren Ohren bislang kaum etwas hängen. Ebenso ergeht es der Abwechslung: Zwar bekommen wir viel geboten, der Plattformer bleibt sich jedoch überwiegend treu und ist im Kern ein klassisches Yoshi-Spiel, das vom Gegner Verschlingen und Verschießen, vom Springen und kurzzeitigem Knobeln dominiert wird.

Ein Kritikpunkt, der vielen Nintendo-Titeln attestiert wird, kann allerdings (zumindest teilweise) gestrichen werden: Es erwartet uns kein super seichtes Durchrennabenteuer. Ab der zweiten Welt zieht der Schwierigkeitsgrad merkbar an, wird aber weder frustrierend schwer, noch ist er mit einem Donkey Kong: Troopical Freeze vergleichbar. Wem das vor eine Herausforderung stellt, kann optional eine leichtere, als „Entspannt“ betitelte, Option wählen, die Yoshi vor Abstürzen bewahrt.

FAZIT

Yoshi’s Woolly World ist ein klassischer Nintendo-Plattformer mit toller Steuerung und flauschiger Wolloptik, die gelungen das Gameplay erweitert. Untypisch, dafür aber äußerst willkommen, ist der ansteigend knackige, aber niemals den Geduldsfaden zerreißende Schwierigkeitsgrad. Einzig an wirklich großen Überraschungen fehlt es dem Abenteuer und verwehrt ihm eine noch bessere Wertung. Nichtsdestotrotz haben wir es hier mit einem Must-Have für die Wii U und einem perfekten Titel für die sonnigen Tage des Jahres zu tun!

WERTUNG: 8.5/10

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei Nintendo Österreich für das Zusenden eines Testmusters!

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.