Xbox Series X Review

Unsere Erfahrungen mit Microsofts neuem High-End Tower.

Eine neue Konsolengeneration ist immer wieder etwas Aufregendes. Wobei ich zugeben muss, dass es sich diesmal ein wenig anders anfühlt. Bisher sah man viele Sprünge in Grafik und Performance, wenn man die Generationsübergänge der letzten 35 Jahre hernimmt. Man denke nur zurück an die 8-bit-Zeiten, den Sprung auf 16-bit oder 32-bit, die ersten Gehversuche in 3D, eine Online-Community für Mehrspieler-Modi oder auch den Sprung ins HD-Zeitalter. Immer wieder konnte man uns aufs Neue zum Staunen bringen. Doch was, wenn man irgendwann die klare Linie zwischen Konsolengenerationen nicht mehr eindeutig erkennen kann? Sind wir dann am Ende der Innovationen angekommen? Nun, worauf ich hinaus möchte, ist, dass Microsoft und Sony mit ihren neuen Konsolen diesmal das Rad wohl nicht neu erfinden werden. Soll aber nicht heißen, dass es keinerlei Gründe für einen Kauf dieser gäbe. Die Liebe steckt diesmal einfach im Detail und man zieht in vielen Belangen endlich mit der PC-Gaming-Welt gleich oder überholt diese sogar. Zudem wird der Fokus auch auf Streaming aus der Cloud gelegt, was mir als Sammler von physischen Medien noch nicht ganz so gut schmeckt, aber durchaus auch Spaß macht und seine Vorteile erkennen lässt. Wobei das Sammeln von Datenträgern spätestens mit 50GB großen Day 1 Patches obsolet geworden ist. Auf all das und noch viel mehr möchte ich in unserem Review zu Microsofts Xbox Series X eingehen.

Die Xbox Series X Konsole in ihrer vollen Pracht.

Das Setup

Das Einrichten eurer neuen Xbox Series X könnte sich eigentlich kaum einfacher gestalten und auch Personen mit Mangel an technischer Gewandtheit werden dies ohne Schwierigkeiten bewerkstelligen können. Alles, was ihr dazu benötigt, ist euer Smartphone und die Xbox-App, auf welcher ihr einfach den Code abtippt, der euch am Bildschirm angezeigt wird, nachdem ihr eure Konsole das erste Mal in Betrieb genommen habt. Nach wenigen Schritten der Konfiguration am Smartphone ist es dann auch schon soweit. Ihr könnt den neuen, verbesserten Controller in eure Hände nehmen und umgehend anfangen zu zocken.

Der Controller

Wo wir schon dabei sind, gehen wir doch gleich mal auf den neuen Controller ein. Im Gegensatz zu Sonys völlig neu gestaltetem DualSense, bleibt der Xbox Series X Controller seiner Linie treu. Das mag auf den ersten Blick vielleicht enttäuschend wirken, ist in meinen Augen aber kein Grund zur Sorge. Die Xbox Controller der Vergangenheit zählten bereits allesamt zu den besten Controllern, die man überhaupt in den Händen halten kann. Ich spiele seit jeher auch auf dem PC mit den Eingabegeräten von Microsoft, angefangen beim Xbox 360 Controller über die verschiedenen Controller der Xbox One bis hin zu eben dem ganz neuen Modell der Xbox Series X. Ein altes Sprichwort besagt “if it ain’t broke, don’t fix it” und dem stimme ich zu. Dennoch wartet der Xbox Series X Controller mit kleinen Feinheiten auf euch, die positiv auffallen. Zum einen wurde das Steuerkreuz überarbeitet und bietet nun ein bisschen mehr “Klick-Feedback” als auch eine genauere Eingabe, zum anderen habt ihr an den Schultertasten ZL und ZR als auch an den Flächen für eure Hände eine leicht geriffelte Oberfläche, wodurch der Controller besser in der Hand liegt und man nicht Gefahr läuft, bei hitzigen Spielsituationen abzurutschen. Der Controller wird nach wie vor über zwei AA-Batterien betrieben, bietet jedoch einen USB-C Anschluss, um diesen entweder per Kabel an die Konsole anzuschließen oder mit einem Akku über eben diese Schnittstelle wieder aufzuladen. Das Gute daran: eure offiziellen Akkus für Xbox One Controller funktionieren hier nach wie vor. Bei Third-Party-Produkten könnte es unter Umständen jedoch Probleme geben. Zu guter Letzt gibt es auch noch einen neuen Share-Button, der euch sämtliche gespielte Erlebnisse mit der Welt teilen lässt. Das funktioniert auch recht gut und schnell – nicht nur bei Screenshots, sondern auch bei Videoaufnahmen, die man nun unkompliziert und einfach zurechtschneiden kann.

Die neue, geriffelte Oberfläche an einigen Stellen des Xbox Series X Controllers.

Die Architektur

Microsoft setzt diese Generation auf ihre so genannte “Xbox Velocity Architecture”. Am einfachsten wäre das wohl mit “ausnahmslos alles muss schnell sein” zu übersetzen. Dafür sorgt nicht nur die eingebaute SSD-Festplatte mit einem Fassungsvermögen von 1TB (bei der Xbox Series S 512GB; beide Konsolen mit externen SSD-Speicherkarten erweiterbar), sondern auch das neue “Quick Resume” Feature, welches bereits in der letzten Konsolengeneration seine Anfänge auf allen Plattformen genommen hat. Da war es aber noch auf die Möglichkeit beschränkt, dass man ein Spiel wie bei einem PC-Betriebssystem minimieren und inzwischen diverse Apps, wie beispielsweise den Shop, durchforsten kann. Microsoft setzt nun aber noch einen drauf und lässt euch nicht nur ein Spiel in den Standby setzen, sondern gleich mehrere, sodass ihr nach Belieben rasch zwischen diesen wechseln könnt. Das ist einerseits vom Spiel selbst abhängig (manche Spiele benötigen noch ein Update nach dem Launch der Xbox Series X), andererseits auch vom freien Festplattenspeicherplatz, da der Status des Spiel auch irgendwo gespeichert werden muss. Je mehr Spiele man in den Quick-Resume-Modus geben möchte, desto mehr Speicherplatz sollte natürlich auch frei sein. Daher hat das Feature auch ein Limit in der Anzahl der Spiele, die das gleichzeitig nutzen können. Über den Daumen gerechnet kann man jedoch sagen, dass ihr mindestens eine Handvoll Spiele in den Quick-Resume-Modus schicken könnt, ohne, dass das allererste Spiel darin komplett neu gestartet werden muss. Und das Beste daran: das funktioniert auch mit Xbox One-, Xbox 360- und original Xbox-Spielen. Wir sind von diesem Feature hellauf begeistert, da es, bis auf wenige Ausnahmen im Review-Zeitraum, welche noch gepatcht werden, einwandfrei funktioniert hat. Zusammen mit dem superschnellen Bootvorgang der Konsole bzw. dem Erwachen aus dem Standby, steht einem schnellen Einstieg ins Spiel nun nichts mehr im Weg.

Das Innenleben der Xbox Series X ist auf Schnelligkeit ausgelegt und dabei auch noch extrem leise.

Die Power

Microsoft hat seit der offiziellen Präsentation der Xbox Series X immer wieder davon gesprochen, dass es die stärkste (Xbox-)Konsole überhaupt ist und wir uns quasi auf eine Zeit einstellen können, in der eine 4K-Auflösung mit 120FPS zum Standard werden soll. Zusammen mit hardwarebeschleunigtem DirectX-Raytracing und HDR sollen Spiele so überwältigend und echt aussehen, wie nie zuvor. Gut, Raytracing und HDR sind Technologien, die mir tatsächlich völlig neue Seiten an Spielen zeigen, die man so gar nicht beschreiben kann. Vor allem HDR war bereits auf der Xbox One X sehr beeindruckend und brachte mich das ein oder andere Mal so richtig zum Staunen. Dass man von all dem Versprochenen in Kombination derzeit aber noch ein Stück weit entfernt ist, ist wohl kein Geheimnis. Vor allem Raytracing fordert seine Resourcen ein und die meisten Spiele schaffen noch nicht mal 4K/60FPS. Aber wir sprechen hier natürlich auch von Spielen, die derzeit keineswegs für die Xbox Series X optimiert sind. Nach und nach erhalten nicht nur Launch-Titel, sondern auch ältere Veröffentlichungen, Patches, die sich an das annähern sollen. So ist von Microsoft bereits angekündigt worden, dass die gesamte Halo-Collection in Kürze mit 4k/120FPS spielbar sein wird. Auch Gears 5 wurde bereits mit so einem Patch ausgestattet, wobei sich die 120FPS hier lediglich auf den Mehrspieler-Modus beschränken. Dennoch eine starke Ansage, die hoffentlich eine Richtung weisen wird. Mit läppischen 30FPS kann man heutzutage keinen mehr beeindrucken und vor allem Action-Spiele leiden massiv darunter. PC-Spieler werden das Problem ohnehin nur belächeln, aber es ist positiv zu werten, dass zumindest Microsoft eindrucksvoll vorlegt. Mit einem Standard von 4K/60FPS wäre ich aber schon mehr als zufrieden. Schaun wir mal, wo der Weg die nächste Jahre über hinführt.

Randnotiz zur Xbox One S: Diese wird eine maximale native Auflösung von 1440p bieten und ist daher von diesen Zukunftsvisionen auszuschließen.

Gears 5 auf der Xbox One X.

Gears 5 auf der Xbox Series X.

Wie auf den beiden Bildern zu sehen ist, zeigt die Version für Xbox Series X umfangreichere Details und kann mit viel besseren Lichteffekten und natürlich auch einer 4K-Auflösung mit stabilen 60FPS überzeugen. Sollten Spiele keinen Patch für die Xbox Series X erhalten, so profitieren sie dennoch von der besseren Hardware, in dem sie gegenenenfalls mit bis zu doppelter Framerate laufen und auch per Auto-HDR in neuem Glanz erstrahlen können.

Die Lautstärke

Ein sehr wichtiger Punkt für mich ist immer die Lautstärke der Konsolen. Konnte ich es anfangs gar nicht glauben, dass die Xbox 360 wahrlich einem Düsenjet gleicht, so war ich umso erstaunter, als das Teil dann wirklich bei mir im Wohnzimmer abheben versuchte, wohingegen die PlayStation 3 und Wii relativ leise waren. Die Xbox One hingegen raucht die PlayStation 4 in der Pfeife, wenn es darum geht, wer den Lautstärken-Wettbewerb der letzten Generation gewonnen hat und auch diesmal dürfte die Xbox Series X gute Karten haben. Ich mach es kurz: sie ist de facto nicht zu hören. Das Erstaunliche dabei ist, dass die Konsole auch nach mehrstündiger Spielesession mit Doom Eternal, einem doch recht hardwareforderndem Spiel, keine Anstalten macht, sich zu melden. Die Kühlung der Konsole erfolgt durch das Ansaugen von kühler Umgebungsluft auf der Rückseite und das Ausstoßen der heißen Abluft über die Oberseite. Zudem ist das Mainboard der Konsole auch gesplittet, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu gewährleisten und trotzdem genügend Power zur Verfügung zu haben. Solltet ihr die Konsole hinlegen wollen, dann muss natürlich darauf geachtet werden, dass kein Luftstau entsteht. Auch ich habe früher gerne meine Konsolen in enge Schächte gestellt, ohne wirklich auf das zu achten. So ist natürlich jegliche Diskussion über Lüftergeräusche irrelevant, da man der Konsole ohne eine vorteilhafte Position kaum Gutes tut. Der große Knackpunkt wird sich aber wohl erst im Sommer zeigen, wenn die Umgebungstemparaturen bei vermeintlich vorteilhafter Positionierung wenig bringen werden. Die Erfahrung mit der Xbox One X zeigt, dass diese im Sommer doch etwas lauter geworden ist, als sonst – dennoch weitaus leiser als die PlayStation 4, die teilweise knapp vor dem Kollaps war. Von daher bin ich guter Dinge, dass sich die Xbox Series X ähnlich gut schlagen wird.

Microsoft hat dafür gesorgt, dass die Xbox Series X nicht nur kühl bleibt, sondern gleichzeitig auch leise ist.

Smart Delivery

Durch die vollständige Abwärtskompatibilität zur Xbox One hat sich Microsoft etwas einfallen lassen, das automatisch darauf achtet, welche Version eines Spiels auf eurer Festplatte landet. Habt ihr beispielsweise Gears 5 für die Xbox One gekauft, so installiert die Xbox Series X automatisch die nötigen Patches zur Verbesserung des Spiels, um quasi die Next-Gen-Version dessen zu erhalten. Microsoft hat dieses Programm ebenfalls für Third-Party-Publisher geöffnet, wodurch auch Spiele, wie beispielsweise Watch Dogs: Legion oder Yakuza: Lika a Dragon davon Gebrauch machen. Kauft ihr also ein Spiel für die Xbox One oder habt noch welche zu Hause oder im digitalen Shop gekauft, müsst ihr euch ab sofort keine Gedanken darüber machen, ob dieses auf der Xbox Series X läuft oder ihr lieber auf eine Next-Gen-Version des Spiel warten solltet. Einfach das Spiel einlegen und die Konsole kümmert sich selbst drum. Microsoft hat zudem angekündigt, dass sämtliche Spiele der Xbox Game Studios einen “Optimized for Xbox Series X|S” Patch erhalten werden und viele Third-Party-Publisher, wie beispielsweise CD Project Red (The Witcher 3, Cyberpunkt 2077) und weitere, dem ebenfalls Folgen werden.

Leider gehören an dieser Stelle auch die schwarzen Schafe der Industrie erwähnt und so müsst ihr bei Spielen von Activision genau drauf achten, was ihr kauft. Die wollen nämlich satte zehn Euro für einen “Optimized for Xbox Series X|S” Patch sehen und auch Electronic Arts hat bereits sein eigenes “Upgrade-System” angekündigt. Zudem sollen auch verschiedene Verkaufsversionen der Spiele auf Disc erscheinen. Ähnliche Ideen kommen auch von 2K und 505 Games. Entweder genau drauf achten oder generell einen großen Bogen um die Spiele dieser Publisher machen. Eure Entscheidung.

Yakuza: Like a Dragon wird eines der Spiele sein, welche die Vorteile der Xbox Series X vollständig auskosten werden.

Die Abwärtskompatibilität

Die Marketingabteilung bei Microsoft hat es zusammen mit Phil Spencers Auftritten bei etwaigen Gaming-Events geschafft, dass sich die absolute Abwärtskompatibilität der Xbox Series X in mein Hirn eingebrannt hat. Dementsprechend froh war ich, dass ich endlich meine Xbox One X und Xbox 360 abstecken und so Platz im Regal schaffen konnte. Die Xbox liegt ohnehin schon länger in der Kiste, man muss halt Prioritäten setzen. Doch ganz so rosig, wie man es dauernd prophezeit, ist die Abwärtskompatibilität dann doch nicht. Anders als angenommen, bezieht sich die Abwärtskompatibilität nämlich immer noch auf eine von Microsoft gepflegte Liste, welche Spiele denn tatsächlich auf der neuesten Hardware funktionieren würden und welche eben nicht. Und da hat sich seit der Xbox One wenig getan. Dennoch schaffen es mit Stand 5. November 2020 insgesamt 543 Xbox-360-Spiele als auch 36 Original-Xbox-Spiele auf die neue Hardware. Solltet ihr das Spiel digital erworben haben, müsst ihr dieses lediglich auf eurer Konsole herunterladen. Habt ihr noch eine Disc zu Hause und legt diese in die Xbox Series X ein, so wird ebenfalls das digitale Spiel heruntergeladen und die Disc gilt quasi nur als DRM-Schutz. Ist die Disc nicht eingelegt, lässt sich das Spiel folglich auch nicht starten. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass ihr keine Laufwerksgeräusche, die ohnehin sehr gering wären, zu hören bekommt und dass diese Spiele auch von der superschnellen SSD-Festplatte Gebrauch machen können. Zudem laufen abwärtskompatible Spiele auch in höherer Auflösung und genießen einige technische Verbesserungen, wie beispielsweise besseren Oberflächenfiltern oder erweiterten Farbdetails. Spielstände (in der Cloud), gekaufter DLC und freigeschaltete Erfolge funktionieren natürlich nach wie vor und so kann man vormals angefangene Spielstände auf deiner Xbox Series X einfach und unkompliziert fortsetzen. Bei unseren Tests war ich jedenfalls erstaunt über die wirklich einfandfreie Implementierung von all dem, bin aber doch ein wenig traurig darüber, dass viele Spiele immer noch nicht laufen und es vermutlich auch nie werden. So muss die Xbox 360 dann doch wieder zurück ins Regal. Die Xbox One X bleibt jedoch abgesteckt, denn, wie schon mal erwähnt, garantiert die Xbox Series X Kompatibilität zu sämtlichen jemals erschienenen Xbox One Spielen und das nenne ich einfach mal großartig! Egal ob Disc oder digital, die Spiele laufen besser, sehen besser aus und per Auto-HDR wird sogar die grafische Repräsentation aufgebohrt, ohne, dass Entwickler dafür einen Finger krümmen müssten. Das übernimmt die Hardware, ohne wirklich Einbußen hinsichtlich der Performance zu zeigen. Wahrlich spektakulär und ein Grund, warum man neidisch auf die Xbox Series X blicken darf.

Die Abwärtskompatibilität der Xbox Series X bietet vom ersten Tag an ein umfangreiches Software-Portfolio zum Durchstarten.

Der Xbox Game Pass

Die Filmindustrie hat es vorgemacht und jetzt ist es auch in der Gaming-Welt endlich soweit. Das Netflix für Videospiele hat einen Namen: Xbox Game Pass. Solltet ihr erstaunlicherweise noch nichts darüber gehört haben, so ist dies schnell erklärt. Ihr wählt eine aus drei verschiedenen Modellen aus und zahlt einen monatlichen Beitrag, um Zugang zu einer Vielzahl an Spielen zu erhalten, die ihr dann ohne weitere Kosten herunterladen und spielen könnt. Dabei habt ihr die Wahl zwischen der Konsolen-Version, der PC-Version und der Ultimate-Version. Die beiden Basis-Versionen bieten euch zu jeder Zeit mehr als 100 (plattformabhängige und unterschiedliche) Spiele, die in unregelmäßigen Abständen wechseln. Zudem erhaltet ihr bereits am Veröffentlichungstag Zugriff auf sämtliche Xbox Game Studio Spiele und Mitgliederrabatte auf dauerhafte Käufe, der angebotenen Spiele. Das macht durchaus Sinn, wenn ihr den Game Pass irgendwann mal kündigen solltet. Die Ultimate-Version kombiniert dann nicht nur die Konsolen- als auch PC-Version, sondern legt nochmals einige bombastische Möglichkeiten oben drauf. So ist zusätzlich eine Xbox Live Gold Mitgliedschaft enthalten, die euch weitere kostenfreie Gold-Spiele, als auch die Möglichkeit einbringt, online mit anderen spielen zu können. Der Renner kommt zum Schluss: Ihr könnt mit eurer Ultimate-Mitgliedschaft auch Spiele aus der Cloud streamen. Derzeit ist dies zwar nur auf Android-Smartphones möglich (bzw. mit Sideloading auch auf Android-TV-Geräten oder einem Nvidia Shield), soll in Zukunft aber zumindest auch auf das iPhone bzw. iPad ausgeweitet werden. Da sträubt sich im Moment Apple ein wenig dagegen, wen wundert’s? Mir stellt sich nur die Frage, ob das Streaming Angebot jemals auf (andere) Konsolen oder auch dem PC ausgeweitet wird. Microsoft möchte ja, dass so viele Gamer wie möglich Zugriff zu ihren Spielen haben. Nehmen wir mal an, jemand kann sich keine Xbox Series X leisten, möchte aber Next-Gen Spiele auf seiner Xbox One spielen. Wäre natürlich optimal, wenn man dann einfach sagen könnte, dass man sich den Ultimate-Game-Pass holt und sich die Spiele auf die Xbox One Konsole streamt. Selbes gilt für den PC, der so Zugriff auf sonst exklusive Konsolenspiele bieten würde. Die Zukunft des Xbox Game Pass ist sicher noch ein wenig ungewiss, aber eines ist bereits jetzt klar: Das Angebot des Xbox Game Pass zu einem Preis zwischen EUR 9,99-12,99 und vor allem den Testmonaten um einen einzigen Euro ist schon jetzt unschlagbar und konkurrenzlos.

Der Xbox Game Pass stellt euch jederzeit mehr als 100 Spiele und Cloud-Streaming zur Verfügung.

Streaming

Ganz ehrlich? Ich bin ein alteingesessener Sammler von Videospielen auf physischen Datenträgern. Nicht, weil ich altmodisch sein möchte, sondern weil ich Spiele für die Ewigkeit (sofern es die Datenträger halt zulassen) besitzen möchte. Meine Kinder sollen einmal mit mir gemeinsam Tetris oder Super Mario spielen können oder vielleicht auch irgendwann in Halo reinschnuppern oder ihre Gärtnerkarriere in den von mir so geliebten Viva Piñata Spielen starten. Sofern ich die Spiele auf ihren dedizierten Datenträgern besitze ist das alles kein Problem. Wir haben aber in der Vergangenheit zur Genüge erlebt, dass eine digitale Lizenz nichts wert ist, da Spiele aus dem Store verschwinden, Lizenzen ohne Grund plötzlich entzogen werden oder digitale Stores gänzlich schließen und damit den Zugriff auf digital erworbene Software verwehren. All diese Horrorszenarien hindern mich persönlich daran, Vollpreis für ein digitales Spiel zu zahlen. Doch leider hat sich ohnehin ein Trend in den letzten Jahren durchgesetzt, der mir sauer aufstößt: release now, fix later! 50GB große Day 1 Patches, 250 GB große Installationen auf der Festplatte, und und und… All dies und noch viel mehr haben das physische Medium und die Präservierung von Videospielen ohnehin schon obsolet gemacht. Hat man sich damit erstmal abgefunden, ist man wohl auch offen für Neues, wie beispielsweise das Streamen von Videospielen.

Der erste Streaming-Service OnLive war im Jahre 2010 seiner Zeit weit voraus und konnte sich leider nicht über Wasser halten. Nun, 10 Jahre später, ist Streaming im Videospielbereich einigermaßen brauchbar geworden und begeistert mich, als Nintendo-Switch-Besitzer, vor allem dadurch, dass man immer und überall Zugriff auf seine Spiele hat. Nehmen wir uns ein reales Beispiel: Meine Tochter hatte Geburtstag und wir waren bei meiner Mutter zu Besuch. Es wurde gefeiert und gelacht, bis die Kleine müde wurde und ein Mittagsschläfchen hinlegte. Da tat sich doch tatsächlich ein Zeitfenster auf, in dem ich mit der Xbox Series X spielen hätte können. Doch die Konsole steht zu Hause und man will ja nicht die Party nicht gleich wieder verlassen. Also zückte ich mein Android-Smartphone aus der Hosentasche und startete die Xbox Game Pass App. Den Controller samt passender Halterung hatte ich natürlich vorsorglich mitgenommen und gleich mit dem Smartphone via Bluetooth verbunden. Nach wenigen Sekunden hatte ich bereits das erste Spiel aus der Game Pass Bibliothek zum Streamen gestartet und es funktionierte auch mit dem eher mageren und instabilen Internet meiner Mutter (Magenta, hauseigenes Modem-Router-Kombigerät, 40Mbit/s) einigermaßen gut.

Bei Microsoft stehen die Spiele im Vordergrund. Daher sollt ihr diese auch immer und überall spielen können.

Bei meinen Tests zu Hause (Magenta, hauseigenes Modem-Router-Kombigerät im Bridge Modus mit eigenem TP-Link Router, 250Mbit/s) gab es de facto keinerlei Probleme und auch nur eine sehr gerine Latenz. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Spiel à la Dark Souls oder Street Fighter damit spielen würde, wo es doch auf einzelne Frames ankommt. Aber die breite Palette an angebotenen Spielen funktioniert besser als erwartet und das hat mich doch ein wenig erstaunt.

Etwas, das ebenfalls meine Begeisterung auf sich gezogen hat, ist die Tatsache, dass man nicht nur Spiele aus der Cloud streamen kann, sondern auch einen Remote-Zugang zu seiner Xbox Series X Konsole hat. Sprich: ich kann mich mit meiner Konsole zu Hause verbinden und sämtliche Spiele die sich darauf befinden auch streamen. So ist man nicht mehr lediglich auf das Angebot des Xbox Game Pass beschränkt und kann sogar seine Xbox- oder auch Xbox 360-Spiele quasi in die Cloud holen.

Fazit

Nach rund drei Wochen intensiv verbrachter Zeit mit der Xbox Series X bin ich von der Konsole und dem damit verbundenen Angebot von Microsoft vollends überzeugt. Die Konsole bietet genau das, was man über Monate hinweg angepriesen hat und geizt auch nicht mit tollen Features, die man künftig nicht mehr missen möchte. Vermutlich ist der Xbox Game Pass nun auch der Grund dafür, warum ich mich schön langsam vom Gedanken verabschieden werde, weiterhin physische Medien zu sammeln. Soll nicht heißen, dass ich aufhöre, mir diese zu kaufen. Vor allem nicht, nachdem die Preise für Spiele diese Generation um bis zu 20 Euro gestiegen sind und man sich doch das ein oder andere mal auf die ominöse Wühlkiste verlassen möchte, um ein Schnäppchen zu schlagen. Aber der Komfort, Spiele einfach auszuprobieren, ohne ein finanzielles Risiko eingehen zu müssen, ist doch recht angenehm. Außerdem stehen einem so eigentlich immer mehr Angebote zur Verfügung, als man ohnehin als regulär arbeitender (Familien-)Mensch konsumieren kann. Die SSD Festplatte eleminiert endlich die elendslangen Ladezeiten und bringt den Spaß am Spiel zurück ins Wohnzimmer. Streaming aus der Cloud oder von der eigenen Konsole lässt euch auch unterwegs keine Minute vergeuden und funktioniert in den meisten Fällen problemlos. Einzig und allein am UI und der UX möchte ich ein wenig Kritik üben. Wenn man da ein wenig über den Tellerrand hinüber zu Sony blickt, passiert dort mit dem neuen und interaktiven Interface der PlayStation 5 schon einiges mehr. Ich hoffe, dass sich Microsoft da noch ein wenig inspirieren lässt und ähnliche Features nachzieht. Ansonsten kann ich unterm Strich nur sagen, dass mich die Xbox Series X in beinahe allen Belangen vollends überzeugt hat und ruhigen Gewissens sagen kann, dass sich ein Kauf der Konsole absolut lohnt. Auch wenn die Launch-Titel fehlen, um ein Verkaufsargument zu unterstreichen, so füllen der Xbox Game Pass und die Abwärtskompatibilität diese Lücke derzeit ausreichend – vor allem für Spieler, die keine Xbox One Konsole zu Hause haben und quasi neu einsteigen. Spätestens wenn Microsoft ihre exklusiven Spiele der aufgekauften Studios präsentiert, gibt es wohl keinen Weg mehr an der Xbox Series X vorbei.

Hinweis: Eindrücke und Reviews zu Spielen rund um die Xbox Series X werden wir nach und nach in den nächsten Tagen und Wochen veröffentlichen.

Wir bedanken uns bei Microsoft für die Bereitstellung der Konsole und Spielen zu Review-Zwecken.


Hardware Specs (Xbox One X)

CPU: 8X Cores @ 3.8 GHz (3.6 GHz w/SMT) Custom Zen 2 CPU
GPU: 12 TFLOPS, 52 CUs @1.825 GHz Custom RDNA 2 GPU
RAM: 16GB GDDR6 w/320 bit-wide bus
Speicher: 1TB Custom NVME SSD
Erweiterbarer Speicher: Support für 1TB Seagate Expansion Card für Xbox Series X|S. Support für USB 3.1 externe HDD.
Angepeilte Performance: 4K @ 60FPS, mit Support für bis zu 120FPS.
HDR: Bis zu 8K HDR
Laufwerk: 4K UHD Blu-Ray
HDMI 2.1 Features: Auto Low Latency Mode. HDMI Variable Refresh Rate. AMD FreeSync.
Sound: Dolby Digital 5.1, DTS 5.1, Dolby TrueHD with Atmos, bis zu 7.1 L-PCM.
Anschlüsse: 1x HDMI 2.1, 3x USB 3.1 Gen 1, Wireless 802.11ac dual band, Ethernet 802.3 10/100/1000, Accessories radio: Dedicated dual band Xbox Wireless radio.
Maße: 15.1cm x 15.1cm x 30.1cm
Gewischt: ca. 4,45kg

Optimiert für Xbox Series X|S

Hier findet ihr eine Liste aller Spiele, die über Smart Delivery kostenfreie Updates für eure Xbox Series X erhalten und welche Spiele lediglich eine so genannte “Dual-Gen” Version besitzen. Soll heißen, dass ihr Dual-Gen entweder doppelt kaufen oder für einen Next-Gen-Patch zahlen müsst. Dies betrifft, wie im Artikel erwähnt, lediglich Spiele von Activision, Electronic Arts, 2K und 505 Games.

Stand: 05. November 2020

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at