Xbox One Controller

Videospielkonsolen definieren sich durch die unterschiedlichsten Dinge. Neben irgendwelchen in fast allen Fällen sinnfreien technischen Zahlenspielen und dem sich stetig angleichenden Angebot an Videospielen, werden auch immer öfter die Onlinefunktionen und die damit verbundenen Premiumdienste zur Bewertung herangezogen. Alles in Wirklichkeit in der Kategorie Kindergeburtstag einzuordnen, denn das wichtigste ist und bleibt das Eingabegerät, der Controller. Stellt sich nur die Gretchenfrage, ob jetzt der DualShock 4-Controller von Sony oder der Xbox One-Controller von Microsoft in meiner Gunst weiter vorne liegt? Die Überschrift nimmt es vorweg, für mich ist es der Xbox One Controller, jedoch liegt es weniger an den prominent vermarkteten Funktionen wie den zu selten spürbaren Impuls-Triggern oder der gefühlt achten Revision des D-Pads.

Einer der Hauptgründe ist und bleibt die haptische Wahrnehmung. Sony hat zwar mit der vierten DualShock-Generation einen für mich länger als zwei Stunden benutzbaren Controller geschaffen, der Haltekomfort des Xbox One-Controllers bleibt aber meiner Ansicht nach unerreicht. Es ist schwer in Worte zu fassen warum, aber es fühlt sich einfach gut an, den Controller in Händen zu halten. Die Zeigefinger auf den oberen Triggern, die verlängerten Ansätze in den Handflächen und die Daumen auf dem linken Analogstick sowie dem A/B/X/Y Tastenfeld. Keine Ahnung, ob es die Asymmetrie der Analogsticks und Tasten ist, die zur symmetrischen Haltung der Daumen führt, oder das durch die Batterien in die obere Hälfte verlagerte Gewicht, wodurch der Controller stärker auf den beiden Mittelfingern ruht. Die Xbox One-Version scheint auf den ersten Blick nur eine minimale haptische Weiterentwicklung des Xbox 360-Controllers zu sein, aber je länger man damit spielt, desto mehr gewöhnt man sich an die kleinen Verbesserungen, die als Gesamteinheit betrachtet mehr als nur minimal sind.

Aber auch von technischer Seite wählt Microsoft eine teils überraschend andere Strategie als beim Vorgänger. Zumindest meine ich eine Strategie zu erkennen – wobei ich mir nie wirklich sicher bin, ob es sich tatsächlich um einen penibel im Vorfeld geplanten Weg handelt oder eher um eine Häufung glücklicher Zufälle in Form von klugen Einzelentscheidungen. Aber von vorne, denn alles hat mit dem Xbox 360 Controller begonnen, der sich langsam aber sicher zum Standard-Controller für den PC gemausert hat. Entweder eigenständig als Xbox 360-Controller für Windows oder nachgerüstet mittels Xbox 360 Wireless Adapter für Windows konnten PC-Spiele mit dem besten Eingabegerät der damaligen Konsolengeneration gesteuert werden. Zu Beginn eigentlich als kleiner Teil der massiv gegen die Wand gefahrenen Games for Windows-Plattform beziehungsweise -Marketingkampagne gedacht, wurde daraus aufgrund der nicht vorhandenen Konkurrenz und der extrem hohen Qualität ein Standard für alle Spiele auf allen Plattformen.

Dies hat auch Microsoft bemerkt und wie es scheint bereits früh in der Entwicklung des Nachfolgers berücksichtigt, denn der zweite Grund fällt unter den Begriff der Konnektivität. Anstelle unterschiedlicher Hardwareversionen, einem Adapter oder proprietären Anschluss lautet die Antwort Micro-USB und Softwaretreiber. Ein mittlerweile übliches Micro-USB-Kabel verbindet den Controller mit dem PC, wodurch der Xbox One-Controller sein weiterhin proprietäres Funkmodul deaktiviert, die Stromversorgung ebenso über USB erfolgt und nach der Installation des Treibers alle Eingaben über USB in Richtung PC weiterleitet. Überraschend unkompliziert und wie erwartet optimal, um viele der ausgezeichneten Indie-Spiele am PC damit zu spielen.

Mehr Überraschung geht nicht? Geht sehr wohl, denn der Xbox One-Controller funktioniert auch abseits der Windows-Plattform. Konkret zum Beispiel unter Linux und noch konkreter auf dem Raspberry Pi. RetroPie macht aus dem Minicomputer eine Retrokonsole und der im Linux Kernel bereits inkludierte Treiber für den Xbox One-Controller macht die Inbetriebnahme noch einfacher als unter Windows: Anstecken, mittels Benutzeroberfläche die Tasten einmalig belegen und glücklich sein. Zwar hat Microsoft nicht für die tatsächliche Integration gesorgt, aber im Gegensatz zu früher mittels Dokumentation und der Einhaltung von Standards diese deutlich vereinfacht.

Dies ist aber vermutlich erst der Beginn von Microsofts möglicher Strategie. Die Windows-Konnektivität dient als Basis für das mit Windows 10 angekündigte – und je länger man darüber nachdenkt auch spannende – Spielstreaming von der Xbox One in Richtung PC sowie die Linux-Konnektivität als Vorbereitung auf eine etwaige Konkurrenz durch das auf Linux basierende Steam OS und den Steam Controller. Microsoft hat mit dem Xbox One-Controller viel richtig gemacht und meiner Ansicht nach sowohl durch die haptische Wahrnehmung und noch viel stärker durch die problemlose Konnektivität den besten Controller der letzten und wohl auch der nächsten Jahre geschaffen.

Microsoft präsentierte mit der Xbox One den dazugehörigen Controller und versprach mehr als 40 nicht näher genannte Neuerungen und Verbesserungen sowie das perfekte Eingabegerät. Der Windows Treiber für den Xbox One Controller kann mittels Windows Update bezogen werden oder findet sich auf der entsprechenden Xbox.com Supportseite. Unter Linux ist der Treiber ab der dem Kernel 3.17 integriert und damit auch in der Version 3 des RetroPie Projekts für den Raspberry Pi enthalten. Reine PC und Linux Spieler können beim Xbox One Wired Controller Windows Bundle für etwa 50 Euro bei Amazon zugreifen. Besitzer eines Xbox One Controllers nehmen einfach das entsprechend langen Micro-USB-Kabel für etwa 8 Euro bei Amazon oder zweckentfremden ein bereits im Haushalt befindliches Kabel. Alternativ gibt es natürlich auch den klassischen Xbox One Wireless Controller ohne beigelegtes Kabel für etwa 45 Euro bei Amazon.

Über den Autor:
Christoph Lurz ist 1984 geboren, kommt aus dem wunderschönen Oberösterreich, ist mit Videospielen groß geworden und beschäftigt sich seit Jahren auch mit dem was hinter den Kulissen der Videospielindustrie passiert. Wenn er nicht für das Continue Magazin schreibt, bloggt er auf gelurzt.at und twittert über Spiele, die Videospielindustrie und was sonst noch so passiert.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at