Welcome back, Commander.

In einem sowieso starken Gaming-Jahr erscheint mit XCOM 2 bereits im Februar ein potentielles Spiel des Jahres. Hält der zweite Teil, was wir uns erhofft haben?

Seien wir uns ehrlich: Rundenstrategie fristet seit Jahren oder Jahrzehnten ein Nischendasein. Ja, es gibt die Platzhirsche – vor allem die Civilization-Serie bekommt bei jedem neuen Release Lobeshymnen und Geldsäcke vor die Tür gestellt. Abseits davon tut sich aber im Mainstream wenig. Grund genug für die Leute von Firaxis (von denen auch die Civ-Reihe stammt), sich einer Franchise aus den 90er-Jahren anzunehmen: XCOM. Das ging mit dem ersten Teil trotz kleinerer Mängel unglaublich gut ab und wurde sowohl auf den Konsolen als auch am PC mit entsprechenden Verkaufszahlen honoriert. Und das ist gut, denn dieser Umstand hat uns das jetzt auf unseren Festplatten kreisende XCOM 2 beschert.

WIr sind bereit für die Rettung der Menschheit. Wenn wir fertig gestyled sind. //Bildrechte bei gamesintrend.com

Wir sind bereit für die Rettung der Menschheit. Wenn wir fertig gestyled sind. //Bildrechte bei gamesintrend.com

We are watching you.

Dabei beginnt der Nachfolger storymäßig so mies, wie man es sich als Widerstandskämpfer nur vorstellen kann: Die Aliens, die man in XCOM noch heldenhaft bekämpft hat, haben den Planeten Erde übernommen – und den Menschen auch noch eingeredet, dass es zu ihrem Besten passiert (hier bitte die gewünschte politische Pointe einfügen). Nur eine kleine Gruppe von Dissidenten, angeführt vom frisch wieder von den Aliens zurück-entführten Commander (also euch), widersetzt sich der Alien-Regierung namens ADVENT. Hierzu führen wir Trupps von vier bis sechs Soldatinnen und Soldaten in immer komplexere und mit härteren Gegnern bestückte Schlachtfelder – mal zu Sabotagezwecken, mal um einen VIP zu entführen, hin und wieder auch nur um einen Stützpunkt auszuräuchern. Unser Team rüsten wir im mobilen Hauptquartier namens Avenger auf: Ein auf außerirdischer Technologie basierendes Flugzeug, in dem wir forschen, bauen, basteln und die Welt zu retten versuchen. Mit ihm bewegen wir uns zwischen den Missionen auch über die Weltkarte, um an verschiedenen Orten nach Ressourcen zu suchen.

Dieses Meta-Game ist mindestens genauso wichtig wie die Missionen am Boden – ein geschickter Schachzug von Firaxis, um Abwechslung ins Spiel zu bringen. Prinzipell müssen wir die verschiedenen Länder der Erde mit Funktürmen versehen, um ihre Ressourcen und ihr Wissen um die neue Alien-Bedrohung namens „Avatar-Projekt“ nutzen zu können. Wie wir dabei vorgehen, bleibt dabei aber uns überlassen. Schneller, langsamer, mehr Ressourcen für Funktürme oder für die Waffenforschung und -bau ausgeben? Unsere Wahl. Der einzige limitierende Faktor ist der Fortschrittsbalken am oberen Rand der Map: Wird das Avatar-Projekt vollendet, sind die Partie und die Menschheit endgültig verloren. Durch Sabotage und geschicktes Taktieren kann man diesen Balken immer wieder nach unten treiben – doch auch das beinhaltet harte Entscheidungen und Opfer.

Meta-Game: Nicht nur einzelne Schlachten wollen geschlagen werden - auch der Krieg muss stimmen. //Bildrechte bei geekculture.co

Meta-Game: Nicht nur einzelne Schlachten wollen geschlagen werden – auch der Krieg muss stimmen. //Bildrechte bei geekculture.co

Honor the fallen.

Ja, Opfer – denn was immer ihr auch tun werdet, um die Menschheit zu retten, es werden Dinge dabei schief gehen.

Ein Schuss mit 90% Trefferwahrscheinlichkeit geht ins Leere, der Gegner schießt im nächsten Zug zurück und landet einen kritischen Treffer – euer Soldat haucht sein Leben aus.

Euer Flugzeug wird vom Himmel geschossen und ihr müsst in einer verzweifelten Last-Stand-Mission die Aliens zurückdrängen, um wieder abheben zu können.

Einer eurer Soldaten wird durch einen Gegner Psi-kontrolliert, erschießt zwei Kollegen und richtet sich dann mit einer Granate selbst.

Und so furchtbar das auch ist: Ähnlich wie in der Souls-Serie gehören solche Erlebnisse zum Spiel dazu. Wir als Spieler wachsen und lernen daran, selbst wenn man das nicht in Gamerscore oder Punkten messen kann. Wir werden besser und effizienter und analytischer in unserer Kriegsplanung. Und auch ans Herz gewachsene Streitkräfte können und müssen schweren Herzens ersetzt werden, denn auch wenn einzelne Schlachten verloren werden, so geht der Krieg weiter. So lange, bis ihr entweder die Menschheit gerettet habt oder ihr ein neues Spiel beginnen müsst.

But bugger the bugs.

Gut, wir haben somit festgehalten, dass XCOM 2 an und für sich ein großartiges, forderndes und packendes Spiel ist. Nun stelle ich mir aber dennoch die Frage: Warum müssen wir uns im Jahr 2016 noch immer mit Release-Mechanismen herumärgern, die nur Nachteile bringen? Nüchtern analysiert hätte XCOM 2 noch zwei bis drei Monate gebraucht, um ordentlich aufpoliert und finalisiert zu werden und somit auch eine stabile Leistung bringen zu können. Ein Auszug aus den Fehlern gefällig, die ich in 25 Stunden Kampagne erlebt habe?

  • Ruckelei und Performance-Probleme. Immer und überall. Es scheint, als ob Firaxis mit der Unreal Engine 3 ein wenig auf Kriegsfuß zu sein scheint – gut gezähmt haben sie diese jedenfalls nicht. Auch hochgezüchtete PCs haben Probleme, das Spiel mit kontinuierlich mehr als 30 fps laufen zu lassen. Mit diversen Tweaks in der ue3-*.ini-Datei lassen sich zwar erstaunliche Ergebnisse erzielen, die auch auf meiner schon etwas angestaubten GTX 660 ordentlich waren, aber verdammt – ich bin Käufer, kein Programmierer. Wenn ich Geld für etwas ausgebe, dann erwarte ich, dass ich nicht die Aufgabe der Qualitätssicherung und des Programmierteams machen muss!
  • Lade-Probleme. Könnte man zwar unter den oberen Punkt packen, verdient aber seinen eigenen Eintrag – denn Ladezeiten bis zu einer Minute sind für jedes Spiel in dieser Zeit eine Peinlichkeit. Das Lustigste daran ist, dass man beim Rückflug von einer Mission immer in eine ewig lange Ladeschleife kommt – es sei denn, man drückt die Feststell-Taste. Dann lädt der Mist innerhalb von fünf Sekunden. Wer mir logisch erklären kann, was das soll, bekommt ein digitales Bussi.
  • Absurde Zielprobleme. Mehrfach ist es vorgekommen, dass meine Soldaten auf Ziele schossen, die eigentlich nur Kollegen sehen konnten. Dass sie dann den Schuss verfehlten, ist nur konsequent – aber warum präsentiert mir das Spiel diese Gegner so, als ob ich sie treffen könnte? So verlor ich nicht nur einmal einen tapferen Kameraden.

Dies ist natürlich eine unvollständige Liste; viele, viele Bugs wurden mittlerweile schon ausgebügelt, und Firaxis verspricht hoch und heilig, dass auch in Zukunft gut gepatcht wird. Einen mehr als sauren Beigeschmack hinterlässt so ein Fuckup aber dennoch.

Wird der Schuss treffen, oder wird er aufgrund der random Chancen oder Bugs die Mauer hinter dem Alien plattmachen? Nobody knows. //Bildrechte bei gamespot.com

Wird der Schuss treffen, oder wird er aufgrund der random Chancen oder Bugs die Mauer hinter dem Alien plattmachen? Nobody knows. //Bildrechte bei gamespot.com

The mission, should you choose to accept it …

Butter bei die Fische: Sollte man XCOM 2 spielen? Immerhin reden wir von aktuell 50 € – nicht gerade ein Geschenk.

Und doch: Trotz aller Fehler, aller Nervigkeiten und Unberechenbarkeiten ist XCOM 2 für mich jetzt schon eines der Spiele des jungen Jahres. Ich schlüpfte in die Rolle des Commander wie in einen maßgeschneiderten Handschuh, die neuen Mechaniken waren nach einer Eingewöhnungszeit wie selbstverständlich und das Szenario der umgedrehten Rollen im Krieg gegen die Aliens ist unglaublich reizvoll. Wer einen halbwegs aktuellen PC und eine Faszination für Rundenstrategie hat, greift ohne Zögern zu – ein besseres Spiel aus diesem Genre werdet ihr dieses Jahr nicht mehr bekommen, Punkt.

P.S.: Falls ihr ein wenig herumexperimentieren wollt, um die Performance zu steigern – die Kollegen von Rock, Paper, Shotgun und GameStar haben zwei wunderbare Guides zusammengefasst, welche bei mir in Kombination die Framerate ungefähr verdoppelt haben. You’re welcome.


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Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.