Watch Dogs 2 Review

Ubisofts Hacktivisten sind zurück – neuer Schauplatz, neue Features und einiges an Humor.

2014 hatte Ubisoft mit Watch Dogs für vielerlei Aufsehen gesorgt. Einerseits gab es einen riesigen Aufschrei bezüglich grafischer Repräsentation, die von Ubisoft (wie bei so vielen anderen Titeln rund um den Release des Titels) verfälscht und in Präsentationen schöner wiedergegeben wurde, als es das Endprodukt dann tatsächlich tat. Andererseits konnte man durch den Fall von Edward Snowden und den Enthüllungen rund um die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten etwas „Hype“ mitnehmen, wenn man das so nennen will. Allenfalls war Datenmissbrauch und Hacking in aller Munde und Watch Dogs versuchte, das Thema schmackhaft auf die Videospiel-Landschaft loszulassen. Mit durchgehend gemischten Reaktionen. Nun soll Teil 2 alles besser machen.

Watch Dogs 2

Vieles ist neu in Watch Dogs 2: San Francisco statt Chicago, Marcus Holloway statt Aiden Pearce als Protagonist und Überwachungssoftware ctOS 2.0 als Upgrade zu Version eins. Das Grundrezept der Franchise ist jedoch weitgehend gleich geblieben. Wie bereits erwähnt schlüpft ihr in die Rolle des Hackers Marcus Holloway, einem Mitglied der Hackergruppe DedSec, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Überwachungssystem der Stadt lahmzulegen. Holloway ist dabei so ziemlich das genaue Gegenteil des Protagonisten von Teil eins, was dem Spiel auf gewisse Art und Weise gut tut. Er lässt gerne mal seinen Charme spielen, kann so ziemlich mit jedem und scheut sich auch nicht, unsere Lachmuskeln zu beanspruchen. Hatte Watch Dogs noch einen sehr dunklen und ernsten Ton, wird dieser im Sequel massiv aufgelockert. Marcus ist ein wahrer Alleskönner, auch wenn niemals wirklich erklärt wird, warum. Aber das ist auch völlig egal, denn es trägt bestens zum Spiel bei und macht Spaß. Euer Ziel ist es, so viele Follower wie möglich durch den Abschluss von Missionen zu ergattern, um ihnen die Wahrheit vor Augen zu halten und der Menschheit einen Dienst zu erweisen. Information ist alles und genau das soll geschehen.

Watch Dogs 2

Die Maschine, welche ctOS ausführt, hat ohnehin schon zu viel Macht und Eingriff in das Privatleben der Bevölkerung. Nun geht diese aber einen Schritt zu weit und prophezeit den Protagonisten des Spiels als Kriminellen. Sein Beitritt zu DedSec gibt ihm die Chance, die Schwächen des Systems zu offenbaren und obendrein alle Sympathien der Idee zu zerschlagen, einer seelenlosen Maschine, die lediglich Daten verarbeitet, zu vertrauen.

Egal wie ihr auch vorgeht, der Weg zum Ziel liegt in euren Händen. Ob ihr mittels Smartphone den Verkehr aufmischt, Autos und Ampelanlagen hackt oder euch in andere Hi-Tech-Geräte klinkt: eure Augen sind überall. Im Vergleich zum ersten Teil ist das Hacken kein Add-on zu einem mittelklassigen Shooter, sondern der Fokus eures Vorhabens und fördert eure Kreativität, um die einzelnen Missionen zum erfolgreichen Abschluss zu bringen. Problem ist nämlich, dass ihr selbst sonst Schnell zu Zielscheibe von bewaffneten Widersachern werdet. Also schnappt ihr euch größtenteils irgendwelche Gadgets, mit denen ihr weiter in ein Gebäude oder das Gebiet der Begierde vordringt. Natürlich könnt ihr aber auch einen auf Rambo machen und den Leuten die Gesichter zu Brei schießen, um voran zu kommen. Der friedlichere und sicherlich interessantere Weg ist jedoch das Friedhof-schonendere Vorhaben. Dieses bringt euch aber natürlich nicht davon ab, eine Betäubungs-Pistole zu verwenden oder mittels gezielter Schläge auf den Hinterkopf die Gegner vorübergehend in den Tiefschlaf zu versetzen. Außerdem passt dies besser zum Wesen von Marcus‘ Charakter. Niemand scherzt wirklich im Anschluss einer Mission, wenn er gerade ein Blutbad hinter sich hat.

Watch Dogs 2

Dass Watch Dogs 2 Spaß machen soll, merkt man schon von Anfang an. Die Schnellreise ist bereits von Minute Null an verfügbar, was die langen Autofahrten quer durch die Stadt obsolet machen, um zu einer Mission zu gelangen. Dennoch könnt ihr den Auto-Service nutzen, der euch euren Traum auf vier Rädern an Ort und Stelle liefert, solltet ihr diese bereits erworben haben. Außerdem sorgt ein Skill-Baum wieder für Individualisierung eures Hacker-Daseins. Selbst in eurem Smartphone stecken jede Menge Möglichkeiten. Ihr könnt euch diverse Apps herunterladen, um beispielsweise vorübergehend als Uber-Fahrer Geld zu kassieren. Weiters mit an Bord sind Co-op Missionen, die ihr auf eurem Smartphone ins Leben rufen könnt. Wie schon in Teil eins besteht folglich die Möglichkeit, dass ihr gehackt werdet und in ein kleines Versteck-Spiel geratet. Ihr müsst dann sämtliche NPCs untersuchen, um schließlich den Eindringling zu entlarven, welcher eure Daten stehlen will. Oder aber ihr spielt den Bounty-Hunt-Modus, der auch in eine Verfolgungsjagd mit der Polizei steckt, bei dem sich der Gegenspieler auf die Gegenseite begibt und euch ausfindig machen muss.

Watch Dogs 2 mag für viele wie eine typische Fortsetzung gewirkt haben, die lediglich mehr vom bereits Gesehenen bietet. Dem kann man aber getrost widersprechen. Teil zwei ist erfrischend, bunt und spaßig. Etwaige technische Schluckaufs kann man zwar nicht übersehen, aber gerne ignorieren und den Fokus auf den Spielspaß legen. Dieser ist definitiv gegeben, denn ihr könnt das Spiel nach eurem Belieben bestreiten. Egal ob gewalttätig oder mittels Technik: keine Mission gleicht der anderen. Es liegt ganz in euren Händen, wie ihr ans Ziel gelangt.

Fazit

Ich persönlich fand den ersten Teil der Franchise langweilig. Es gab zwar die ersten paar Stunden, die einem das Hackerleben zum Vergnügen machten, doch schnell wurde es zu einem Stop-Rewind-Play. Zumindest für die ältere Generation, die diese Referenz überhaupt versteht. Nichtsdestotrotz griff es ein interessantes und gleichzeitig schwieriges Thema auf und machte viele Leute darauf aufmerksam. Nun mit Teil 2 macht man einfach vieles besser und es ist eine richtige Freude, das Spiel zu spielen. Die Vielfältigkeit der Missionsabschlüsse ist einfach toll. Aber man muss das Spiel natürlich auch so spielen wollen, andernfalls ist es wieder nur ein mittelmäßiger Shooter. Also warum denn nicht gleich so?

WERTUNG: 8.5/10

Wir bedanken uns bei Ubisoft für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at