Warum Pokémon GO einzigartig bleiben wird

Die Menschheit spielt verrückt. Pokémon GO ist erschienen und scheinbar ist die ganze Welt jetzt auf der Jagd nach den kleinen Monstern. Manche vermuten, dass jetzt die große AR-Welle auf uns zukommen wird, doch ich sage, das wird aus folgenden drei Gründen nicht passieren.

  1. Entwickler, die wissen was sie tun: Pokémon GO basiert auf dem Spielprinzip von Ingress (2012), dem bisher einzigen Spiel von Entwickler Niantic Labs, die 2010 als Startup bei Google gegründet wurden – und erst seit 2015 eine eigenständige Firma sind. Zuvor hatten die Entwickler schon Field Trip programmiert, ein ähnliches Konzept, nur etwas simpler. Lange Rede, kurzer Sinn: dieses Studio hat nichts „Neues“ probiert, sondern ihr erfolgreiches Konzept neu aufgelegt – mit einer starken Marke.
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    Der Urvater: Ingress (2012)

  2. Eine weltweit bekannte Marke: Pokémon hat 1996 schon dem GameBoy neues Leben eingeimpft. Seitdem sind Kinofilme, Serien, Spiele und natürlich Unmengen an Merchandise weltweit produziert und verkauft worden. Es gibt wenige Gaming-Brands, die so stark sind wie Pokémon und so mainstreamig eingesetzt werden können. Genannt wurden online auch große Mobile-Marken wie Supercell oder King. Klar, mit einer Brand wie Skylanders könnte das Gespann Activision/King schon was auf die Beine stellen. Aber a) wäre es nicht mehr neu und b) Pokémon ist nochmal ein Stück größer. Und speziell Firmen, deren Geschäftsideen funktionieren (z.B. Supercell mit Clash Royale) werden eben nicht in ein Gebiet investieren, wo sie keine Expertise haben. Warum auch?
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    Es gibt Pokémon Events, Filme, Serien, Merchandise. Jeder kennt Pokémon.

  3. Eine passende Idee: Als Google einen Pokémon-Aprilscherz in Google Maps auftauchen ließ und das Feedback dermaßen groß und positiv ausfiel, war klar, dass diese Idee ein „Spiel“ verdient hat. Und es passte einfach. Pokémon verstecken sich, müssen gejagt werden. Ein Spielkonzept, das wunderbar in die Idee von Ingress integriert werden konnte. Es fühlt sich nicht falsch oder konstruiert an, sondern die Idee hat Hand und Fuß und auch deshalb funktioniert es. Wenn man z.B. Roboter fangen müsste, dann hätte das Erklärungsbedarf. Aber ein Screenshot, auf dem ein Pokemon zu sehen ist, der offensichtlich gefangen werden muss – das versteht die relevante Zielgruppe.Be-a-real-life-Pokemon-Master-with-Pokemon-Go

Ein paar abschließende Worte. Ich habe Pokémon GO noch nicht gespielt, aber meine Timelines in diversen Social-Media-Kanälen sind voll mit den bunten Monstern. Der große Hype wird wohl in wenigen Wochen vorbei sein. Sommerloch. Mit neuen Features und der starken Community, die auch bei Ingress schon sehr passioniert war, mache ich mir über den langfristigen Erfolg der App keine Sorgen. Aber nein, ich glaube nicht, dass wir eine Welle an Klonen (außer aus China) erleben werden. Diesen Erfolg zu reproduzieren ist schwierig bis unmöglich. Es braucht neue Ideen. Aber dafür ist unsere Branche ja bekannt. Freuen wir uns also auf den nächsten Hype. Tschuuut, tschuuut!

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.