Warum ich (nicht mehr) Hearthstone spiele

Ich spiele Hearthstone seit ca. anderthalb Jahren. Ich muss zugeben, wir hatten wirklich gute Zeiten. Rang 7 haben wir zusammen erreicht und ca. 1.300 gemeinsame Siege gefeiert. Aber auch viele Niederlagen. Die neue Erweiterung, The Grand Tournament, war wohl meine letzte.

Als das Spiel Anfang 2014 erschien, war ein Teil meines Freundeskreises dank der Beta bereits angesteckt vom Hearthstone-Fieber. Klar, alles Blizzard-Fanboys. So wie ich. Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt noch gewehrt. Kartenspiele. Ha! Nix für mich. Doch irgendwann hab ich angefangen, das so simple Spielkonzept zu lieben. Ein paar Kartenpakete konnte man sich am Anfang leicht erspielen, bekam sogar welche geschenkt. Dann investierte ich auch ein paar Euro. 20, um genau zu sein. Das ging ca. ein halbes Jahr gut. Ich spielte ja nicht ganz so regelmäßig. Nur hin und wieder.

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Irgendwann kam ich an den Punkt, wo ich nur noch aufs Maul bekam. So ab Rang 14. Ich bekam Karten um die Ohren gefetzt, die ich noch nie gesehen hatte. Ein Leeroy Jenkins konnte mit zwei Buffs meine halbe Energieleiste wegfressen und diese Murloc-Decks vom Hexenmeister. Schön blöd hab ich da aus der Wäsche geschaut.  Den „Black Knight“ habe ich früh bekommen. Das war auch lange Zeit meine Lieblingskarte, speziell gegen Gegner mit „Taunt“. Verständlicherweise. Dann begann ich also Geld einzuwerfen und täglich meine Quests abzuarbeiten. Langsam kamen ein paar Karten zusammen, auf Ysera oder Lord Jaraxxus warte ich aber bis heute noch. 150 Euro waren es ungefähr, vielleicht sogar ein paar mehr, die ich in das Hauptspiel und die diversen Abenteuer (Fluch von Naxxramas, Der Schwarzfels) und Erweiterungen (Goblins gegen Gnome) geworfen habe, um einigermaßen konkurrenzfähige Decks zu besitzen. Man muss dazu sagen, ich bin ein ungeduldiger Spieler, was mich auch lange Zeit nicht besser hat werden lassen. Kein gegnerischer Minion auf dem Feld? Hau ich halt mit der Rockbiter Weapon direkt auf den Gegner. Nein!

Nun habe ich mich lange damit abgefunden, dass ich nicht alle Karten besitze. Viele Legendaries aber auch Epics, die man eigentlich für viele gute Decks benötigt. Über manche ärgere ich mich gar nicht mehr und andere stehen noch auf meiner Einkaufsliste. Tja, und dann wurde The Grand Tournament angekündigt und ich habe erstmals „vorbestellt“. 50 Kartenpakete für 45 Euro. Damit waren die rund 200 Euro investiert, für die ich auch drei PS4 Games hätte kaufen können. Ehrlich, das wäre mir völlig egal, weil ich in Hearthstone sicher schon mehr Zeit investiert habe, als in meine zuletzt gekauften PS4 Games zusammen. Wäre da nicht die wirklich magere Ausbeute aus meinen soeben geöffneten 50 Kartenpaketen. 2 fragwürdige Legendaries (Aviana, Icehowl), eine knappe Handvoll Epics und ca. 100 doppelte Standardkarten, die mir etwa 900 Dust/Staub eingebracht haben. Damit kann ich gerade mal eine epische Karte zaubern. Frust machte sich breit.

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Die neue Erweiterung brachte 20 neue Legendaries, insgesamt sind es genau 88. Davon habe ich in jetzt 37. Deathwing, Nozdormu und Cairne Bloodhoof hab ich im Frust schon wieder entzaubert, weil ich sonst Sylvanas oder Tirion bis heute nicht hätte. Am Ende des Spieltages heißt das, dass ich für 200 Euro in erster Linie frustriert bin, dass ich nicht einmal die Hälfte des Spiels besitze und so viele Decks nicht bauen kann, die ich gerne einmal ausprobieren würde. Hätte Blizzard gesagt, für 80 Euro bekommst du fix alle Karten, wie das Panini mit ihren großen Fußballalben manchmal macht, vielleicht hätte ich gezögert – aber am Ende des Tages hätte mich das mehr motiviert, als jetzt weitere Spielmonate investieren zu müssen, um mir wichtige Karten endlich leisten zu können. Auf mein Ziehglück habe ich aufgehört mich zu verlassen – ich sag nur zweimal Mogor the Ogre gezogen d.h. ich „Mache mit 50%iger Wahrscheinlichkeit einen Facepalm, wenn ich diesen Charakter in einem Deck sehe“).

Machen wir uns also nichts vor. Der Gap zwischen Vielspielern/-investierern und Quereinsteigern/Glücklosen wird mit jeder Erweiterung größer. Die schiere Zahl an Karten kann man mal nicht eben so freispielen. Geduld, Geld, Geduld, Erfolge. Ein steiniger Weg bis zu einem glücklichen Hearthstone-Leben. Auch gut beschrieben von einem Eurogamer-Kollegen.

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Let me change your mind

Aktuell habe ich deshalb überhaupt keine Lust in dieses Spiel zu investieren. Ich bin traurig und fühle mich betrogen. Wahrscheinlich wird dieser Zustand nicht lange anhalten. Verdammt, er ist bereits so verdünnt, dass ich die letzten Tage mit meinen geupdateten Decks Daily Quests erledigt habe. Die Sucht ist stärker als die Vernunft. Außerdem bringen die neuen Karten so viele neue Möglichkeiten, zum Beispiel einen spielbaren Schamanen, mehr Abwechslung bei den Warrior-Decks und auch ein Mehr an Randomisierung. Also werfe ich mich wieder in die Schlacht und bestenfalls steigt mit der nächsten Legendary-Karte, die in einem der baldigst erspielten Pakete sicher enthalten ist(!), auch meine Motivation wieder. Es ist nämlich ein verdammt gutes Spiel. Speziell wenn ich gewinne – mit meinem Dragon-Priest. Harhar!

„My shield for Argus!“

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Ich befürcht fast, das das der Punkt ist am F2P Model. Was mich wirklich fasziniert ist wie sehr Blizz noch D3 und SC2 supportet. Im Kern bekommen sie einfache mehr Geld rein für ein viel supportetes Spiel. Früher hat man nur auf die Verkäufe einer Expansion warten können. Ich bin kein Fan von F2P aber ich finde Hearthstone löst es am charmantesten. Und ein System wie um 60 EUR alle Karten besitzen würde es wohl aushebeln.

    • consalex

      Ja, das stimmt schon. Trotzdem ärger ich mich manchmal darüber. Hab jetzt eh wieder zwei Legendaries mehr. Drei Jahre auf eine Erweiterung warten wie bei SC2 ist natürlich auch nicht optimal, aber ich glaub die Serie lassen sie auch auslaufen. Da werden sie mehr auf Overwatch hoffen. Langfristig.