Warum ich immer noch Minecraft spiele

Jetzt spiel’ ich das doch tatsächlich immer noch! Gefühlte hundert Jahre nach der Veröffentlichung von Mojangs Pixelspaß hat Minecraft zwar eindeutig etwas an Faszination verloren, trotzdem eröffnen sich mit zunehmendem Alter des Jahrhunderttitels immer noch neue Spielmöglichkeiten.

Für mich zum Beispiel im klassischen Multiplayermodus von der Couch aus.

Die Zelebrierung des ewig Gleichen

Minecraft, das ist meditative Monotonie, das endlose Wiederholen des ewig selben Prozesses, klopfen und sammeln, bauen und kombinieren, stapeln und ebnen. Und wie jedes richtig gute Spiel wird einem dabei auch nicht langweilig, für eine relativ lange Zeit zumindest. Aber was tun, wenn das entspannte Spielen doch in Langeweile umschlägt? Wenn plötzlich auch der höchste Turm nicht hoch genug ist, unterirdische Dungeons zu beeindrucken aufhören und selbst der Enderdrache nicht mehr für Spannung sorgen kann? Dann, und das ist das schöne an einem Sandboxtitel wie Minecraft, kann der Lustlosigkeit durch Kreativität entgegengewirkt werden. Kreativität im Erschaffen seiner eigenen Modi im Spiel selbst. Auf YouTube erfreuen sich solche Minecraft Minigames – wie sowieso so gut wie jedes Video mit “Minecraft” im Titel – enormer Beliebtheit. Für mich ging der große Spaß erst so richtig mit dem Release der Xbox 360- und PS3-Versionen des Spiels los. Die hatten nämlich zum ersten Mal lokale Splitscreenunterstützung.

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Zurück auf die Couch

Je älter ich werde, so habe ich kürzlich bemerkt, desto nostalgischer werde ich in meinem Spielverhalten. Desto weniger habe ich Lust online zu Spielen oder mich mit cutsceneüberladenen Singleplayermonstren abzugeben. Und desto mehr sehne ich mich zurück nach der guten alten Zeit des simplen Mehrspielerspaßes zu viert vor der Konsole, wie anno dazumal mit GoldenEye 007 oder WCW vs. nWo: World Tour am N64. Und damit scheine ich mittlerweile auch gar nicht allein zu sein: Während sich Besitzer von Nintendo-Konsolen schon eh und je über zahlreiche Couchmultiplayertitel freuen durften, wird auch das Angebot für Nicht-Wii-U-User immer größer. Vor allem Indie-Entwickler auf Steam und Co. sind zurzeit für ein echtes Local-Multiplayer-Revival verantwortlich: Ob im Koop die Tentakel des wahnsinnigen und brillanten Octodad zu steuern, in Sportfriends um die Wette zu kämpfen oder in Mount Your Friends Muskelmänner zu stapeln – selten in der Videospielgeschichte gab es ein so vielschichtiges, kreatives Angebot an lokalen Multiplayertiteln. Und auch Minecraft bietet in der klassischen Mehrspielervariante ungeahnte Möglichkeiten in Sachen Spaßfaktor. Denn während es in den meisten anderen Couchmultiplayererfolgsgeschichten um schnelle Reaktionen, Competition miteinander oder das gemeinsame Bezwingen komplexer Herausforderungen geht, wird in Minecraft der oben erwähnte meditative Chillfaktor auch im Mehrspielermodus so richtig zur Geltung gebracht.

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Wining and Crafting

“Winecraft” nennt man bei mir zu Hause die Multiplayerabende, an denen es statt purer Action um entspanntes Minen und Craften geht. Vier Spieler per Splitscreen vor dem Fernseher, ein paar Gläser Wein und Minecraft auf der PS3. Streitereien aus der letzten Partie Smash Bros., der blaue Schildkrötenpanzer in Mario Kart oder der unfair platzierte Ball in der FIFA-Finalrunde sind vergeben und vergessen, stattdessen wird gemeinsam an einem modernen Utopia aus Pixelblöcken gearbeitet, geangelt, gefarmt, gebaut und auf Creeperjagd gegangen. Und manchmal sogar – so wage ich es zuzugeben – im verpönten “Peaceful Mode” ohne jegliche Gegner. Und irgendwie macht das dann doch viel mehr Spaß als online zu spielen, trotz des Kopfschmerzen verursachenden winzigen Rechtecks, mit dem man aufgrund geteilten Bildschirms vorlieb nehmen muss, trotz der nicht ganz so großen Spielwelt und der einige Updates hinterherhinkenden Konsolenversion.

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Wichtig hierbei am Ende noch zu erwähnen: Ganz ohne Regeln funktioniert so ein Abend “Winecraft” auch nicht. Verwechselt einer der Mitspieler das Ganze mit sowas wie “Beercraft” oder “Vodkacraft” und beginnt sinnlos zu randalieren und die prunkvollen Bauten der Anderen zu zerstören, wird umgehend der Controller entzogen und ein Spielbann ausgesprochen. Das ist hier schließlich eine Angelegenheit von gehobenem Niveau. Meditative Monotonie eben. Und von mir an dieser Stelle wärmstens weiterempfohlen.

Written by: Christoph Sepin

Space Cowboy Bei consol.AT habe ich früher immer versteckte Botschaften in meine Artikel eingebaut, aber das weiß außer mir niemand. Und seit es das nicht mehr gibt, braucht man ja irgendwas anderes zu tun. Für CONTINUE möchte ich mir die kleinen Dinge der Spielewelt ansehen, die manch einer vielleicht übersieht. Die Indies und Kickstarter-Kampagnen. Und ab und zu vielleicht eine positive Geschichte aus der Gamingumgebung. Weil geraunzt wird sowieso schon genug.

  • Michael Ferstl

    Ich könnte einen Artikel anders schreiben:“ Warum ich noch immer NICHT Minecraft spiele“

    • Obwohl ich in Lego vernarrt war/bin, hab ich es noch nie gespielt. Der Artikel hat aber wieder neue Impulse gesetzt, sodass ich gestern kurz vor dem Kauf war. ^^

  • Mir hat das Spiel nie etwas gegeben. Kenne es seit der Alpha, aber nie wollte sich auch nur ein Fünktchen Spielspass einstellen 😐