VR-Event LVL UP in Hamburg

Virtual Reality ist in aller Munde, aber wirklich ausprobieren kann man die vermeintliche Zukunft der Videospiele selten. Auf einem VR-Event in Hamburg gab’s endlich reichlich Hands-on.

 Gastbeitrag: Konstantinos Fotopoulos

7mobile.de – eine Seite mit Handynews und -angeboten – lud zum VR-Event in Hamburg ein. Mit dabei waren Präsentationen, VR-Brillen, Demos und eine Panel-Diskussion. Das Event ließ ich mir selbst bei Orkanböen (danke, Niklas) natürlich nicht nehmen und war vor Ort dabei. (mehr Fotos)

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Quelle (alle Bilder): 7mobile.de

Mit einer Zeitreise von den Anfängen der VR bis zum heutigen Tage startete der Blogger Daniel Korgel die Veranstaltung. Sein Blog Bloculus befasst sich seit Oktober 2012 mit dem Thema, als die Oculus Rift (mein Gefühl meint ja eher es müsste “das Oculus Rift” heißen, ich beuge mich da aber gerne den Experten) als Prototyp zum ersten Mal von sich hören ließ. VR als Konzept und als Hardware gibt es natürlich schon viel länger. Die neuen Brillen haben wenig mit ihren aus dem ersten Boom in den 90ern geboreren Pendants gemein. In den nächsten Tagen sollte seine Präsentation mit vielen Beispielen online gehen, schaut ruhig mal rein.

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Über die deutschen Indies wusste Christian Oeing zu berichten, selbst ein Entwickler unter dem Namen Slash Games. Das aktuelle Spiel des Studios ist FreudBot und kann über alle gängigen App Stores gekauft werden. Christians größter Tipp an alle potenziellen Indie-Entwickler: Zwei Jahre vorfinanzieren und generell einen Plan B parat halten. Es ist ein umkämpfter Markt und selbst ein gutes Spiel ist nicht gleichbedeutend mit schnellem Erfolg. Also am Ball bleiben. Wer sich Inspiration suchen möchte, kann mal bei den anderen Indies wie THR3AKS, Beard Shaker Games oder Mobile Monsters vorbeischauen. Noch besser: Zum Szene-Treff kommen. Nächster Termin ist der 10/4 im Betahaus Hamburg.

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Zurück zur virtuellen Realität. Sara von den VR-Nerds präsentierte Lucid Trips, das VR-Spiel des Indiestudios. In Lucid Trips findet ihr euch in einer Traumwelt wieder, in der ihr frei herumfliegt und bizarre Objekte antrifft. Das ganze ist von den luziden Träumen inspiriert, also den Träumen, in denen ihr erkennt, dass es Träume sind und wissentlich die verrückttesten Sachen anstellen könnt. Gesteuert werden dabei nur die Arme anhand zweier PlayStation Move-Controller, die frei neben dem Spieler in der Luft schwirren. Klingt bekloppt und so sieht man beim Spielen auch aus, was ja eh der halbe Spaß an VR ist.

Seit Ende 2014 tummelt sich Samsung mit der eigenen Gear VR-Brille auf dem VR-Markt. Junior Product Manager Philipp Schlegel hatte die Gear VR2, den überarbeiteten und noch nicht im Handel erhältlichen Nachfolger, mit dabei und erzählte von den Verbesserungen. Schärferes Bild, höherer Tragekomfort und natürlich bessere Grafik. Im Gegensatz zur Oculus Rift benötigt die Gear VR nämlich keinen PC, dafür aber ein Handy. Das Galaxy S6 oder S6 Edge wird vor den Linsen angebracht und mit etwas Zauberei entsteht der Eindruck eines 360 Grad-Kinos. So fand ich mich schwebend über einer Wüste, dem Meer oder einer Großstadt wieder und bewegte meinen Kopf in alle Richtungen. Das ist generell der “Aha”-Moment von VR, den man selbst erlebt haben muss, um ihn zu begreifen. Es erinnerte mich ein wenig an den 3DS, als das Konzept 3D ohne Brille noch völlig neu war, aber viel eindrucksvoller.

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VR ist eine interessante Geschichte und ich konnte sie zum ersten Mal selbst ausprobieren. Das ist wichtig, damit aus “das klingt nach einer coolen Idee”, “das ist eine coole Idee” wird. Sind wir schon in unserer perfekten VR-Zukunft angelangt, in der wir stundenlang in Skyrim durch Wälder laufen und wie Messi das entscheidende Tor im Finale der Champion League schießen können? Nein. Das wird noch dauern. Erstmal müssen einige Probleme gelöst werden, um die perfekte virtuelle Realität, sollte diese überhaupt möglich sein, zu erreichen. Einige dieser Probleme wurden in einer abschließenden Panel-Diskussion dargestellt. Das beginnt schon ganz banal bei der Technik. Samsungs Gear VR2 mag zwar besser als der Vorgänger sein, trotzdem ist sie aber zu unscharf – besonders beim Bewegen des Kopfes erscheinen Objekte kurz “verschwommen”, sie blurren – und sie ist unbequem zu tragen. Die Oculus Rift ist in dieser Hinsicht besser, benötigt aber natürlich einen guten PC. “Plug & Play”, also die reibungslose und einfache Benutzung dieser Brillen, ist noch weit entfernt. Das sind aber alles Anfangsschwierigkeiten, die mit der Zeit gelöst werden. In ein paar Jahren werden wir alle drüber lachen. Komplexer sind da andere Probleme, die sich nicht von alleine lösen werden. VR könnte die Interaktion mit unseren Mitmenschen verändern und so zu einem gesellschaftlichen Wandel führen. Wenn heute schon alle nur auf ihr Handy starren, wie sieht dann erst die Zukunft mit billigen VR-Brillen für Jedermann aus? Selbst Mario-Schöpfer Miyamoto beobachtet die Brillen mit einem mulmigen Gefühl.

Ich bin froh, VR endlich ausprobiert zu haben. Das sortiert schnell die eigenen Gedanken, Wünsche und Vorstellungen, wohin uns diese spannende Technologie führen wird. Ebenso ist mir klar geworden, dass wir noch einen weiten Weg vor uns haben. Hat VR das Potenzial (uns zu seelenlosen Zombies der Werbeindustrie zu verwandeln) unsere Welt für immer zu verändern? Durchaus. Das Potential ist da. Die Umsetzung leider – oder sagen wir besser Gott sei dank noch nicht.

Vielen Dank an die Veranstalter.

(Besonders für das Essen.)


Konstantinos

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.