Ein neues VR-Projekt aus Österreich

Als österreichischer Blog will man auch auf österreichische Helden hinweisen. Einer davon ist Michael Tisler, der mit einem „Escape the Room“ Virtual Reality Game für Aufsehen sorgen will. Wir haben mit dem jungen Mann über sein noch junges Projekt gesprochen.

MichaelSag uns doch mal zwei Sätze zu dir und wie du in die österreichische Entwicklerszene gerutscht bist und wie es zu der Gründung von „Black Cell“ kam?

Hey Alex, in die Entwicklerszene bin ich durch Cliffhanger Productions in 2012 gekommen. Angefangen als Tester, dann später als Game Designer. Ich und mein Gründungspartner Stefan hatten damals schon das Verlangen etwas eigenes aufzubauen, aber wir waren noch nicht bereit dafür und auch „die Idee“ hat gefehlt.

Bevor wir über dein Projekt reden, das mit VR zu tun hat, lass uns kurz über deine VR-Erfahrungen reden. Seit drei Jahren wird das Thema ja medial super gehyped. Deiner Meinung nach zu Recht und warum?

Das tolle an VR ist ja, dass es dich als Spieler wirklich in die Welt transportiert, was ganz neue Erfahrungen und auch Spielmechaniken zulässt.

Ich denke VR wird zu Recht gehyped, aber was ich für Blödsinn halte ist, dass es DAS neue Ding wird, welches dann traditionelles Spielen ablösen wird. VR wird eine tolle Ergänzung sein, die (vermute ich jetzt mal) eher in die Richtung Spiele-Erlebnis, als „hartes Gaming“ gehen wird.

Außerhalb der Spieleindustrie glaube ich hat VR sogar noch um einiges mehr Potenzial, wie man an den ersten Versuchen in der Medizin und Psychologie schon sehen kann.

Ihr kombiniert VR mit dem beliebten „Escape the Room“ Konzept. Kannst du uns kurz erzählen, wie es zu der Idee kam und für all jene, die das Konzept nicht kennen, kurz sagen, um was es dabei geht?

Escape the Room kann man sich so vorstellen: Du und deine Freunde werden in einen Raum eingesperrt, aus dem ihr euch dann durch Logikrätsel, versteckte Hebel und Fingerfertigkeit rausrätseln musst. Ein typisches Setting wäre „Gefängnisausbruch“, wo man zum Beispiel die metallene Gabel, die jemand im Schrank versteckt hat, mit dem Besenstil kombiniert, um dann die Schlüssel für die Zelle vom Schlüsselbrett zu angeln. Dann arbeitet man sich durch die Aufzeichnungen der Wärter, um den Zahlencode für die Tür zu bekommen, und und und.

Zum einen sind wir zum einen darauf gekommen, weil wir selbst leidenschaftliche Spieler sind und sich unser erstes Brainstorming fast ausschließlich, um Escape The Room gedreht hat. Zum anderen ist ein Escape The Room ein gutes Einstiegsprojekt für VR, sowohl für uns als Entwickler, als auch für den Spieler als erste VR Erfahrung.

Red_poly_butterfly_02

Gibt es verschiedene Settings? Wir hatten zuletzt „Hint Hunt“ vorgestellt, wo man aus einem Uboot ausbrechen muss. Bietet VR hier nicht unzählige Möglichkeiten?

Jedes unserer Spiele wird in einem eigenen Setting spielen. Zum Beispiel Wake Up spielt in diese stilisierten Traumwelt mit sehr klaren Formen, die quasi aufgelegt für Geometrie Rätsel ist. Unser nächstes Projekt könnte zum Beispiel am Mond spielen, mit unterschiedlicher Gravität und allem. Escape the Room in VR ermöglicht uns nicht nur spannende Orte zu bespielen, sondern auch mit den klassischen Rätseln, die man normalerweise in diesen Spielen findet, zu brechen.

Welche Einschränkungen bringt VR mit sich, mit denen man bei einem echten „Escape the Room“ nicht kämpfen muss bzw. was sind die Vorteile?

Den größten Vorteil habe ich schon angesprochen: Keine Einschränkung durch die Realität und Naturgesetze. Unmögliche Architektur, Rätsel in denen sich der Raum auf den Kopf stellt und viel mehr. Zusätzlich ist es uns möglich jede Spielumgebung zu schaffen, die wir uns vorstellen können. Auch Storytelling gestaltet sich einfacher, da man viel mehr Möglichkeiten hat, als im analogen Spiel.

Nachteile wären unter anderen, dass man in VR alleine spielt und das ganze soziale Element wegfällt oder dass man nichts wirklich anfassen kann. Typische Geschicklichkeitsrästel sind zwar möglich, aber in real machen die natürlich mehr her.

„Escape the Room“ lebt ja auch sehr vom „Multiplayer“. Plant ihr einen Mehrspielermodus bzw. ist das mit VR überhaupt möglich?

Möglich ist alles und es gibt sogar schon Firmen, die an etwas ähnlichen arbeiten. In der Zukunft werden wir Multiplayer auf jeden Fall in Erwägung ziehen, aber im Moment fehlen uns die Ressourcen, um es zu verwirklichen.

Denkt ihr über Kooperationen mit „echten“ „Escape the Room“ Veranstaltungen nach? Hast du dazu Ideen?

Wir denken nicht nur darüber nach, sondern betreiben diese aktiv! Time-Busters ist einer der größten Veranstalter hier in Wien und betreibt 5 Räume in zwei Filialen und sogar ein Outdoor Spiel. Als wir ihnen von unserem Projekt erzählt haben, waren sie sofort Feuer und Flamme und helfen uns nun aktiv mit Vorschlägen und Feedback für unsere Rätsel. Vielleicht werden wir auch mal ein analogen Raum mit VR Elementen gemeinsam mit ihnen machen. Mal sehen was die Zukunft bringt!

stefan

Ihr sagt in der Pressemitteilung, dass ihr für „diverse VR Headsets“ entwickelt. Was ist eure primäre Entwicklungsplattform und warum?

Im Moment entwickeln wir für Oculus und Playstation VR, da uns die Gamepad-Steuerung für das erste Projekt einiges vereinfacht. Nach dem Release werden wir das Projekt vermutlich noch für Gear VR portieren, alleine schon, um Grenzen von mobile VR auszuloten. Die HTC Vive klingt wegen dem Raum – Gameplay sehr spannend, daher werden wir das nebenbei mal erforschen und vielleicht ein neues Projekt ausschließlich für die Vive entwickeln.

Gefühlt wird alle drei Monate eine neue VR-Brille angekündigt. Welche Player werden deiner Meinung nach auf dem Markt bleiben bzw. dominieren?

Oculus hat großen Vorsprung im Community Building, dazu kommen der Deal mit Samsung und dass Facebook große Pläne für sie hegt. HTC ist gerade mit ihrem 100 Millionen Fördertopf daran, mehr Projekte auch außerhalb der Spieleindustrie für sich zu gewinnen. Playstation VR ist das billigste Headset und außer eine PS4 (die schon in vielen Haushalten steht) muss man sich keinen 2000€ PC kaufen, um sie überhaupt zu benutzen. Daher denke ich, dass diese 3 eine sehr gute Chance haben auf den Markt zu bleiben und die ganzen neuen Brillen eine harte Zeit haben aufzuschließen. Bei der Gear VR wird es spannend, ob demnächst mal ein Kompetenzprodukt auf den Markt kommen wird, da Oculus hier den Vorteil des ersten besitzt. Hier kann es gut sein, dass wenn Apple eine eigene Brille vorstellt und am Anfang (wie Samsung) gratis mit dem nächsten Iphone ausliefert, die Gear VR eine harte Zeit bekommt oder sie sich den Markt (wie von mobile gewohnt) aufteilen.

Zusätzlich vielleicht noch: Das Raum Gameplay der Vive ist zwar am Anfang sehr cool, aber hier bleibt die Frage, ob es auch nach dem ersten Wow Effekt noch spannend ist oder ob man sich dann auf die Couch zurück sehnt und lieber gemütlich VR erlebt. Da die Vive auch sehr stark außerhalb der Spieleindustrie wirbt, denke ich, dass das vielleicht die große Zukunft der Vive ist.

Erscheinen soll euer erstes Game „Wake up“ im Sommer. Wird man das Spiel vorab bei einem Event antesten dürfen? Braucht ihr User-Feedback vor dem Launch? Ich bin sicher, es finden sich ausreichend willige Testkandidaten.

Wake up wird man im Sommer auf der gamescom antesten können und wir haben noch Bewerbungen für andere Konferenzen laufen (zum Beispiel dem Pioneers Festival).

Wenn wir einen Prototypen besitzen, werden wir ihn auch sicher auf einem VRVienna Meetup ausstellen und auch Leute zu uns ins Büro einladen zum playtesten.

Werdet ihr euch Unterstützung von einem Publisher holen bzw. seid ihr auf der Suche?

Ja, wir sind tatsächlich auf der Suche. Außerdem suchen wir nach Investoren, die uns ermöglichen unser Team zu vergrößern und uns noch coolere Dinge mit VR ausprobieren zu lassen.

Sucht ihr generell noch Manpower für euer Projekt oder wollt ihr in dieser Größe bleiben?

Für Wake Up bleiben wir vermutlich auf dieser Team Größe, aber wir sind gerade im Gespräch mit einigen Parteien, um vielleicht noch andere Projekte nebenbei zu machen.

Wenn diese Projekte spruchreif werden, suchen wir wieder aktiv nach Verstärkung, daher wenn jemand interessiert ist mit uns gemeinsam zu arbeiten, können sie mir gerne eine Mail an michael@black-cell.com schreiben, dann sind wir schon im Kontakt, wenn wir unser Team vergrößern wollen.

Die schwierigste Frage zuletzt: Wie soll es nach „Wake up“ weitergehen?

Auf jeden Fall ein neues Escape The Room Game, mit anderem Setting und dementsprechend auch anderen Rätseln. Und dann sehen wir mal, was an anderen Projekten nebenbei noch entsteht!

wake_up

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.