Valhalla Hills – Ein Abstecher in frühere Siedler-Tage

Ich stecke in einem durchaus schwierigen Zwiespalt und um euch diesen verständlich zu machen, muss ich bis ins Jahr 2015 zurück. In das Jahr, in dem laut der deutschen Bild Wörter wie „Earthporn“, „Eierfeile“ und „Swaggetarier“ am häufigsten über die Lippen der allerhipsten Kids des deutschsprachigen Raumes kamen.

Ich war damals auf der Gamescom und das mit einer der schönsten Halsketten, die ein Nerd haben kann: einem Presselanyard! Praktisch blind von all den exklusiven Eindrücken, landete ich in meinem persönlichen Tempel. In der anbetungswürdigen Götterstätte derer, die Edna bricht aus, Night of the Rabbit und all die anderen wunderschönen Point-and-Click-Adventures in mein Leben brachten. Daedalic hatte nämlich dort seinen heiligen Stand errichtet. #notsponsored #iwhish

Es gab nicht nur sehnlichst erwartete Einblicke in Titel wie Silence – The Whispered World 2, sondern auch einen Präsentationsraum für erscheinende Spiele, die von Daedalic lediglich gepublisht werden. Darunter auch Valhalla Hills.

Alte Bekannte

Entwickelt wurde der Titel vom Funatics Studio und da bin ich über ein paar mehr oder weniger alte Bekannte gestolpert. Gegründet wurde diese Spielefabrik nämlich Ende der 90er von den ehemaligen Blue Byte Mitarbeitern Thomas Häuser, Thomas Kneisel und Thomas Friedmann. Bei diesen Namensvettern dürfen wir uns für Die Siedler bedanken und genau das ist ein wichtiger Aspekt bei meinem Valhalla Hills Review. Könnt ihr euch nämlich noch an die kleinen knolligen Männchen erinnern, die sich bei ihrem Ableben in kleine Wölkchen auflösten? Habt ihr noch diese freundlichen Landschaften und farbenfroh, detailreichen Gebäude in Erinnerung, die sogar wilden Kriegsszenarien einen niedlichen Charme verliehen? Falls das der Fall ist und ihr diesen Stil genauso vermisst wie ich, könnte euch Valhalla Hills durchaus interessieren.

Der Stil von Valhalla Hills lässt Freude aufkommen.

Der Stil von Valhalla Hills lässt Freude aufkommen.

Was erwartet den Spieler nun?

Mit Valhalla Hills taucht ihr in die Welt der Wikinger ein, denen die Tore ins große Walhalla vor der Nase zugeworfen wurden. Nun müssen sie sich ihre Ehre zurück erkämpfen, um die Tore abermals öffnen zu können. Das passiert auf zufällig generierten Karten, an deren Bergspitze das finale Portal gipfelt. Sobald ihr dieses öffnet, müsst ihr euch einer Gruppe von Gegnern stellen, bevor eure Wikinger einen Fuß über die Schwelle setzen dürfen. Im Kampanienmodus werden diese von Runde zu Runde hartnäckiger. Außerdem kommen im Verlauf des Spieles weitere kleine Portale hinzu, die es vorher zu „reinigen“ gilt. Falls der Spieler sich daran immer noch nicht die Zähne ausbeißt, gesellen sich gegnerische Bergzwerge der Karte hinzu, die euch nach und nach Land streitig machen und den Weg zum Portal abschneiden. Bleiben diese violetten Nervensägen zu lange unangefochten, werden sie so stetig stärker, dass ihr schnell keine Chance mehr habt, das Spiel zu gewinnen. Neustart ist dann angesagt.

Um euch all diesen Gegnern und Hürden stellen zu können, müsst ihr eure Wikinger gut versorgen. Dabei zählen nicht nur Waffen und Nahrung, sondern auch passende Unterkünfte und Unterhaltung. Hierzu kann man sich über die Vielfalt an Gebäuden und Waffenvariationen kaum beschweren. Eine kluge Entscheidung seitens der Entwickler war es also, bestimmte Gebäude und Gegner erst im Laufe des Spieles durch das Erfolge freizuschalten. Habt ihr es beispielsweise geschafft, auf einer beinahe baumlosen Insel die finalen Gegner zu besiegen, steht euch ab der nächsten Runde ein Förster zur Verfügung.

Euer Ziel ist das Portal an der Spitze des Bergs.

Euer Ziel ist das Portal an der Spitze des Bergs.

Hier ging’s zu, wie bei der Deutschen Post

Sobald die Inseln fortschreitend größer werden, müsst ihr euch mit dem Infrastruktur-System von Valhalla Hills auseinandersetzen. Schaut man sich hierzu frühe Rezensionen zum Spiel an, scheint es bezüglich der Handelsposten ziemlich gebugt zu haben. Diese scheinen aber mit dem aktuellen Stand und meinem Spielerlebnis der Vergangenheit anzugehören. Nichtsdestotrotz spreche ich hier von einem weniger gelungenen Aspekt des Spiels. Denn anders als bei vielen Wirtschaftssimulatoren, reicht es nicht, beispielsweise genug Fischer in Relation zu den Bewohner zu bauen. Nein, diese müssen auch im entsprechenden Radius bedürftiger Wikinger errichtet worden sein. Findet der Waffenschmied nämlich im näheren Umfeld keine Bäcker, Fischer, Jäger oder ähnliches, sieht er sich nach wild wachsenden Beerensträuchern um. Das kostet euch nicht nur Zeit und schraubt die Produktivität des Schmiedes runter, sollten sonst auch grade keine Beeren in greifbarer Nähe sein, hungert er sich der fleißige Mann langsam zu Tode. Da ihr nur eine gewisse Anzahl an rufbaren Wikingern habt, bevor Schluss ist, zählt jede Seele.

Um ein solches Szenario zu verhindern, gibt es frei setzbare Handelsposten. Jeder dieser Posten wird von einem Wikinger verwaltet, der in seiner Umgebung angeforderte Waren von weiter entfernten Orten zusammensucht. Was an Waren jedoch benötigt werden und welche vielleicht im Moment einer höheren Priorität bedürfen, könnt ihr nicht entscheiden. Das sorgt oft für Frustmomente und gerade in Kriegssituationen, wo es durchaus schnell gehen muss, müsst ihr euch mit der Infrastruktur herumstreiten und euch den Kopf darüber zerbrechen, warum euer Händler jetzt nur Holz und beispielsweise keine Feuersteine bei sich hat.

Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, regt einen im Fall einer Niederlage jedoch dennoch zum weiterspielen an.

Der Schwierigkeitsgrad ist knackig, regt einen im Fall einer Niederlage jedoch dennoch zum weiterspielen an.

Fazit

Obwohl das Spiel viele neue Ansätze und Ideen einbringt, die man Schritt für Schritt erlernen muss, lässt es einen genauso schnell wieder vom Haken, wie man angebissen hat. Das anfängliche Sammeln von Achievements und Freischalten von Gebäuden, lässt einen sehr schnell ins Spielgeschehen reinkippen. Umso mehr fand ich es schade, als es nichts Neues mehr zu entdecken gab. Durch den fast schon rundenbasierenden Aufbau, wiederholen sich viele Aktionen mehrmals und die Grenzen von Valhalla Hills scheinen schnell erreicht zu sein. Es war dennoch schön wieder an die alten Siedler-Titel erinnert worden zu sein. Die kleinen runden Männchen, die schreiend in Sternschnuppen zerplatzen sobald sie sterben, der Geologe, der kleine beschriftete Täfelchen um den Minenarbeiter herum aufstellt und der freundliche Stil haben mir eine schöne Erinnerung nach der anderen zurückgebracht. Für ein paar Runden zwischendurch ist Valhalla Hills eine gute Empfehlung. Für Spieler, die sich langfristigen Spaß und einen umfangreichen Wirtschaftssimulator erwarten, wartet hier jedoch eher eine Enttäuschung. Schade.

Wir bedanken uns bei Daedalic für die Bereitstellung eines Testmusters.

Written by: Corina Sprung

Luftschlossbauarbeiterin Es ist keine einfache Kindheit, wenn deine Mama gelernte, aber nur an dir praktizierende Frisörin und dein Papa Sozialarbeiter mit esoterischen Lebensabschnittspartnerinnen ist. Schulkollegen oder generell Kinder können so grausam sein und darum war es gar nicht verwunderlich, dass mein bester Freund meine PlayStation war. Die war immer lieb zu mir und mit dem Erhalt eines Standcomputers wurde beinahe ein Freundeskreis daraus. Weil ich aber erstens von den hust gebrannten Konsolenspielen eines Freundes lebte und zweitens in der finsteren stinkenden Seitengasse des technischen Standards unterwegs war, hatte ich lediglich Zugang zu Spielen, die so beliebt waren wie ich. Tetris kennt jeder. Habt ihr aber schon mal Tomba, Skull Monkeys oder Runaway gespielt? Jetzt bin ich eben die, die Videospiele aus purer Dankbarkeit liebt, Point 'n Click als Lieblingsgenre bezeichnet und Geld hat, um zu einem richtigen Frisör zu gehen. Alles gut! Fanpost bitte an sprung@continue-magazin.at. Beschwerden ins Tagebuch.