Unravel – Immer dem roten Faden nach

Auf der E3 2015 in Los Angeles wurde uns ein kleines, aber feines Puzzle-Plattformer Spiel präsentiert, welches herzerwärmend und düster zugleich ist. Mit seinem einzigartigen Stil hat es Wollknäuel ‚Yarny‘ nun endlich auf unsere Konsolen geschafft. Taucht mit uns nun in die Welt von Unravel ein.

Als Creative Director Martin Sahlin sein Spiel auf der Bühne von Electronic Arts präsentierte, kippte er fast von der Bühne. Die Nervosität war ihm anzumerken. Er schnappte häufig nach Luft, das Zittern in seiner Stimme war kaum zu bändigen und dennoch konnte er das Publikum für sich gewinnen. Oder eben gerade deshalb. Selten sieht man noch so emotionale Entwickler in unserer von Kapitalisten getriebenen Welt, denen nur Zahlen und Profit wichtig sind. Er präsentierte SEIN Spiel, welches eine emotionale Geschichte erzählen und jeden einzelnen Spieler berühren sollte. Und das ist ihm gelungen.

Yarny hat es nicht leicht: Steine und andere Umgebungsobjekte werden oft zum Weiterkommen benötigt.

Yarny hat es nicht leicht: Steine und andere Umgebungsobjekte werden oft zum Weiterkommen benötigt.

Ihr steuert den kleinen, roten Protagonisten ‚Yarny‘ durch eine liebevoll gestaltete Welt. Inspiriert von seiner schwedischen Heimat verschlägt es es euch auf der Suche nach Erinnerungsstücken durch Wiesen, Moore und Schneelandschaften. Die Geschichte ist schnell verinnerlicht: Während des Intros ist eine alte Frau zu sehen, die aus einem Stück Wolle unseren Helden strickt, welcher kurzerhand zum Leben erwacht. Daraufhin begebt ihr euch auf die Reise, um Erinnerungen für das Fotoalbum wieder aufleben zu lassen und kleine rote Aufnäher zu suchen. Ihr schwingt euch mit eurem Faden über Abgründe, müsst im Dunkeln aufpassen, dass euch keine Kakerlaken anknabbern oder ihr in Säure untergeht, wenn ihr an einer Baustelle vorbeikommt.

Keine Zeit zum Rasten. Die Jause muss warten.

Keine Zeit zum Rasten. Die Jause muss warten.

Neben den Puzzle-Kopfnüssen, welche hauptsächlich physikbasierte Rätsel sind, müsst ihr auch auf euren Faden Acht geben, den ihr hinter euch herzieht. Je weiter ihr voranschreitet, desto abgemagerter werdet ihr dabei. So müsst ihr geschickt den kürzesten Weg zum nächsten Checkpoint finden, an dem ihr wieder neues Wollfutter erhaltet, um eure Reise fortzusetzen. Klingt einfacher, als es manchmal ist. Ihr müsst den Faden immer wieder festknoten, um Rampen oder Trampoline zu bauen, welche euch Objekte verschieben lassen bzw. euch selbst an höher gelegene Orte katapultieren. Ist nach getaner Arbeit der Faden zu kurz, heißt es wieder losknoten und den Weg fortsetzen.

Die Landschaften sind bildhübsch. Man kann förmlich die Kälte durch den Bildschirm fühlen.

Die Landschaften sind bildhübsch. Man kann förmlich die Kälte durch den Bildschirm fühlen.

Das bildgewaltige Geschehen ist mit einem wunderschönen Soundtrack perfekt untermalt und begleitet euch auf einer sehr emotionalen Reise. Um nicht zu viel zu verraten, lassen wir alle Hinweise lieber euch selbst zur Erkundung übrig, es sei aber soviel gesagt: Yarny mag zwar nur aus einem Stück Faden bestehen, aber die erlebte Geschichte geht jedem unter die Haut. Es ist eine Geschichte ohne vieler Worte. Hier erzählen Bilder ein einzigartiges Erlebnis. Eines, das ich jedem ans Herz lege.

Fazit

Unravel hat mich im ersten Moment an Yoshi’s Woolly World oder Kirby’s Epic Yarn erinnert. Im Gegensatz zu den Kreationen von Nintendo, beschäftigt sich Unravel weniger mit der Sammelleidenschaft, sondern hauptsächlich mit dem Lösen von Puzzles und der Erzählung der Geschichte. Es gibt wenig am Spiel auszusetzen, nur die Steuerung mag manchmal nicht so, wie der Spieler. Diese kann teilweise recht heikel sein und auch der Schwierigkeitsgrad ist ziemlich knackig. Knackig, weil manchmal unfair. Man wird oft in den Tod gelockt, ehe einem die Lösung beim zweiten oder dritten Anlauf einleuchtet. So wie bei Limbo, welches sicherlich auch Einfluss auf das Spiel hatte. Im Großen und Ganzen überzeugt das Spiel jedoch und macht Laune. Vielleicht begleiten wir Yarny ja noch auf mehr Reisen. Mich würde es freuen!

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei EA für die Bereitstellung eines Testmusters.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at