The End is Nioh

Dark Souls landet in der Sengoku-Zeit der japanischen Geschichte.

Videospiele haben ihren Charakter in den letzten Jahrzehnten mehrfach geändert. Schaut man noch auf die frühen Tage des Nintendo Entertainment Systems oder Super NES, wird man die ein oder andere knackige Perle darauf finden. Selbst auf den ersten 3D-Konsolen gab es neue Herausforderungen, die unsere Kindheits-Nachmittage verkürzt und uns selbst gefordert hatten. Nach und nach wurde das Thema Videospiele jedoch dem Massenmarkt eröffnet und so litt auch der Schwierigkeitsgrad unter der Expansion. Prince of Persia wahr im Jahre 2008 eines der ersten Spiele, in dem man nicht mehr sterben konnte. Nach und nach verschwand dies auch in anderen Spielen und die vormals als Speicherpunkt bekannten Stellen mussten dem Auto-Save Platz machen, der es einem erlaubte, zu jeder beliebigen Zeit an jedem beliebigen Ort aus dem Spiel auszusteigen und anschließend genau dort wieder fortzufahren. Dann kam Dark Souls und alles war wieder anders.

Nioh

Spiele, die einen bis auf Knochen und Blut fordert sind heutzutage rar gesät. Demon’s Souls, Dark Souls oder auch Bloodborne füllten diese Lücke und nun darf auch Nioh auf diesen Zug aufspringen. Es ist nach Bloodborne bereits das zweite exklusive Spiel dieses Genres für die PlayStation 4 und es sei eines vorweg genommen: es ist ein großartiges!

Angesiedelt in den frühen 1600er Jahren einer fiktiven Sengoku-Zeit startet ihr als Seefahrer names William ins Abenteuer. Ihr seid ursprünglich ein europäischer Samurai, der auf der Flucht vor dem Feind ist. Nach eurer Ankunft im Land der aufgehenden Sonne werdet ihr von einem gewissen Hattori Masanari mit der Bekämpfung von Yokai beauftragt, die ihre Schatten über die Lande verteilen und Unheil bringen.

Nioh

Das Gameplay orientiert sich dabei nicht nur sehr stark an Vertretern der Dark Souls Franchise sondern kopiert diese förmlich. Es ist erstaunlich, wie viele Elemente daraus quasi 1:1 übernommen wurden. Dennoch packt Team Ninja, das bereits in der Vergangenheit für eine Knüller bekannt war, noch einen drauf und bietet neben dem üblichen Gewohnten noch einiges mehr an. So ist Nioh sehr viel Action-basierter und schneller, als andere Spiele des Genres. Das heißt jedoch nicht, dass es dadurch leichter wird. Keineswegs, denn wer schnelle Angriffe nicht nur landen, sondern sich danach auch in Sicherheit begeben möchte, der muss die Kunst des Ki meistern. Ki ist die Ausdauerleiste, die sich mit jeder Bewegung und allem, was mit Angriffen zu tun hat, verringert. Ihr könnt jedoch eine kleine Menge an Ki sofort wieder zurückgewinnen, solltet ihr euer Timing perfektionieren und im richtigen Zeitpunkt R1 drücken. Dies ist essenziell, da sich stärkere Waffen auch mehr an eurer Ki-Leiste laben und euch gegebenenfalls die Rolle in Sicherheit verwehren. Speziell bei kämpfen gegen Yokai ist das von äußerster Wichtigkeit!

Apropos Waffen: davon gibt es viele verschiedene, die wiederum für unterschiedliche Aktionen und Spielstiele gedacht sind. Ihr habt beispielsweise die Auswahl zwischen Doppel-Katanas, die gut für rasche Angriffe sind, jedoch ihren Schaden gering halten. Außerdem ist es dafür nötig, in den Nahkampf zu gehen. Selbiges gilt für den Hammer, der zwar mächtig austeilt, jedoch langsam in seiner Anwendung ist und obendrein noch reichlich Ki benötigt. Wollt ihr Gegner auf Distanz halten, eignet sich dafür ein Speer oder auch das Kusarigama. Diese benötigen jedoch etwas Eingewöhnungszeit und lassen sich nicht auf Anhieb so einfach einsetzen, wie Katanas. Aber Übung macht den Meister, was so ziemlich auf alles in diesem Spiel zutrifft.

Nioh

Als zusätzliche Hilfe verfügt ihr nach dessen Auffinden auch über einen Bogen, der sich für das Bereinigen von Gebieten eignet, in dem für euren Geschmack sicherlich zu viele Wachen rumlungern. Habt ihr euch dann aber doch für den Kampf eins gegen eins entschieden, ist es wichtig, auf eure Haltung zu achten. Diese könnt ihr jederzeit umschalten und zwischen einer hohen, mittleren und niedrigen Haltung wählen. Die hohe Haltung benötigt am längsten um ausgeführt zu werden, richtet jedoch großen Schaden an. Die mittlere Haltung kann man als normal schnelle und moderat Schaden anrichtende Attacke ansehen und die niedrige Attacke ist die schnellste von allen, hinterlässt jedoch nur ein paar Kratzer bei euren Gegnern. Je nach Spielstil und Situation ist einer der drei erwähnten Kampfstile der beste. Es liegt an euch herauszufinden, welcher davon es ist.

Kommt ihr an einem Schrein vorbei, könnt ihr nicht nur eure gesammelte Erfahrung in Statuswerte ummünzen, sondern auch neue Fähigkeiten lernen oder euren Schutzgeist ändern. Dieser begleitet euch zu jeder Zeit und steht bei voller Aufladung als Spezialattacke bereit. In dieser Zeit seid ihr unsterblich und richtet nochmals massiven Schaden an. Habt ihr diesen Boost dann hinter euch, reduziert sich die Aufgabe des Schutzgeistes wieder auf das Bewachen eurer Leiche, solltet ihr einem Gegner zum Opfer gefallen sein. Anders als bei Dark Souls jedoch bleibt der Schutzgeist bei eurer Leiche bis ihr diese abholt, um so gesammelte Erfahrung wieder aufnehmen zu können. Sterbt ihr jedoch am Weg dorthin, steht euch in dieser zeit kein Schutzgeist zur Verfügung, da dieser ja Wache schiebt. Ergo verliert ihr bei neuerlichem Tod nicht nur die Erfahrung der bewachten Leiche, sondern auch die, die ihr am Weg dorthin gesammelt habt. Ihr könnt euren Schutzgeist jedoch jederzeit am Schrein zurückrufen, solltet ihr freiwillig darauf verzichten und lieber auf Nummer sicher gehen.

Nioh

Neben den üblichen Gegnern und Yokai im Spiel sind die Endgegner eine wirklich knackige Nuss. Oftmals werdet ihr euch dabei ertappen, den Controller gegen die Wand knallen zu wollen. Dennoch ist es ein altbewährtes Rezept: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Wer nicht gierig ist, wird am Ende auch als Sieger hervorgehen. Lieber einen Schlag weniger anbringen, als einen mehr einstecken. Oftmals haben eure Kontrahenten nicht nur stärkere Attacken, die euch Leben und Ki abziehen, sondern auch den gewissen Vorteil der Reichweite, wodurch ihr das ein oder andere Mal einen One-Hit kassieren werdet. Geht ihr jedoch einen Schritt zurück und beobachtet die Bewegungs- und Angriffsmuster, werdet ihr sicherlich weniger oft sterben, aber ihr wisst dann mit Sicherheit, dass es nicht am Spiel, sondern an euch und eurer Geduld liegt. Habt ihr den Boss dann niedergerungen, durchlebt euer Körper dann einen Moment des Erfolgs, wie er sonst selten in Spielen vorkommt. Und das ist doch genau das, wonach wir alle suchen – oder nicht? Ein Spiel zu meistern anstatt am hundertsten Checkpoint das Spiel fortzusetzen…

Fazit

Nioh ist großartig, selbst, wenn es die Produktion meiner grauen Haare fordert. Es ist nicht nur wunderschön anzusehen, sondern bietet ein Setting, welches noch unverbraucht ist und paart es mit perfekt ausgeklügeltem Gameplay. Die Gegner sind fordernd und mit einer riesigen Menge an Geduld auch ohne weiteres bezwingbar, dennoch ist es kein Spiel für jedermann. Die Online-Funktionen des Spiels schaffen zwar Abhilfe, indem man sich von vertrauteren Spielern helfen lassen kann, trotzdem sollte man bedenken, dass das Spiel eigentlich für Einzelspieler gedacht ist. Wer sich dem also nicht gewachsen fühlt bzw. mit Dark Souls & Co. überhaupt nichts anfangen soll, sollte lieder einen großen Bogen um das Spiel machen. Jeder, der die gewisse Herausforderung sucht und bereits mit anderen Genre-Vertretern vertraut ist, der sollte am besten nicht lange warten und sich ins Abenteuer mit William stürzen. Von mir gibt es jedenfalls eine klare Empfehlung!

WERTUNG: 9/10

Wir bedanken uns bei Sony für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at