The Division – unsere Kritik

Fast zwei Wochen ist der Release von The Division bereits her. Es dürften bereits alle gespielt haben, denn der Titel hat den erfolgreichsten Start eines Ubisoft-Spiels überhaupt hingelegt. Da stellt sich natürlich die Frage: „Warum jetzt noch ein Review schreiben?“

Gastbeitrag von Fatih Olcaydu

Ich bin nicht im aktiven Dienst. Videospiele werden von mir konsumiert, wenn ich Freizeit habe, und ich muss nicht jeden Tag mitverfolgen, was Nintendo, Sony, Microsoft und Co. Neues für die Spielergemeinschaft ausgeheckt haben. Allerdings werde ich hie und da aus meinem spielarmen Alltag gerissen, um meinen Senf zu aktuellen Entwicklungen zu geben oder ein Spiel zu testen. Ein bisschen wie ein Division-Agent. Die Spezialeinheit tritt nämlich als letzte Option auf den Plan, wenn zum Beispiel eine Virusinfektion ganz Manhattan in eine Todeszone verwandelt. Schließlich müssen Recht und Ordnung erhalten werden und da braucht man die Besten der Besten!

Seid ihr bereit für den ultimativen Einblick in die Welt von The Divison?

Seid ihr bereit für den ultimativen Einblick in die Welt von The Divison?

Zwei Wochen nach Release sind die Chance sehr hoch, dass ihr das Spiel bereits gesehen habt. Vielleicht im Livestream, live bei einem Freund oder weil ihr es euch bereits gekauft habt. Wie auch immer, die Grafik ist toll. Ich spiele das Game auf der PS4 und ja, auf dem PC soll es sogar noch besser aussehen. Bemerkenswert am virtuellen New York ist allerdings nicht die Effekthascherei, sondern die Liebe zum Detail, mit der die amerikanische Metropole zu eurer Spielwiese gemacht wurde. Zwar mangelt es leicht an Abwechslung, wenn man die ganze Zeit New York im Schnee sieht, aber Manhattan im Ausnahmezustand würde im echten Leben wohl nicht viel anders wirken.

Für den Fall, dass dieser Text von jemandem gelesen wird, der bisher rein gar nichts von The Division gehört oder gesehen hat und diesen Artikel nur liest, weil er auf Continue erschienen ist (Gute/r Frau/Mann!), wollen wir kurz die eigentliche Natur dieses Titels erkunden. Ubisofts Destiny mit Tom Clancy-„Realismus“ trifft es meiner Meinung nach ganz gut. Genauso wie in dem Bungie-Shooter ist man auch in The Division permanent mit den Ubisoft-Servern verbunden und teilt sein Spielerlebnis mit anderen. Allerdings trefft ihr nur in den Schutzzonen und Basen auf fremde Spieler und nicht auf den Straßen New Yorks. Schade, denn wenn ich ab und zu mit den taffen Gegnern zu tun habe, würde ich mir wünschen, dass zufällig ein anderer Agent um die Ecke kommt und mir den Hals rettet.

The Division

Die grafische Pracht des virtuellen New Yorks kann sich durchaus sehen lassen!

Eine weitere Ähnlichkeit zu Destiny ist, dass der Hauptteil des Spielgeschehens darauf hinausläuft, einfach besseres Equipment zu bekommen. Dazu kann man sich entweder in eine der zahlreichen Handlungsmissionen begeben oder eine der sich wiederholenden Massenaufgaben widmen. XP werden gesammelt, Upgrades werden entwickelt, neue Fähigkeiten werden freigeschaltet und so fort. Ein neuer Rucksack erhöht euren Schaden, die Handschuhe eure Lebensenergie und der Halfter eure kritische Trefferquote. Ich habe schon in Diablo nicht verstanden, wie Gegenstände sowas machen können – meine Handschuhe halten nur meine Hände warm – aber ihr versteht, wie der Division-Hase läuft. Wenn man mit dieser Herausforderung-Loot-Enttäuschung/Euphorie-Schleife klar kommt, ist das schon die halbe Miete.

Interessant habe ich die Entscheidung der Entwickler gefunden, eurem virtuellen Alter Ego keine Charakterfesseln aufzuzwingen. Fähigkeiten in drei unterschiedlichen Bereichen, die euch respektive zum Heiler, Caster oder Tank machen, können freigeschaltet werden, in dem ihr eure Hauptbasis ausbaut. Euer Level beschränkt also nicht den Zugriff auf bestimmte Fähigkeiten und wer von einem Freund Hilfe bekommt, kann ziemlich schnell auf viele Talente zugreifen – was das Gameplay interessanter gestaltet, weil sich die Schusswechsel – aus denen besteht das Spiel zu 99% – dadurch abwechslungsreicher spielen lassen. Zusätzlich kann man seinen Charakter jederzeit mit anderen zwei Fähigkeiten bestücken, was für frischen Wind sorgt, wenn man schon zu lange einen „Build“ spielt oder sich innerhalb einer Gruppe mal einer anderen Rolle widmen will. Wer schon The Division spielt und noch immer etwas zweigeteilter Meinung ist, sollte öfter Gebrauch von dieser Möglichkeit machen. Die zusätzliche Abwechslung kommt nach dem 10.000sten Kill ganz recht.

I walk a lonely road ...

I walk a lonely road …

Anders als in Destiny sind die Schusswechsel um einiges gemächlicher. Man verschanzt sich hinter Deckungen, arbeitet sich langsam vor und versucht nicht im Sekundentakt ins Gras zu beißen. The Division ist nämlich taff. Viel Feedback von den Spielenden richtet sich an/gegen die hohe Lebensenergie der Gegner, die Schusswechsel gelegentlich eine gefühlte Ewigkeit in die Länge ziehen. Allerdings finde ich, dass das den Kämpfen eine taktische Note verleiht und man sich mit drei bis fünf Gegnern auseinandersetzen muss, anstatt sie einfach niederzumähen. Das sorgt dafür, dass man sich gelegentlich mit dem eigenen Charakter beschäftigen und auch die Taktik anpassen muss. Also ein bisschen Köpfchen benutzen und das ist bekanntlich eine gute Sache. Mich stört vielmehr, dass der eigene Charakter anscheinend Rüstungsteile aus Origami hat, weil wenn ein Gegner, der zwei Level unter mir ist, mich innerhalb von Sekundenbruchteilen durchlöchert, kommt schon einmal Frust auf. Deswegen sollte man im besten Fall bis zu drei weitere Freunde zur Hand haben, denn in der Gruppe macht The Division erheblich mehr Laune, wie es bei allen Spielen dieser Art der Fall ist.

Das Beste kommt zum Schluss: Die „Dark Zone!“ Während der Rest von The Division sich bekannter Gameplay-Formeln bedient, bietet die Dark Zone ein frischeres Spielerlebnis. Hier könnt ihr euch die besten Ausrüstungsgegenstände unter den Nagel reißen, wenn ihr der Herausforderung gewachsen seid. Ihr müsst nämlich das Zeug erst extrahieren lassen, was soviel bedeutet, wie einen Punkt halten bis der Timer ausläuft. Startet ihr so eine Extraktion dann gibt es einige Szenarien, die eintreffen können. Entweder ihr werdet von einigen NPCs angegriffen und könnt sie abwehren. Vielleicht schließt sich euch sogar ein anderer Spieler an und extrahiert seine ergatterte Beute. Interessant wird es allerdings, wenn andere Agenten in der Ausnahmezone anfangen Jagd auf die eigenen Leute und deren Fang machen. Hier ist der Unterschied zwischen Verbündetem und Gegner sehr dünn und der Nervenkitzel umso intensiver. Diese Art des Endgames kombiniert PvP mit PvE ziemlich gut und scheint – es ist noch etwas verfrüht genauere Aussagen zu treffen – eine interessante Alternative zu Raids, wie in Destiny zu sein.

Die Dark Zone ist das eigentliche Schmankerl von The Division

Die Dark Zone ist das eigentliche Schmankerl von The Division

Fatihzit

Ich hab viel Destiny gespielt. The Division ist anders. Das Gameplay ist langsamer. Alles ist etwas taktischer und Koordination mit dem restlichen Team ist die ganze Zeit gefragt. Das Spiel beinhaltet viele gute Ideen, von denen die Dark Zone bisher mein persönlicher Favorit ist, aber auch einige mäßig spannende Elemente, wie nur ein Missionsziel (Töten!) und fehlende andere Spieler in den Straßen Manhattans. Wer in erster Linie als einsamer Wolf New York zu seinem alten Glanz verhelfen will, wird es schwer haben sich in The Division vollends wohl zu fühlen. Denn wie so oft sind wiederkehrende Missionsziele und Gegnertypen mit Freunden im Chat weitaus weniger anstrengend. Wer noch nicht zugeschlagen hat, hat auch nicht sehr viel verpasst, sollte aber ein Auge auf die weitere Entwicklung dieses Titels haben. The Division ist ein guter Start für eine neue Franchise und ich muss zugeben, ich bin schon sehr gespannt, wie Ubisoft auf das ganze Feedback reagieren und in welche Richtung das Spiel sich in den kommenden Monaten entwickeln wird. Denn wie jedes MMO ist auch The Division „work in progress“!

Zweite Meinung: consalex

Fast meine gesamte Friendslist auf der PS4 ist im The Division Rausch. Das unterstreicht die Erfolgsmeldungen, die Entwickler Ubisoft wöchentlich an die Presse schickt. Das Spiel trifft einen Nerv, auf dem Destiny seit über einem Jahr erfolgreich tanzt – Borderlands, Diablo und ein paar MMOs sogar noch länger. Ich muss sagen, ein paar Takte mit Freunden mitschunkeln hat Spaß gemacht, aber für mich ist weder das Setting, weil zu dünn erklärt, als auch das Spielgefühl (warum hält der Gangster 27 Kopfschüsse aus?) zu steril, um bis zum Ende des sehr langen Konzerts zu verharren. Bei Shootern will ich das Gefühl haben, dass es auf meinen Skill ankommt, ob mein Gegenüber umfällt oder nicht, und nicht praktisch ausschließlich auf mein Erfahrungslevel. Wie in einer Beziehung muss ich also sagen, es liegt wohl an mir und nicht am Spiel. Es sieht gut aus, bietet viel Umfang (wenn sich auch viel davon wiederholt und wiederholt und wiederholt und …) und speziell mit Freunden ein entspannter Zeitvertreib. Ich habe mich die meiste Zeit leider gelangweilt und gefragt, aus welchem Land die Operator bei Rainbow 6 Siege wohl als nächstes sein werden. Wie gesagt – es liegt wohl an mir.

WERTUNG: 7/10

PS: Ihr fragt euch sicher: „Wo ist die Antwort auf die Frage in der Einleitung?“. Es gibt keine. Booyah! Clickbait! Lasst euch vom Internet nicht foppen! Peace out!

Wir bedanken uns bei Ubisoft Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.