Terra Technica – Der Retro-Himmel für Videospielfans

Videospiel-Konsolen, Arcade-Cabinets, Pinball-Maschinen und Jukeboxen, wohin das Auge reicht.


Lange hat es gedauert, doch nun darf Andranik Ghalustians endlich sein eigenes Videospiel-Museum präsentieren. Der leidenschaftliche Sammler aus Wien hat mit mehr als 50.000 Games eine der größten Videospiel-Archive, die es auf dieser Welt zu finden gibt. Diese reicht von Arcade-Cabinets und Platinen beginnend in den 1970er Jahren über die ersten Heimkonsolen bis hin zu aktuellen Videospielen und deren Collector’s Editions. Wer mal bei ihm zu Hause an einem Arcade-Treffen teilnehmen durfte, wird wissen, wovon ich spreche. Es ist quasi der Himmel auf Erden für jeden, der sich nur im entferntesten Sinne für das digitale Kulturgut interessiert.

Nun, nach jahrelangen Versuchen ein Videospiel-Museum in Österreich zu etablieren, ist dieses Vorhaben an der ermüdenden Bürokratie und Politik gescheitert. Ein Armutszeugnis für dieses Land. Doch wie es der Zufall so will, kam das Glück im Unglück zur rechten Zeit und das Projekt wurde zusammen mit Ronald Seunig und Günter Freinberger in Tschechien nahe der österreichischen Grenze doch noch Wirklichkeit. Excalibur City ist nun das neue Zuhause von hunderten Exponaten aus Andranik’s Sammlung, welche ab 23. September 2017 auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein werden. Willkommen in der Terra Technica!

Der Videospiel-Bereich der Terra Technica gleicht einer Zeitreise durch die verschiedenen Epochen der Videospiel-Geschichte. Angefangen in den frühen 1970ern bei der allerersten Heimkonsole, dem Magnavox Odyssey, geht es im ersten von acht Bereichen nicht nur um die Anfänge der Videospiele, sondern auch gleichzeitig um die Evolution der Controller. Die einzelnen Abschnitte sind thematisch mit riesigen Artworks and den Wänden ausgestattet und vermitteln einen angenehm nostalgischen Flair. Passend dazu gibt es auch die guten alten Röhrenbildschirme, um das Erlebnis von damals nicht zu verfälschen. Es wird eben auch auf die kleinen Details geachtet, was sich im Gesamterlebnis eindeutig positiv widerspiegelt.

Gleich einen Raum weiter werden dann die Augen von Arcade-Liebhabern zu glänzen beginnen. Einige der besten Arcade-Titeln der 1970er, 1980er und 1990er sind hier für jedermann spielbar, wie beispielsweise VS Super Mario Bros., dem wahren Original des NES-Ports oder auch The Simpsons – der Klassiker, den wohl jeder kennt. Viele dieser Platinen laufen auf so genannten Universal-Automaten, die nicht nur an ein Spiel gebunden sind. Hier tausch Andranik immer wieder die Platinen aus, um Platz zu sparen. Seine Sammlung füllt doch mehrere Lagerhallen aus und würde wohl auch diese Grenzen sprengen, wenn er für jedes Spiel den passenden Automaten samt Branding hätte. Aber das ist einer der Punkte, der nach einem erfolgreichen Start in Zukunft am Plan steht. Zumindest die bekanntesten Automaten sollen dann ihre originalen Cabinets bekommen. Pac-Man, Donkey Kong oder auch VS Super Mario Bros., um nur einige zu nennen.

Raum drei bietet euch dann bereits die nächsten Konsolen-Generation an. Schmuckstücke, wie das Atari 2600 oder Intellivision & Co. werden dort nicht nur zu bewundern, sondern auch zu spielen sein. Ob es auch ein Exemplar von E.T. in die Ausstellung geschafft hat, wollte Andranik aber mit einem leichten Schmunzeln nicht beantworten. Doch selbst ohne dem ausschlaggebenden Grund für den Kollaps der Industrie in den 1980ern, sind die einzelnen Ausstellungsstücke ein Highlight für alle Besucher.

Der nächste Abschnitt geht dann bereits in die 8-bit Ära über. Hier ist das Angebot schon breit gefächerter, als manch einer denken möchte. Natürlich mit an Bord sind das Nintendo Entertainment System, das Sega Master System und der Commodore 64. Aber auch das MSX, der Atari 800 oder der BBC Micro sind stolz vertreten. Das Spieleangebot der dritten Konsolen-Generation war qualitativ bereits auf einem Level, der davor unerreicht war. Vor allem Nintendo hat nach dem großen Konsolen-Crash mit Super Mario Bros., The Legend of Zelda oder Metroid neue Maßstäbe gesetzt – Marken, die sich bis heute in unserer Videospielkultur etabliert haben.

Dicht gefolgt ist das Ganze von der 16-bit Ära. Zu den Exponaten in diesem Raum gehören nicht nur das Super Nintendo Entertainment System, sondern auch ein gewaltiges Contra III Artwork an der Wand. Wohl eines der kultigsten Spiele überhaupt. Zu Nintendos zweiter Heimkonsole gesellen sich dann auch noch das Sega Mega Drive, sowie das Sega Mega-CD mit Sonic the Hedgehog als Aushängeschild. Ebenfalls ziemlich präsent ist das Amiga mit einigen Stationen, der bis in die Mitte der 1990er eine gute Dekade lang einer der beliebtesten Heimcomputer war. Abgerundet wird der Bereich von einem originalen NEO GEO Automaten. Ein absolutes Schmuckstück unter Sammlern.

Immer wieder werden die einzelnen Räume auch von Vitrinen mit Collector’s Editions von aller Art Spielen und Figuren aufgelockert. Wer mit dem Nostalgie-Overload bislang wenig anfangen konnte, hat also dennoch immer wieder Grund zu staunen. Und alle 90er-Kids werden spätestens ab jetzt mitreden können, wenn die 64-bit geknackt werden.

Ich erinnere mich gerne daran zurück, als meine erste eigene Heimkonsole unter dem Weihnachtsbaum lag und ich mit meinen Cousins sofort in mein Zimmer stürmte, alles an den Fernseher anschloss und Bob Omb’s Bombenberg in Super Mario 64 unsicher machte. Es war schlichtweg revolutionär, dass man plötzlich nicht mehr nur auf zwei Ebenen beschränkt war, sondern die ersten 3D-Erfahrungen in den eigenen vier Wänden machen konnte. Aber nicht nur Nintendo machte dies möglich, sondern auch Sony mit der PlayStation oder Sega mit dem Saturn. Allesamt sind sie natürlich auch hier vertreten, inklusive einiger Spiele-Schmankerl, die es zum Anspielen gibt.

Aber nicht nur die ersten Baby-Schritte der 3D-Konsolen sind in der Terra Technica präsent, sondern auch deren Nachfolger über den Nintendo GameCube, den Sega Dreamcast und Microsofts Xbox bis hin zum 3DO oder auch dem Philips CD-i Player. Wer sich bislang wenig mit Videospielen befasst hat, wird sicherlich einige neue Systeme zu Gesicht bekommen, die bislang unbekannt schienen. Das Museum ist beinahe wie eine interaktive Lehrstunde, die vor allem der jüngeren Generation deutlich vermittelt, dass es einst nicht nur Nintendo, Sony und Microsoft gegeben hat.

Bevor unsere Reise durch die Videospiel-Zeit sich dem Ende zuneigt, gibt es noch etwas für die PC-Gamer unter euch. Neben High-End PCs gibt es auch jede Menge Hardware in Vitrinen ausgestellt. Diverse Controller, Mäuse oder auch Gaming-Lenkräder lassen einen genau so in Erinnerung schwelgen, wie Grafikkarten oder Soundkarten, die sichtlich in die Jahre gekommen sind. Abgesehen davon gibt es auch PC-Spiele zu bestaunen, die wohl bis heute die schönsten aller Verpackungen hatten. Da schauen Konsolen-Spieler jedes Mal mit einem neidischen Blick auf die PC-Gamer hinüber.

Abschließend gibt es noch eine Chill-Out-Area, wo ihr mit diversen Handhelds oder auch Tabletops interagieren könnt. Entlang der Wand wurden noch einige Videospiel-Helden verewigt, welche wohl noch viele weitere Abenteuer mit uns erleben werden. Immerhin boomt die Videospiel-Industrie immer noch und wirft jedes Jahr Unmengen an Geld ab. Auch wenn viele den nächsten Crash schon jahrelang aufgrund der Übersättigung des Marktes voraussagen: Videospiele sind mittlerweile allgegenwärtig und werden es auch noch lange bleiben. Sie sind mittlerweile nicht nur in der Pop-Kultur etabliert, sondern haben sich auch in die Wohnzimmer eurer Eltern und Großeltern geschlichen. Nur als Kunst, werden sie noch nicht angesehen. Aber wen kümmert das schon, wenn es solche Ausstellungen dafür gibt?

Wie bereits erwähnt gibt es neben der Videospiel-Ausstellung auch noch mehr als 800 Jukeboxen zu bewundern, die bis ins Jahr 1880 zurückreichen. Da wird einem wirklich warm ums Herz, wenn man diese guten alten Schallplattenspieler sieht. Passend dazu gibt es nebenan auch ein Tontechnik bzw. -träger Abteil, wo man bis hin zum MP3-Player ebenfalls alles vertreten hat, was der Markt bis dato zu bieten hatte. Und wer noch immer nicht genug vom Spielen hat, kann sich noch die besten 250 Flipper dieser Welt zu Gemüte führen und ebenfalls das ein oder andere Spielchen wagen. Hier bleiben definitiv keine Wünsche offen.

Bleibt nur noch die Frage zu klären, wie man dorthin kommt und was der Ganze Spaß kostet.

Die Excalibur City ist, wie gesagt, nur wenige hundert Meter über die österreichische Grenze hinaus. Ohne Auto wird es jedoch schwer, dorthin zu kommen. Es fährt zwar ein Excalibur-Bus ab Wien und wieder zurück, aber das leider nur ein Mal am Tag. Außerdem sollte man, wenn man das gesamte Erlebnis auch genießen möchte, vielleicht einen kleinen Wochenend-Trip einplanen. Passend dazu gibt es sowohl ein Hotel, als auch genügend Einkaufsmöglichkeiten direkt vor Ort und sämtliche Services werden auch auf Deutsch angeboten.

Der Eintritt wird sich auf rund 15 Euro belaufen und deckt sämtliche Bereiche ab. Außerdem bekommt man noch fünf Tokens zum Eintritt hinzu, welche ihr für das Bespielen der Automaten benötigt. Solltet ihr Lust auf mehr verspüren, könnt ihr jederzeit Tokens zu je einem Euro nachkaufen. Und wer es gleich richtig wissen will, der kann sich auch eine Jahreskarte um lediglich 25 Euro gönnen, also nicht viel mehr, als ein Einzeleintritt.

Adresse der Excalibur City und des Museums:
Chvalovice–Hatě 195, 669 02 Znojmo, Tschechien

Öffnungszeiten:
Täglich von 10:00 bis 19:00 Uhr; Einlass bis 17:30 Uhr

Weitere Informationen auf:
http://www.terratechnica.info/

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at