StarCraft II – Die verlorene Liebe

Ihr kennt das vielleicht. Man trifft eine Ex-Freundin nach Jahren wieder und denkt sich, ach, schön war die Zeit. Doch je länger man sich mit ihr unterhält, um so deutlicher wird, warum man damals Schluss gemacht hat. StarCraft II ist für mich diese Ex-Freundin. Die Erweiterung Legacy of the Void unser letzter gemeinsamer Abend.

Ich habe StarCraft geliebt. Schon BroodWar damals, vor 15 Jahren und viele Monde danach. Mit StarCraft II ist diese Liebe vor fünf Jahren neu aufgeflammt. Täglich habe ich Let’s Plays geschaut, Turniere verfolgt und mit ein paar Freunden versucht das Internet zu besiegen – ich habe mir sogar meine Ski mit dem StarCraft-Schriftzug bekleben lassen!! Jede freie Sekunde hat dem Spiel und seiner Anhängerschaft gehört. In den letzten zwei Jahren ist diese Liebe jedoch eingerostet. Der Ablauf der Matches hat sich oft wiederholt, das verfügbare Zeitvolumen musste sich das Spiel mit anderen teilen – und sagen wir so, wenn man StarCraft manchmal bis selten spielt, sollte man am besten gar nicht spielen.

Ein Bild aus guten Tagen. Die letzte (für mich) gute Platzierung liegt lange zurück.

Ein Bild aus guten Tagen. Die letzte (für mich) gute Platzierung liegt lange zurück.

Viel zu spät für mich ist nun die letzte Erweiterung Legacy of the Void erschienen – immerhin sind gleichzeitig wieder ein paar Let’s Player dran, die Thematik ein wenig durchsichtiger zu machen. Neue Einheiten, viele davon sehr brauchbar und den Spielfluss verändernd, finden sich im Spiel, und auch ein paar zusätzliche Modi sorgen zumindest für neugierige Blicke. Man kann mit einem zweiten Spieler gemeinsam spielen (einer Basenbau, der andere die Truppen!?), genannt Archon-Modus, sich auf ein paar Maps zu zweit gegen die KI beweisen oder den (leider schwachen) Abschluss der Story nach 20 mehr oder weniger gelungenen Missionen erleben.

Gute Wertungen (siehe Metacritic) sind das Ergebnis einer langen Reise, die nun offenbar ihren Abschluss gefunden hat. Das Echtzeit-Action-Strategie-Spiel hat aktuell wenig Konkurrenz und ist ohne Zweifel spielerisch wunderbar gebalanced. Die drei Rassen bieten so viel Abwechslung wie noch nie und dank einiger Veränderungen (z.B. mehr Drohnen zu Beginn) ist auch der bisher eher mühsame Start jeder Multiplayer-Partie stark aufgelockert. Das beste StarCraft aller Zeiten, könnte man sagen.

Star Craft II: Legacy of the Void

Vielleicht liegt es an den vielen Games, die sich auf meinem Wohnzimmerregal stapeln, vielleicht daran, dass meine Mitspieler entweder gar nicht mehr oder nur noch sehr wenig spielen. Aktuell quäle ich mich durch die Kampagne, in der mein Namensvetter den Bösewicht mimt, doch hat mich die langatmige Erzählweise der Serie noch nie richtig gepackt. Die Missionen gegen die KI hat man schnell durch und dann wartet eben nur noch der Kampf gegen das Internet. Ein auswegloser Kampf für mich, der ich nur noch rund 1x die Woche das Schlachtfeld besuche. Da lass ich es leider lieber gleich bleiben. Mit einem weinenden Auge, denn die gemeinsame Zeit war wunderbar. Vielleicht treffen wir uns doch irgendwann wieder zu einem gemeinsamen Abendessen, reden über die guten Tage unserer Beziehung und lachen über die verrückten Matches, die wir erlebt haben. So schön wie früher wird es aber sicher nie mehr.

Star Craft II: Legacy of the Void

Star Craft II: Legacy of the Void

Star Craft II: Legacy of the Void


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.