Star Wars Battlefront/fail/fantasy

„Andere Hersteller können sich von EAs umfangreicher Battlefront-Demo ruhig mal ne Scheibe abschneiden.“ … „Das ist keine Demo.“ So oder ähnlich wurde das neue Star Wars Game oft im Internet verhöhnt. Nur teilweise berechtigt, wie ich finde.

Da alle Interessierten sicher schon im Besitz des Spiels sind, möchte ich mich nur kurz auf die Fakten beziehen und dann eher die Spieleindrücke der letzten Woche beschreiben.

Wie ihr sicher schon alle wisst, gibt es wirklich keinen Story-Modus, d.h. keine zumindest 5h-Kampagne, die uns eine epische Geschichte erzählen will. Traurig, denn genau wie bei Titanfall würde ich mich gerne in diese Welt ziehen lassen und mehr von ihr erfahren – im Gegensatz zu den mir weniger zusagenden CoD– oder Battlefield-Storylines.

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Gut, gibt es nicht. Dafür diverse „Missions“, die man alleine oder mit einem Freund (sogar im Splitscreen) bestehen muss. Leider handelt es sich dabei lediglich um Wellen von Gegnern, die in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden abgeschossen werden müssen. Naja. Im Hauptmodus, auch genannt Multiplayer, warten insgesamt 9 Modi auf euch. Ich zähle sie hier nicht auf, sondern komme jetzt zum spannenden Teil – was taugt Battlefront wirklich.

Von den erwähnten Modi habe ich mich in letzter Zeit auf lediglich drei beschränkt. In „Walker Asssault“ mag ich die sich bildende Front in den Kämpfen – in den anderen Modi wird man immer von allen Seiten beschossen, was mich zusätzlich stresst. „Drop Zone“, wo man diese lustigen Rettungskapseln beschützen muss, fand ich schon in der Demo witzig, und schließlich „Supremacy“ – King of the Hill. Ab und zu fliege ich noch in „Fighter Squadron“ ein paar Runden. Der reine Luftkampf erschöpft sich aber schnell, auch weil man nie im All fliegen darf. Ähnlich verhält es sich mit den anderen Modi, zwei davon auf die eher langweilig zu spielenden Helden fokussiert. Gut, in Battlefield spielt man ja meist auch die ewig gleichen Modi, aber wenn es schon keinen Story-Modus gibt, dann hätte man sich zumindest mehr Hintergründe erwarten dürfen. Die kommen aber als DLC, auch ein Punkt, der in den letzten Wochen für Aufregung in der Community gesorgt hat. Klar darf man nachliefern, soll ja so sein, aber der Grundstock sollte nicht schon nach einer Woche Spielzeit bei den Droidenohren raushängen.

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Ach, es gibt so viele Angriffspunkte, die das Spiel liefert. Die Waffen fühlen sich alle recht ähnlich an, bzw. sind die freischaltbaren Goodies wie weitere Granatenarten oder fokussierteres Schießen einfach nicht richtig sexy. Das oft so wichtige Jet Pack bekommt man erst mit Level 13, was immerhin ein mittelfristiges Ziel ist, das man erreichen möchte. Warum man für die imperiale Seite 20 verschiedene Köpfe für seinen Avatar freischalten kann, verstehe ich nicht. Das irritiert im Kampf, wenn die Sturmtruppen im Eifer des Gefechts mit den Rebellen verwechselt werden können, weil sie keinen Helm aufhaben. Vielleicht gibt es deshalb kein friendly fire?

Auch bei den „Daily Quests“ bekomme ich zum Start Aufgaben, die ich noch gar nicht lösen kann, weil ich die dafür benötigte Waffe erst mit Stufe 25 freischalte. Um das Daily auszutauschen muss ich ingame-Währung bezahlen, die ich ja eigentlich für Waffen benötige. Ein komisches Konzept. Wo mache ich weiter? Ah, keine Squads und keine Klassen. Gut, fühlt sich casual an, vielleicht das Richtige für die Zielgruppe, aber längerfristig eher langweilig. Ich kann maximal mit einem Freund spielen, die anderen müssen dem Spiel joinen und hoffen, dass sie auf meine Seite gewürfelt werden. Meist spielt man dann gegeneinander. Immerhin ärgere ich mich nicht, wenn viele meiner Freunde lieber auf PC oder Xbox One spielen. Ich könnte sie eh nicht in mein Squad aufnehmen. Bezüglich Klassen noch ein Wort. In Battlefield als erfolgreicher Medic übers Feld zu laufen und seine „Rolle“ zu erfüllen, war schon sehr lustig. Das fehlt hier. Komplett. Ohne ausgleichendes Element, was mich ähnlich unterhält. Schade.

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Nun komme ich aber zu dem Punkt, warum ich das Game wohl auch die nächsten Wochen noch spielen werde. Es macht Spaß und es versetzt mich glaubhaft in jene Schlachten, die ich schon als Kind mit Action-Figuren nachgespielt habe. Wenn die AT-ATs endlich zusammenbrechen, was wesentlich häufiger als noch in der Beta passiert, und ein X-Wing knapp über dem Boden über mir vorbeifliegt, dann werden ausreichend Glückshormone in meinem Körper ausgeschüttet, um gleich noch eine Runde zu spielen. Wie lang diese Endorphin-Schübe anhalten werden weiß ich nicht. Neue Settings werden sicher wieder für frischen Wind sorgen. Aber ich befürchte, die spielerischen Möglichkeiten sind so eingeschränkt, dass ich nicht ewig am Lichtschwert festhalten werde.

Fazit

Der Aha-Moment, den ich in der Beta hatte, als das erste Mal die Schlacht um Hoth um mich rum stattfand, ist wohl in den nächsten Wochen nur noch in sehr abgeschwächter Form erlebbar. Dafür werde ich sicherer im Waffenhandling und beim Nutzen von Fahrzeugen. Immerhin. Mit einem Freund gemeinsam in die Schlacht zu ziehen, macht dann auch noch einen Deut mehr Spaß, als schweigend durch die Wipfel von Endor zu huschen, aber selbst dann ist es für eine Runde zwischendurch immer wieder gern gesehen. Mir gefällt Battlefront und ich kann es allen Star Wars Fans, die keine Angst vor „Casual Gameplay“ haben, nur wärmstens empfehlen. Das Uber-Spiel ist es leider nicht geworden. Aus Gründen. Vielleicht sehen wir uns trotzdem mal auf dem Schlachtfeld. Ich bin der Typ mit Helm.

Ich hass übrigens Wertungen, deshalb gebe ich keine an. Wenn ihr euch mit einer 8/10 wohler fühlt, dürft ihr sie aber haben.

Wir bedanken uns bei EA für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.