Spiele sind Lifestyle

Inspiriert durch einen Artikel auf kotaku habe ich mir kürzlich wieder einmal die Frage gestellt, wie verwurzelt Games 2015 in unseren Leben wirklich schon sind.

Sind sie noch Produkte oder vielleicht doch schon Kultur und eine Art Lifestyle für viele von uns?

Ein Zitat aus dem kotaku Artikel stammt von Paul Sams (Blizzard): „Es gibt einen Trend, das Leute nur noch ein Spiel spielen. … Wir sind nicht so naiv zu glauben, dass unsere Fans nicht auch andere Spiele ausprobieren, aber ich habe das sichere Gefühl, dass sie nach Hause (Anm.: Sams sieht Blizzard als dieses zuhause) zurückkommen. Menschen verlassen ihr zuhause, aber sie kommen immer für einen Besuch zurück.“

Blizzard kann das natürlich leicht sagen, schließlich läuft ihr kommerziell erfolgreichstes Spiel, World of Warcraft, seit genau zehn Jahren sehr erfolgreich. Ich selbst habe rund sechs Jahre mit Unterbrechungen in diesem einzigartigen Spiel verbracht. Immer wieder blättere ich durch meinen Fotoordner, der neben „Skifahren 2004“ und „San Francisco 2005“ auch das Verzeichnis World of Warcraft kennt. So viele Erinnerungen („Kannst mal bitte für die Raidteilnehmer Wasser herstellen?“) Seufz.

Bild 12

Auch das im kotaku-Artikel ebenfalls erwähnte World of Tanks (erschienen 2009) bzw. League of Legends (ebenfalls erschienen 2009) dürfen mit ihren über 100 Mio. Spielern sicher in die Zukunft blicken. Abgesehen von diesen Beispielen, darf man auch ruhig Langzeitbrenner wie Call of Duty, Battlefield oder FIFA aufzählen. Alle haben eine über Jahre oder Jahrzehnte gewachsene Community, die zu einem Teil fast ausschließlich eben diese Games zockt. Klar, als Shooter-Fan spiel ich nebenbei vielleicht auch mal FarCry oder Metro, aber wenn meine Freunde online sind, dann spiel ich doch wieder Call of Duty.

Es ist die vertraute Steuerung, das Handling, das man sich über Jahre angeeignet hat, das PES-Spieler lange nicht zu FIFA (ich spiel noch immer mit der Alternate-Steuerung!) wechseln hat lassen oder mich selbst blockiert hat ein anderes MMO außer WoW zu genießen. Genau das ist dieses „nach Hause kommen“. Freunde treffen, sich wohl fühlen und die damit verbundene Empfindung des „erweiterten Wohnzimmers“, das früher Serien wie „Friends“ oder „Full House“ erfüllen mussten. So wie ich mich heute in Bars nicht mehr wohl fühle, wo ausschließlich 20-jährige zu denselben Liedern tanzen, die mich in diesem Alter erfreut haben, wollen wir auch in Spielen mittlerweile neben ein paar neuen Aspekten auch das Vertraute willkommen heißen.

FIFA-controls

„Classic“ bezeichnet die alte FIFA-Steuerung. Mit „Alternate“ wollte man schon vor ein paar Jahren den Umstieg für PES-Spieler vereinfachen.

Spiele sind zu unserem Lifestyle geworden, nicht nur weil wir immer den neuesten Scheiß spielen müssen, sondern auch weil sie langjährige Begleiter unseres Lebens geworden sind, die wir nicht mehr missen möchten. Das fängt mit ein paar Verrückten an, die in meinem Umfeld immer noch regelmäßig Virtua Fighter– oder SoulCalibur-Sessions abhalten oder bei unglaublichen Videos, wo jemand in Minecraft Bender aus Futurama nachbaut.

So, ich gehe jetzt wieder meine Daily-Quests in Hearthstone erledigen. Das gehört zu einem entspannten Abend bei mir mittlerweile dazu.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.