Review: Splatoon Einzelspielermodus

Nintendo macht ein Dreamcast-Spiel.

Kennt ihr das, wenn ihr so sehr in ein Spiel reingesaugt werdet, dass ihr in jeder freien Minute drüber nachdenkt? In der Arbeit neue Strategien überlegt? Vor dem Schlafengehen über mögliche Lösungen für schwierige Passagen sinniert? Splatoon ist so ein Spiel, zumindest für mich – ein risikoreiches, innovatives Spielkonzept, ein Nintendo-Titel, der sich wie ein Sega-Game der Dreamcast-Ära spielt und eine Hommage an 90er-Jahre-Cartoons, an japanische Popkultur und an eine Zeit, als es noch cool war, mit farbigen Spielwelten zu protzen. Und weil uns Nintendos Vorzeigetitel hier so begeistert, teilen wir unser Review zum Spiel in zwei Teile auf. Heute geht’s zuerst mal nur um den Singleplayer-Modus, weil den gibt es in Splatoon nämlich auch.

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Mit Einzelspielerkampagnen in Multiplayerspielen ist das ja oft so eine Sache – mal werden da irgendwie schnell ein paar Missionen zusammengezimmert, mal gibt es nur wenige Challenge-Maps, mal wird der ganze Singleplayer-Modus einfach komplett weggelassen. First things first: Splatoons Einzelspielerkampagne ist gut, sehr gut sogar, und präsentiert sich mit so viel Potential, dass die sieben Stunden, die ich benötigt habe, um den Singleplayer zu beenden, viel zu schnell vergingen. Die Story: Captain Cuttlefish, ein Veteran der Tintenfisch-Armee braucht eure Hilfe um die Truppen der Oktarianer zu überwältigen und den Zapfish, die primäre Energiequelle der Inkling-Welt, zurückzuerobern. Der wurde nämlich von den Oktarianern geklaut. Der Story-Modus persifliert dabei ganz geschickt die ewig gleiche Hintergrundgeschichte von so manchem Wargame: Krieg zwischen Oktopussen und Squids hat es einfach immer gegeben, niemand weiß mehr so ganz genau warum, aber so ist es einfach. Die Hintergrundgeschichte ist damit schnell erzählt und bietet ein paar amüsante Twists und Überraschungen; wie so oft mit Nintendo-Spielen liegt der Fokus aber auf Gameplay vor Story. Und wie auch im Mehrspielermodus ist das Spieldesign an sich innovativ, kurzweilig und in gewissen Abschnitten durchaus herausfordernd. Ein gutes, kompakt durchdachtes Spielerlebnis, das Nintendo da präsentiert.

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LITTLE SQUID PLANET

Möchte man den Splatoon-Einzelspielermodus mit dem eines anderen Spieles vergleichen, dann würde sich konzeptuell wahrscheinlich die Kampagne von Little Big Planet anbieten: In zahlreichen, recht kurzen Levels werden die verschiedenen Spielkonzepte des Titels aus erster Hand demonstriert – vom einfachen Schwimmen in Tinte, über Spezialattacken, bis zum Handling von Wurfgeschossen oder dem Benutzen von Liften, Propellerblöcken und Pipelines zum schnelleren Vorwärtskommen. Spielen tut sich das in etwa wie Super Mario Galaxy mit Paintguns minus den Spielereien mit Schwer- und Antischwerkraft. Sehr gut also. Alle paar Levels wartet auch ein nicht zu schwer zu überwältigender Boss auf die Inkling-Brigade, dessen Design besonders stark von Mario Galaxy oder Zelda beeinflusst zu sein scheint.

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Die Nintendo-Qualität zeigt sich deutlich im Einzelspielermodus von Splatoon, der – wie soll es bei einem AAA-Titel aus dem Hause Big N auch anders sein – schlussendlich mehr Platformer als Shooter ist. Das clevere Spielkonzept des Vorwärtsbewegens durch Tinte in Tintenfischform abwechselnd mit Kampfsequenzen als humanoider Inkling scheint auch die Designer der Singleplayerkampagne durchaus beeinflusst zu haben – innovative Ideen, unterhaltsame Puzzles und spannende Bosskämpfe ziehen sich quer durch den Einzelspielermodus – zu schade also, dass das Ganze dann nach sieben Stunden zu Ende ist. Das ist zwar nicht besonders kurz, trotzdem fehlt nach dem erfolgreichen Beenden der Kampagne der Wiederspielwert des Singleplayers. Unlockables lassen sich zwar finden, Challenge Maps, Time Trial Modi mit Ranglisten oder andere Einzelspielerherausforderungen hätten dem Spiel aber wirklich gut getan und hätten auch sicher in der einen oder anderen Form ohne zuviel Aufwand implementiert werden können – die Challenges, die durch Amiibo freigeschalten werden können, haben wir dabei aber noch nicht ausprobiert.

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FAZIT

Splatoons Einzelspielerkampagne ist Nintendos Dreamcast-Spiel, ein spiritueller Nachfolger von Jet Set Radio gepaart mit Super Mario Galaxy und Little Big Planet. Aufgrund des extremen Unterhaltungswerts ist es dabei umso trauriger, dass langfristige Herausforderungen für Singleplayer einfach fehlen. Vom Potential her könnte der Online-Shooter nämlich auch problemlos eine bombastische Offline-Kampagne bieten. So ganz nur für den Einzelspielermodus zahlt sich der Kauf dabei also nicht wirklich aus, kombiniert mit den anderen Spielmodi liefert Nintendo aber ein extrem überzeugendes Gesamtpaket ab.

Singleplayer-Wertung: 8/10

Alle Screenshots von: http://splatoonus.tumblr.com

Written by: Christoph Sepin

Space Cowboy Bei consol.AT habe ich früher immer versteckte Botschaften in meine Artikel eingebaut, aber das weiß außer mir niemand. Und seit es das nicht mehr gibt, braucht man ja irgendwas anderes zu tun. Für CONTINUE möchte ich mir die kleinen Dinge der Spielewelt ansehen, die manch einer vielleicht übersieht. Die Indies und Kickstarter-Kampagnen. Und ab und zu vielleicht eine positive Geschichte aus der Gamingumgebung. Weil geraunzt wird sowieso schon genug.