Review: Mario Party 10

Nintendo lädt zur ersten Party auf der Wii U ein. Ob Mario und Co. wie wilde Teenager anstoßen und immer noch Freundschaften vernichten oder uns vor dem Bildschirm einschlafen lassen wie der Kaffeekranz mit ungeliebten Verwandten, klärt unser Test.

Legendär, betrunken und laut zum einen; gefürchtet, ermüdend und stillschweigend zum anderen. Die Welten zwischen Parties in der Teenagerzeit und dem Kaffeekranz mit den (un)geliebten Verwandten bei der entfernten Oma könnten nicht weiter auseinander klaffen. So ähnlich sehen einige Fans die Mario Party-Serie: Waren die ersten Teile noch unverzichtbar bei einem Bier unter Freunden, nahm die Freude mit den letzten Ablegern merklich ab. Doch Mario Party 10 einfach in eine der beiden Kategorien zu stecken, wäre zu einfach. Wir nähern uns dieser hoffentlich famosen Feier Stück für Stück!

Die Rahmenbedingungen für einen gelungenen Einstand und zufriedene Gäste stimmen derweil: Wir ergötzen uns an der HD-Grafik, die zwar Kantenglättung misst, uns aber endlich eine Party in Hochglanz bietet. Wie schon bei Super Mario 3D World und Mario Kart 8 setzt Nintendo den gelungenen Grafikstil fort. So verspielt und schön hört sich auch die Soundkulisse an, die uns durch die Spielbretter begleitet, doch spielbedingt nicht mehr als ein surrendes Hintergrundgesäusel darstellt – schade.

Bowser-Mode: Vom Gamepad aus macht der übermächtige Bowser den anderen das Leben schwer.. // Bildrecht: Nintendo

Bowser-Mode: Vom Gamepad aus macht der übermächtige Bowser den anderen das Leben schwer.. // Bildrecht: Nintendo

Gott sei Dank will uns Nintendo diesmal gleich auf mehreren Parties tanzen und dabei über 70 Minispiele ausprobieren lassen: Neben dem bekannten Party-Modus, der wie bereits im letzten Teil in einer gemeinsamen Autofahrt jegliche Schnelligkeit aus dem Spiel und dafür Schläfrigkeit in die Gesichter aller Gäste zaubert, gibt es darüber hinaus einen Bowser- und einen amiibo-Modus. Erster hörte sich schon auf den Einladungskarten von Nintendo schmackhaft an: Als übertrieben übermächtige Überschildkröte jagen wir die restlichen Partygäste und verderben ihnen den Abend. Das gelingt auch gut, denn Bowser kann nicht nur Schummeln, sondern hat es in den Minispielen so leicht, dass die Fete schon vor dem Erreichen des rettenden goldenen Sterns in 8 von 10 Fällen vorbei war. Hier wäre für alle Beteiligten mit einer Auswahl an „Bowser-Stärkegraden“ mehr drin gewesen. Apropos drin sein: Der amiibo-Modus versteht sich als exklusiver VIP-Bereich, der für Normalsterbliche ohne das Sammlerspielzeug den roten Teppich nicht ausrollt und euch den Zugang verwehrt.

Ärgerlich geht es an der Bar, sprich Toads in-game Shop, weiter: Neben nur zwei weiteren Charakteren, ein paar Musikstücken und anderen Accessoires, können keine weiteren Spielbretter freigeschaltet werden, ein Hauch von bezahlbarem DLC liegt in der Luft. Und wenn wir schon von diesem Saftladen und seiner mickrigen Auswahl empört sind, dann merken wir noch schnell an, dass ohne (alte) Wii-Fernbedienungen das Spiel erst gar nicht losgeht. Weder Pro-Controller noch alternative Lösungen von Nintendo werden unterstützt, da viele Minispiele von der Bewegungssteuerung Gebrauch machen. Und auch in diesem Spiel besteht Nintendo auf die physische Anwesenheit aller Gäste, Onlineteilnahmen sind nicht gestattet.

Eines von über 70 Minispielen, die nun leider der pure Zufall auswählt. // Bildrecht: Nintendo

Eines von über 70 Minispielen, die nun leider der pure Zufall auswählt. // Bildrecht: Nintendo

Zu dem großen Minuspunkt des letzten Teils, der lahmen Geschwindigkeit, gesellt sich noch ein anderer Partyschreck: Der Zufall regiert in Mario Party 10. Spieler dürfen nicht mehr eines von drei zuvor ausgewählten Minispielen bestimmen, das übernimmt jetzt das Spiel und entschärft somit den „Freundschaften-zerstör-Faktor“ um ein Vielfaches, da man seinen Mitspielern nicht mehr ungeliebte Minispiele auftischen darf.

Continue-Fazit: Weder hatten wir am Morgen danach Augenränder, noch gingen wir bereits um 20 Uhr in die Federn: Mario Party 10 ist leider nicht die erhoffte Superfete geworden, auf die sich alle seit Wochen gefreut haben. Dennoch hatten wir Spaß mit den Minispielen und den ausgefallenen Spielbrettern. Diese sind aber leider noch zu rar, der Bowser-Modus ist aufgrund der zu starken Schildkröte nur eine nette Dreingabe und der Ansatz „weniger Können, mehr Zufall“ gefällt uns gar nicht.

Gemäß des mir auferlegten roten Fadens rund um die Partygeschichten und dieses Spiel, beschreibe ich die Ausgangslage von Mario Party 10 wahlweise als einen achtzehnjährigen Geburtstag mit alkoholfreien Getränken bzw. einem Kaffeetrinken mit den Verwandten samt Alko-Pops. Beides hört sich strange an, wird vermutlich nicht all zu lustig enden, aber vorbeischauen werde ich in jedem Fall!

WERTUNG: 6/10


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Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.