Review: Kirby und der Regenbogen-Pinsel

Der rosa Vielfraß ist zurück! Diesmal zügelt er zwar seinen Appetit, reizt dafür aber euer Gamepad bis zum letzten (geschwungenen) Pinselstrich aus. Ob das in Knet-Optik gehüllte Abenteuer begeistern kann, klärt unser Test.

Kirby, wer kennt ihn nicht? Gegner aufsaugen und ausspucken, Fähigkeiten klauen und davonfliegen. Dass der rosa Wonneproppen aber auch ganz andere Qualitäten besitzt, davon will uns sein neuestes Abenteuer Kirby und der Regenbogen-Pinsel überzeugen. Anstatt mit Sticks und Knöpfen, steuert ihr Kirby ausschließlich per Stift auf dem Touchscreen des Wii U-Gamepads. Klingt nach (3)DS-adaptiertem Spielkonzept, um Nintendos Sorgenkind mehr Titel unterzujubeln. Ganz abwegig ist das nicht, denn bereits vor zehn Jahren erschien mit Kirby Power-Malpinsel ein verblüffend ähnlicher Titel. Doch geben wir der Wii U-Interpretation erstmal eine Chance!

Disc eingelegt, Konsole angeworfen, Stift gezückt: Die Knetoptik erweicht mein Herz. Knallige Farben und wie von Hand geformte Gegner, Stricke und Plattformen bringen längst vergessene Erinnerungen mit Play-Doh aus dem Kindergarten zurück. So konnte ich mich auch gar nicht am Fernseher sattsehen, musste dennoch den Blick auf das Gamepad lenken, da das Spiel selbst im Menü jegliche Knopfeingaben ignoriert. Ärgerlich, denn der Touchscreen hinkt bezüglich der Farbbrillanz schon deutlich aktuellen Fernsehern hinterher. Fortan schwenkte mein Kopf hin und her, letztlich drehte ich die Glotze jedoch ab, um mich vollends auf das Gameplay zu konzentrieren, das große leuchtende Display im Hintergrund störte nur noch.

Mithilfe des Pinsels (und einem Schub) durchbrecht ihr Mauern und stürzt euch auf die Feinde. // Quelle: Nintendo

Mithilfe des Pinsels (und einem Schub) durchbrecht ihr Mauern und stürzt euch auf die Feinde. // Quelle: Nintendo

Schwungvoll weiter

Dann war es geschehen, ich verlor mich im Spiel. Mithilfe des Touchpens zeichne ich Kirby Seile, um Abgründe zu überwinden und Münzen einzusammeln. Das funktioniert äußerst präzise und macht einen Heidenspaß, da ich ganz allein über die Form entscheide: Strikte Gerade oder verdrehter Strick? Je nach Szenario und Sammelwut einen oder mehrere Kreise, Kirby bahnt sich schon den Weg, da die Pinselstriche ihm kontinuierlich Anschwung geben. Mit einem Klick auf unseren Protagonisten legt er außerdem einen Gang zu und räumt Gegner aus dem Weg oder befreit selbigen mit einem gehörigen Rumms von Blockaden. Doch der Pinsel kann noch mehr: Mit weiteren Pinselstrichen oder einem clever geführtes Seil, schirmt ihr Feinde direkt ab und bewahrt die vier Lebensbalken des rosa Helden.

Ein Spaziergang ist Kirby und der Regenbogen-Pinsel glücklicherweise nicht geworden, der Schwierigkeitsgrad zieht ab der dritten Welt spürbar an und verwandelt das Spiel in einen teilweise fordernden Plattformer. So kam es nicht selten vor, dass ich lautstark schnelle Passagen mehrmals durchlaufen musste, um endlich mit der Ausbeute zufrieden zu sein oder das Level überhaupt zu meistern. Hilfreich ist vor allem eure Sammelwut, denn neben Lebensenergie und weiteren Level-Ups, solltet ihr euch auf die Münzen stürzen. Gemäß dem Motto: Je mehr, desto besser! Kirby schaltet ab 100 Münzen einen Boost frei, der ihn kurzzeitig unverwundbar macht und alles ihm in dem Weg stehende rasant umhaut. Damit gelangt ihr an sonst unerreichbare Levelpassagen, wie etwa hinter Steinen geschützte Truhen, die zwar nur nebensächlichen Sammelkram beinhalten, aber niemals von mir ausgelassen werden könnten.

Willkommene Abwechslung

Die insgesamt 28 Level, die erfreulich lang ausfallen, teilen sich auf sieben Welten auf, die einiges an Abwechslung bieten: Klassisch im Grünen, schnellend unter Wasser, luftig über den Wolken oder in beengten Dungeons. Dazu gesellen sich immer wieder Bosskämpfe, die zwar nach dem selben Schema (treffe den Gegner im Sprint) ablaufen, aber euch durch ihre Gestaltung einiges abverlangen. Nachdem ihr den starren Stumpf Stumpf (Baum-Bossgegner) locker bezwungen habt, folgen bewegliche und sich besser verteidigende Gegner, die an mehreren Stellen getroffen werden müssen. An den Schwierigkeitsgrad einiger Levelabschnitte kommen sie zwar nicht heran, ein gutes Gefühl, sie endlich besiegt zu haben, entfaltet sich aber dennoch. Genießt diese Momente, denn nach einer Spielzeit von sechs Stunden lief bei mir der Abspann auf dem Gamepad; eine mehr als akzeptable Dauer für das Gebotene, bei Kirby Triple Deluxe für den 3DS war auch nicht mehr drin.

Auch wenn Kirby in diesem Spiel niemanden zum Fressen gern hat, dürfen sich Spieler auf (leider nur) drei Verwandlungen freuen: Als Panzer, Rakete oder U-Boot steuert ihr durch die Level, welche dadurch die auferlegte Seil-Mechanik kurzerhand über Bord werfen und das Gameplay noch weiter auffrischen.

Continue-Fazit: Endlich ein Spiel, das den Touchscreen ausreizt, doch dabei ein Problem aufwirft: Es macht den Fernseher für Solisten überflüssig, das sperrige Gamepad liegt zudem schlechter als ein 3DS in der Hand. Trotz des Mankos sorgt das knuffige Knet-Abenteuer mit dem höheren Schwierigkeitsgrad für abwechslungsreiche Stunden, die euch dank des geforderten Multitasking einiges abverlangen.

WERTUNG: 7.5/10


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Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.