Review: Helldivers

Es ist 2015 und anstatt mit einer VR-Brille auf dem Kopf in der Matrix fotorealistische Abenteuer zu erleben, verbringe ich meine Zeit mit einem Twinstick-Shooter. „Alles falsch gemacht!“ würde ich normalerweise sagen, aber Helldivers macht dann doch sehr viel richtig.

Gastautor: Fatih Olcaydu

Helldivers funktioniert wie jeder andere Top-Down-Shooter und im Großen und Ganzen besteht das Spiel aus kurzen Missionen, in denen ihr unzählige Gegner mit den Zielfertigkeiten eures rechten Daumens ins virtuelle Nirwana befördert. Twinstick-Shooter eben. Was Helldivers allerdings stark von der Konkurrenz abhebt, ist die Vielzahl an coolen Ideen. Angefangen von dem Warhammer-40k- und Starship-Troopers-inspiriertem humorvollen Setting, bis hin zu den Details im Gameplay, hat sich Entwickler Arrowhead sichtbar viel Mühe gegeben.

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Schnelle Charakterbewegung und nahezu unbegrenzte Munition weichen einer beinahe trägen Spielfigur und einer immerzu bedrohlichen Munitionsknappheit. Um Gegner herumlaufen und mit Blei voll pumpen funktioniert nicht, weil ihr mit angelegter Waffe nur noch im Schneckentempo vorankommt oder gleich ganz stehen bleibt. Eine herannahende Patrouille unter einem Kugelhagel zu begraben funktioniert auch nur bedingt, wenn das Magazin nur sechs Schuss fasst und das Nachladen eine gefühlte Ewigkeit dauert. Im Tutorial heißt es, jeder Schuss zählt und in wenigen Spielen ist das so wahr wie in Helldivers. Hier kommt der Tod oft, schnell und lässt euch in den meisten Fällen vor dem Ableben noch etwas leiden. Wer wild um sich ballert, kommt nicht weit, was den Scharmützeln Tiefgang verleiht.

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Obwohl die Vielzahl an Waffen und Massen an Gegnern den Action-Part des Spiels betonen, könnt ihr euch nach den vorherigen Worten bereits denken, dass taktisches Vorgehen eine wichtige Rolle spielt. Seid ihr einmal auf einem Planeten gelandet, könnt ihr per TouchPad euer Radar aufrufen und in der Nähe befindliche Patrouillen aufspüren. Ob ihr sie umgeht oder den direkten Kampf aufnehmt ist euch überlassen, aber ihr solltet auf alle Fälle schnell sein, denn beim kleinsten Fehler wird Alarm ausgelöst und es ist Schluss mit lustig. Um dem folgendem Ansturm an Gegnern etwas entgegen halten zu können und das Spielgeschehen etwas mannigfaltiger zu gestalten, stehen euch sogenannte „Stratagems“ zur Verfügung. Diese orbitalen „Nachschub-Drops“ werden per Tastenkombination auf dem DigiPad abgerufen und können neben zusätzlichen Waffen, automatischen Geschützen und Jet Packs, allerlei anderes Kriegsspielzeug enthalten. Leider stehen diese Überwaffen während einer Mission aber nur in begrenzter Zahl zur Verfügung, aber sonst wär es auch zu einfach.

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Zahlreiche Power-Ups, eine Fülle an feindlichen Einheiten und die Ungewissheit, wie sich die nächste Mission entwickeln wird, halten einiges an Spielspaß für Einzelspieler parat. Allerdings nutzen sich die immer gleichen Missionsziele mit der Zeit ab. Zum Glück ist Helldivers als Multiplayerspiel konzipiert und wirkt so dem Untergang der Motivation entgegen. Mit drei weiteren Helldivers wird jede Mission zu einer Art kontrolliertem Chaos. Die zusätzliche Feuerkraft eines Helldiver-Teams birgt den Nachteil, dass es leichter entdeckt werden kann. Hier lässt das Wechselspiel aus Action und Strategie seine Muskel spielen und ein hohes Maß an Kooperation ist überlebenswichtig. Jeder Fehler eines Teamkameraden kann schnell zum Scheitern einer Mission führen und die Tatsache, dass Friendly Fire zum Helldiver-Alltag gehört, macht das ganze Vorhaben um einiges herausfordernder beziehungsweise unterhaltsamer. Es ist nämlich nur schwer seine Schadenfreude zu unterdrücken, wenn ein Kollege aus versehen von einem herabfallenden Nachschubcontainer erschlagen wird. Das macht Helldivers zu einem der Titel, in der jede Multiplayerrunde seine eigene Geschichte schreibt und man sich mit Freunden auch nach einiger Zeit an das eine Mal erinnern wird, als man eine scheinbar gescheiterte Mission, dann doch noch überlebt hat.

Alle Bilder: playstation.com

Alle Bilder: playstation.com

Macht Helldivers Spaß? Ja. Im Multiplayer? Auf jeden! Im Singleplayer? Ja, aber wahrscheinlich nicht ganz so lang. Soll man die knapp 21 Euro investieren? Ja, speziell wenn man drei weitere Helldiver hat oder auch mal gerne bei Fremden ins Spiel einsteigt. Und was wenn nicht? Dann wartet man auf eine Preisreduktion und investiert das Geld lieber in einen aktuellen Singleplayer-Titel wie Ori (andere Plattform)Zumindest würde ich es so machen. Peace out.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.