Review: Code Name S.T.E.A.M.

Abraham Lincoln täuscht seinen eigenen Tod vor, um mit einer Armee gegen Aliens in den Kampf zu ziehen? Der feige Löwe aus der Welt von Oz ist mit an Board? Die Queen vom Vereinigten Königreich benötigt eure Hilfe? Ob jemals wieder ein Spiel den neuen Steampunk-Hit Code Name S.T.E.A.M. an Verrücktheit übertreffen kann, verraten wir euch in unserem Test!

Zugegeben, es klingt ein wenig verrückt. Eine Team aus Spezialagenten mit Abe Lincoln als Anführer? Aber hey, wer hat schon Lust auf immer wieder aufgewärmte 08/15-Geschichten? Noch dazu wird man ans Ende des 19. Jahrhunderts versetzt, in die Zeit, als der technische Fortschritt so richtig zu rollen begann. Luftschiffe, Telekommunikationsgeräte oder auch Waffen werden von nun an mit Dampf betrieben. Ein Setting, welches man auch nicht allzu oft in Videospielen antrifft. Optisch ist das Spiel im Steampunk-Stil gehalten und hat auch Einflüsse aus der Comicwelt. Die Story wird dabei in kurzen „Comic-Panels“ erzählt und auch Dialoge erinnern mit Sprechblasen und eigenwilliger Charakterinszenierung stark daran. Ausgefallener kann ein Spiel doch gar nicht sein! Aber jetzt mal ehrlich: Um was geht es in Code Name S.T.E.A.M. denn überhaupt?

Abraham Lincoln ist in Code Name: S.T.E.A.M. euer Vorgesetzter

Mal schön Dampf ablassen

Ihr findet euch im schönen London des 19. Jahrhunderts wider. Eisenbahnen fahren über den Bildschirm, Luftschiffe knattern durch den Himmel, kurzum: man hat die Kraft des Dampfes entdeckt! Und es gibt ein bombastisches Ereignis zu feiern: Die Eröffnung der Steamgate-Bridge steht kurz bevor. Nach einer kurzen Ansprache kommt auch schon Henry Fleming, einer der von euch gespielten Spezialagenten, ins Bild. Zeit für seinen Lebenslauf bleibt keine, denn wie aus dem Nichts greifen euch plötzlich Aliens an. Und so beginnt eure Mission.

Vorsicht ist geboten: Ein falscher Schritt könnte euer Ende bedeuten!

Ihr werden in abwechslungsreiche, rundenbasierte Missionen geworfen, die euer strategisches Geschick erfordern. Das Spielfeld ist in quadratische Kästchen aufgeteilt, auf denen ihr euch frei bewegen könnt. Der Clou dabei ist, dass der verfügbare Dampf in eurem Behältnis die Reichweite eures Bewegungsradius bestimmt. Geht euch der Dampf aus, müsst ihr die Runde beenden. Feuert ihr einen Schuss aus eurer Waffe aus, wird ebenfalls Dampf verbraucht. Habt ihr nicht genügend Dampf für einen Schuss, so seid ihr dem Gegenangriff der Aliens ausgeliefert, die natürlich auch am selben Spielfeld verweilen. Euer Bestreben ist es, den Zielbereich mit einem eurer Charaktere zu erreichen und den Aliens entweder den Garaus zu machen oder zu entkommen.

Kommt euch alles bekannt vor? Klar, denn das Spiel wurde von Intelligent Systems entwickelt, die sich bereits für die Fire Emblem und Advance Wars Reihe verantwortlich zeigen. Dieses Mal nehmen sie jedoch einen etwas anderen Ansatz: Es gibt keine Übersichtskarte. Ihr erlebt das Spiel aus der over-the-shoulder Perspektive, wie auch im echten Leben. Ihr habt somit nur auf die Bereiche des Gebietes Einsicht, welche vor eurer Nase in den Himmel ragen. Seid ihr anfangs noch alleine unterwegs, gesellen sich in jedem Level neue Kämpfer zu euch. Darunter befinden sich schrille Figuren, wie z.B. der feige Löwe aus Oz oder auch Tiger Lily aus der Peter Pan Geschichte. Bis zu vier der insgesamt zwölf Charaktere dürfen gleichzeitig an einer Mission teilnehmen. Dabei habt ihr Zugriff auf die unterschiedlichsten Fähigkeiten der einzelnen Kämpfer und könnt so euer ultimatives Agententeam zusammenstellen. So werdet ihr beispielsweise mit Henry durchschlagende Schüsse abgeben, anderseits mit einem Ramm-Sprung des feigen Löwen den Aliens so richtig ein’s auf die Zwölf geben! Zusätzlich geben euch Sekundärwaffen die Möglichkeit für weniger Dampf-Verbrauch den womöglich rettenden Schuss abzugeben. Sollte dennoch alle Hoffnung bereits verloren sein, könnt ihr einmal pro Abschnitt mit eurer Spezialattacke eventuell doch noch das Ruder rumreißen.

Mit einem Spezialangriff könnt ihr so richtig austeilen!

Mit einem Spezialangriff könnt ihr so richtig austeilen!

Mehr Daaaaaampf!

Das Kampfgeschehen selbst teilt sich in zwei Phasen auf: die Angriffsphase und die Verteidigungsphase. Offensive ist nicht immer der Schlüssel zum Erfolg, denn die Aliens sind euch zumeist numerisch überlegen. Somit solltet ihr immer ein Auge auf den Dampf-Behälter haben, um notfalls einen Verteidigungsschuss abgegeben zu können. Befindet ihr euch im Verteidigungsmodus und der aufgesparter Dampf-Vorrat reicht für einen Schuss, wird dieser auf den Alien abgefeuert. Selbiges gilt natürlich auch umgekehrt. Nur weil ihr euch in der Angriffsphase befindet, heißt dass nicht, dass ihr gefahrlos herumspazieren könnt. Gewisse Aliens können euch einen paralysierenden, wenn nicht tödlichen Schuss abgeben, wenn ihr ihnen ins Blickfeld lauft. Seid also immer auf der Hut, wenn ihr euren Angriff plant! Der Dampf-Vorrat wir dann nach jeder Runde–also wenn alle Charaktere und Aliens ihre Züge beendet haben–wieder aufgefüllt. Ihr findet über das Gebiet jedoch auch Panels verteilt, die euch nicht nur einen Strategie-Tipp geben, sondern auch gleichzeitig euren Dampf-Vorrat wieder auffüllen. Selbiges tun übrigens auch Dampf-Kartuschen, die sich in Kisten finden lassen, nachdem ihr diese zerstört, genau so wie kleine Energie-Boosts.

Ihr findet auch Speichersäulen vor, die genutzt werden können, um einen einmaligen Checkpoint zu setzen. Gleichzeitig könnt ihr an der Säule für Goldmünzen auch euren Charakter sowohl mit Dampf als auch Energie auffüllen. Für ein paar Dollar mehr sogar das ganze Team. Damit ist es nicht ganz so tragisch, wenn man im weiteren Verlauf einen verheerenden Fehler macht–vorausgesetzt, man steckt nicht schon beim Speichern knietief im Schlamassel! Hier kann euch eine ausgewogene Teamkonstellation helfen. Tiger Lily nimmt beispielsweise die Rolle einer Heilerin ein, indem ihr Heil-Bomben über das Spielfeld katapultieren könnt oder ihr teilt mit dem Blechmann euren Dampf mit anderen Charakteren. Ihr solltet auch acht geben, wenn ihr an Zahnrädern vorbeikommt. Davon sind je drei über die beiden Abschnitte eines Levels verteilt und können zum Freischalten neuer Boiler verwendet werden. Je mehr Dampf desto besser!

Speicherpunkte können manchmal Fehler verzeihen

Fazit

Code Name S.T.E.A.M. ist ein wunderbares Beispiel für belohntes Risiko seitens Nintendo. Eine neue IP hat es immer schwerer als ein weiterer Super Mario-Ableger, jedoch kann Intelligent Systems neuestes Taktik-Spiel überzeugen. Strategen werden ihren Meister in dem Spiel finden, wenn spätere Level einem einiges Abfordern und auch Quereinsteiger werden sich gleich zurecht finden. Das Art-Design ist ausgefallen, die Charaktere könnten unterschiedlicher nicht sein und wenn auch die Story nicht unbedingt Oscar-verdächtig ist, so wird man doch einige Stunden genüsslich unterhalten. Der amiibo Support ist ebenfalls mit an Board, diesen konnten wir aufgrund der fehlenden Verfügbarkeit der Fire Emblem amiibo Figuren jedoch leider nicht testen. Alles in allem passt das Paket von Nintendos neuer IP. Code Name S.T.E.A.M. – mit Volldampf voraus!

WERTUNG: 8/10


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at