Review: Battlefield 1

Videospiel-Umsetzungen von Kriegsszenarien gibt es wie Sand am Meer. Kann Battlefield 1 aus der Masse herausstechen?

Zugegeben, die Battlefield-Reihe war in den letzten Jahren nicht unbedingt berühmt für die Qualität der Singleplayer-Kampagnen. Anders hingegen sah es beim Mehrspieler-Modus aus, welcher die Spielerschaft durch die Reihen begeistern und über Jahre hinweg an der Stange halten konnte. Nun ist es an der Zeit für ein neues altes Kapitel in der Geschichte: wir müssen uns wieder mal dem Ersten Weltkrieg widmen.

Krieg ist nie schön. Aber grafisch kann dieser sich sehen lassen.

Krieg ist nie schön. Aber grafisch kann dieser sich sehen lassen.

Viele werden jetzt sicherlich raunen und das Argument bringen, dass sich diese Szenarien, egal welcher Weltkrieg, bereits abgelutscht haben und es nichts mehr Neues gibt. Nun, gegen dieses Argument ist schwer etwas zu entgegnen, dennoch hat Battlefield 1 ein paar gute Kniffe parat. Allen voran gibt es nichts frustrierenderes, als an einer Stelle zu hängen, nicht weiter zu kommen und das Spiel in der Ecke verstauben zu lassen. Dieser Frust war gestern, denn durch die fünf verschiedenen Abschnitte (inklusive Einführung sind es gar sechs) lässt es sich jederzeit an einem anderen Story-Strang weiterspielen, wenn einem mal nach etwas Anderem ist. Die Abschnitte „Stahlgewitter“, „Durch Morast und Blut“, „Einflussreiche Freunde“, „Avanti Savoia!“, „Der Meldegänger“ und „Nichts steht geschrieben“ könnten dabei nicht unterschiedlicher sein. Einerseits steht immer ein anderer Charakter im Fokus und auch das Setting unterscheidet sich komplett von den anderen.

In Battlefield 1 erwarten euch harte, knackige Kontrahenten.

In Battlefield 1 erwarten euch harte, knackige Kontrahenten.

Am interessantesten daran fand ich die Möglichkeit, die Geschichte mit Lawrence von Arabien zu erleben, den viele sicherlich aus den Geschichtsbüchern oder dem Kinofilm kennen. Somit spielt das Geschehen in diesem Abschnitt in der Wüste und ihr könnt auf Pferden reiten und jede Menge anderer Utensilien nutzen, als ihr dies beispielsweise in den üblichen Kriegsschauplätzen tun könnt. An anderen Orten ist es jedoch von Nöten, mal im Panzer rum zu tuckern und den gegnerischen Geschützen den Garaus zu machen oder Kollegen den Weg zu ebnen. Die einzelnen Geschichten werden dabei sehr cineastisch erzählt und sind richtig gut integriert. Auch wenn es manchmal etwas überzeichnet wirkt und das CGI etwas fremd scheint, so ist es doch ein Pluspunkt auf der Liste von Battlefield 1. Was die Waffenvielfalt angeht, darf man sich über das gesamte Repertoire des Ersten Weltkriegs freuen und hat definitiv mehr Auswahl und Abwechslung, als noch in Battlefield 4.

Die unterschiedlichen Settings sind abwechslungsreich und sorgen für Langzeitmotivation.

Die unterschiedlichen Settings sind abwechslungsreich und sorgen für Langzeitmotivation.

Auch das dynamische Wetter lassen das Spiel wie kein anderes wirken. Zumindest, wenn man sich mit Freunden vergleicht oder das Spiel mehrmals durchspielt. Selbiges gilt jedoch auf für den Multiplayer-Modus, der nach der 6- bis 8-stündigen Kampagne wohl das Herzstück und auf lange Sicht ausschlaggebende Kaufargument von Battlefield 1 ist. In diesem schnellen und dennoch taktischen Modus sind eure besten Reaktionen gefragt. Das umschlagende Wetter kann das Ende der Schlacht jederzeit beeinflussen und auch den Sieg bringen oder auch kosten. Damit die Schlacht zu Boden nicht langweilig wird, gibt es auch so genannte Fahrzeug-Klassen, die euch in einen Panzer oder auch in ein Flugzeug setzen. Aber auch hier gilt: nur weil es augenscheinlich mächtiger wirkt, seid ihr nicht unverwundbar. Mit geschickten Teamwork werdet ihr auch mit diesen Klassen ins Schwitzen kommen.

Fazit

Battlefield 1 ist ein zweischneidiges Schwert für mich. Einerseits habe ich durch den wirklich knackig schweren Singleplayer-Modus neue graue Haare bekommen, andererseits war ich natürlich mit der falschen Taktik selbst schuld. Aber der Frustkiller war eben die Kapitelauswahl, welche mich in wenigen Augenblicken an einen anderen Schauplatz brachte und ich ein neues, frisches Szenario spielen konnte, ohne unzählige Male an der selben Stelle zu scheitern. Ob das geteilte Story-Erlebnis ein gutes ist? Für mich schon, da man hier mehrere kleine Story-Häppchen unterschiedlicher Charaktere genießen kann und man sich danach ohnehin im Multiplayer-Modus rumtreibt. Und der überzeugt mal wieder auf klarer Linie. Ergo: auch wenn Krieg nicht schön ist, Battlefield 1 ist es.

WERTUNG: 9/10

Wir bedanken uns bei EA für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at