Review: Axiom Verge

Auf den Spuren von Samus Aran. Lange ist es her, als ich das letzte Mal ein 2D-Metroid Spiel genießen durfte. Nintendo schenkt spätestens seit dem Nintendo DS Handheld-Ablegern ihrer Franchises keine 2D Umsetzungen mehr und setzt alle Hoffnungen in die dritte Dimension.

Zugegeben, Metroid Prime auf dem Nintendo GameCube war das erste Space-Abenteuer von Kopfgeldjägerin Samus Aran in 3D und unbestritten eines der besten Spiele, die jemals gemacht wurden. Zeitgleich erschien mit Metroid Fusion auch für den GameBoy Advance ein 2D Ableger der Serie. Zwei neue Metroid Spiele an einem Tag? Ja! Mir geht noch immer einer ab. Aber das ist lange her. So lange, dass man sich gar nicht mehr erinnern kann, wie genial die Spiele eigentlich waren. Danach kam 2004 nur noch das Ur-Remake Metroid: Zero Mission und dann war Schluss mit Sidescrollern.

Beinahe hätte ich allen Glauben an die Rückkehr eines solchen versickern lassen, doch dann erschien Axiom Verge. Entwickelt von lediglich einer einzigen Person siedelt sich dieses in einer düsteren Story auf einem Alien-Planeten an. Ihr spielt Trace, einen Forscher, der nach einer Explosion seines Laboratoriums in dieser neuen Welt erwacht und sich an nichts erinnern kann. Euer einziger Anhaltspunkt ist eine Stimme, die telepathisch Kontakt zu euch aufnimmt. Ihr entschließt euch, den Ursprung der Stimme zu finden und seid bereits mitten im Abenteuer, bevor ihr „Awesome!“ sagen könnt.

Nostalgie in 2D. Wow. Much beauty. Such awesome.

Nostalgie in 2D. Wow. Much beauty. Such awesome.

Axiom Verge spielt sich, so wie sich jeder Sidescroller spielen sollte: Perfekt! Ihr bewegt euch durch mehr als 900 einzigartige Räume, verteilt über neun verschiedene Welten. Anfangs noch sehr spärlich ausgerüstet, findet ihr nach und nach neue Waffen und Upgrades, die euch ermöglichen, neue Bereiche zu erkunden. Dabei gibt es einen großen Unterschied zur Metroid Serie: Türen im Spiel sind nicht versperrt und müssen nicht erst mit neuen Waffen geöffnet werden, sonder sind immer frei zugänglich. Die Waffen, die ihr im Spiel findet–und davon gibt es eine Menge!–, variieren lediglich in Stärke und Effekt. So gibt es nicht nur Laser- und Elektroschock-Waffen, sondern auch welche, die Gegner einfrieren oder automatisch anvisieren. Kommt ihr in einem Abschnitt mal nicht voran, liegt es daran, dass ihr noch nicht im Besitz den nötigen Anzug-Upgrades seid. Mehr Sprunghöhe, durch Wände beamen, ein steuerbares Roboter-Geschoss? Alles irgendwo gefinkelt versteckt!

Die neun Welten sind alle in einem eigenen Stil gehalten und mit einem tollen Soundtrack unterlegt.

Die neun Welten sind alle in einem eigenen Stil gehalten und mit einem tollen Soundtrack unterlegt.

Nicht nur die Suche macht Spaß, sondern auch das Backtracking. Ihr werdet immer wieder an altbekannte Orte zurückkehren, die euch plötzlich neue Wege bieten, auf denen ihr eure Gesundheit steigern könnt oder auch Log, die mehr Informationen zur Story bieten. Und da wären dann noch die Zwischenbosse. Monumental und furchteinflößend, jedoch immer mit einem Schwachpunkt, den es zu finden gilt. Natürlich brauch man auch die nötige Portion Geschick und Taktik, um bestehen zu können. Kein Boss ist leicht, aber gleichzeitig auch keiner unfair! Das Spiel ist fordernd und geht in eine Richtung, die andere Spiele in den letzten Jahren verfehlt haben: Nein, ihr könnt dieses Level nicht auto-spielen lassen und nein, ihr könnt jetzt auch kein Kapitel überspringen. D’oh!

Den einzigen Kritikpunkt, den ich an Axiom Verge ranlasse, ist das fehlende Guiding. Ihr wisst zu keinen Zeitpunkt des Spiels, wo ihr hinmüsst. Ihr bekommt manchmal zwar gesagt, dass ihr jemanden aufsuchen müsst, aber wo oder in welcher der neun Welten das ist, bleibt euch verschwiegen. So kann es durchaus sein, dass ihr einen neuen Weg überseht und mal nicht weiterkommt, was durchaus frustrierend sein kann. Aber abgesehen davon ist alles über das geschickte Lesen und Interpretieren der Karte herauszufinden.

Bosskämpfe fordern euch bis auf die Knochen. Außer ihr kennt Schwachpunkt und habt das nötige Geschick für den Kampf!

Bosskämpfe fordern euch bis auf die Knochen. Außer ihr kennt Schwachpunkt und habt das nötige Geschick für den Kampf!

Die einzelnen Welten sind mit einem angenehm passenden Soundtrack untermalt, der euch nur noch tiefer ins Spiel hineinzieht. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Axiom Verge ein Ein-Mann-Projekt ist. Tom Happ nennt sich der Gute und war bereits einige Jahre in der Gaming Branche tätig. Axiom Verge befand sich als Teilzeit-Hobby-Projekt insgesamt fünf Jahre in Entwicklung und ist letztendlich vor Kurzem für PS4, PS Vita, sowie PC/Mac/Linux erschienen.

FAZIT:

Zusammenfassend, nach beinahe zwölf Stunden Spielzeit, kann ich nur meine wärmste Empfehlung für diesen Titel aussprechen. Jeder, der Metroid mag, wird dieses Spiel lieben. Jeder, der nur ein bisschen was mit Sci-Fi und Exploring anfangen kann, sollte unbedingt mal reinschmökern. Das Gesamtpaket, das euch erwartet ist vollgepackt mit mysteriöser Story, eingehendem Soundtrack, ausgefallenen Welten und vielen Stunden Unterhaltung. Über ganz kleine Makel kann man hinwegsehen, jedenfalls senken diese keinesfalls den Spielspaß. Haltet euch fest: Axiom Verge ist mein potentielles Game of the Year!

WERTUNG: 9.5/10

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at