Retro-Review: Majesty

Krank sein ist scheiße, seien wir uns ehrlich. Was es allerdings schon fast wieder erträglich macht, sind die guten alten Spiele aus der Jugendzeit. Kommt mit mir in eine Strategiewelt, in der es keine Steuerung gibt. HÄ?!

Krankenstand. Ein Wort, das gleichzeitig fröhlich und deprimiert stimmt. Fröhlich, weil man nicht morgens aufstehen und sich auf den Weg zur Arbeit schleppen muss. Deprimiert, weil man das nicht mal könnte, wenn man wollte. Husten, der klingt wie die Posaunen zur Apokalypse. Schnupfen, der Dinge aus den Nasenhöhlen zum Vorschein bringt, die man als Kind im Sandkasten dort versteckt hat. Fieber, dessen Temperaturen sich mit denen im Pizzabackofen messen wollen. Kurz gesagt: Man ist eigentlich sogar zu kaputt, um sich länger als zwei Sekunden auf ein einzelnes Ding zu konzentrieren. Insofern fällt sogar das Zocken meistens kurz aus – neue Inhalte verlangen doch eine gewisse Konzentration von unseren grauen Zellen. Gut, dass es für solche Situationen Spieleklassiker gibt, deren Bedienung schon intuitiv abläuft und daher auch in solchen Zuständen gespielt werden kann. Mein Liebling dafür? Majesty.

 Your Majesty, the treasury is nearly empty!

Majesty ist ein Vertreter eines Genres, das zwar schon glanzvollere Zeiten erlebt hat, aber immer noch – gerade auf PC-Gamer – einen wunderbaren Reiz ausübt: Strategiespiele. Muss man nicht großartig erklären, oder? In meist isometrischer Perspektive werden Heere und Siedlungen gebaut, epische Schlachten geschlagen und dazu viel virtuelles Geld und Rohstoffe verdient – um die Schlachten noch epischer zu machen, versteht sich.

Ein schönes Schloss, ein paar Gebäude herum - so sieht die perfekte Siedlung aus. //Screenshot durch den Autor

Ein schönes Schloss, ein paar Gebäude herum – so sieht die perfekte Siedlung aus. //Screenshot durch den Autor

Warum bekommt Majesty also eine Sonderstellung? Was macht es so anders, das mich nach vierzehn Jahren immer noch zu diesem Spiel zurückkommen lässt? Es ist ein einfacher sowie genialer Kniff: Bei jedem anderem Strategiespiel könnt ihr euren Einheiten direkte Befehle erteilen. In Majesty könnt ihr die Helden maximal bitten und ihnen Geld anbieten. Direkt an einen Punkt auf der Map schicken? Keine Chance. Bietet eine Goldsumme an, und wenn ein zum Erforschen geneigter Waldläufer sich gerade bemüßigt fühlt, wird er den Winkel auskundschaften. Ein riesiger Zyklop stapft auf einen Außenposten zu? Nun, wenn nicht gerade kampflustige Chaoskrieger in der Gegend sind, lobt ihr besser ein verdammt großes Kopfgeld auf das Vieh aus, damit eure Krieger auch einen Anreiz haben, dem Polyphem das Fürchten zu lehren.

 Unterschiede machen das Leben schön

Es ist nämlich so: Nicht jeder eurer Helden wird sich gleichermaßen zu den Aufgaben berufen fühlen, die ihr ihnen stellt. Während Waldläufer wie erwähnt die eher erkundungsfreudigeren Helden sind, sind Diebe feige und stehlen alles – auch von euren eigenen Geldquellen wie Marktplätzen. Paladine sind hingegen arschteuer, aber dafür auch beinahe ungeschlagen im Kampf, und Totenbeschwörerinnen sind … nun, ein wenig beängstigend, aber mit ihren beschworenen Skeletten auch verdammt praktisch. Insgesamt gibt’s in den verschiedensten Gilden um die zwanzig unterschiedliche Helden anzuwerben, jeder und jede mit eigenen Charakteristika und Verhalten. Wichtig an dem ganzen System des Nicht-direkt-Steuerns ist nämlich, dass die Untergebenen eine für die damalige Zeit verdammt gute KI mitbringen. So lässt sich doch gut vorausplanen, was die Jungs und Mädels denn tun werden – vor allem, wenn Geld im Spiel ist.

 Ein missachtetes Juwel – bitte hochpolieren

Trotz all diesen innovativen Kniffen, die in Majesty so untergebracht sind, wurde es vom vielbesagten Mainstream der Gamer leider auf der Seite gelassen. Genaue Verkaufszahlen aus dieser antiken Zeit (1999) sind schwer zu bekommen, viel mehr als ein paar Hunderttausend Exemplare dürften aber nicht den Besitzer gewechselt haben – auch das Expansion Pack (heute würde man DLC sagen) namens The Northern Expansion riss verkaufstechnisch nicht gerade Bäume aus. Insofern ist es erstaunlich, dass sich immer wieder Publisher und Studios an Nachfolgern und Portierungen versucht haben. Während Majesty 2 zuerst von einem anderen Studio nur für den PC entwickelt wurde, gab es auf einmal auch Versuche für einen Wechsel auf die Xbox 360 und Nintendo DS – leider auch hier ohne große Krönung von Erfolg. Der bisher letzte Versuch war eine eigene App für iOS und Android – wieder auf beiden Plattformen mit vergleichsweise mäßigen Verkaufszahlen gesegnet. Man könnte daraus schließen, dass viele Gamer ihre vorgegebenen Muster nur sehr ungern aufbrechen lassen und sich erst recht nicht von der direkten Kontrolle trennen wollen. Muss man aber nicht.

Der zweite Teil der Saga kam dann schon im schicken 3D - aber ganz an Majesty kam er dann doch nicht ran. //Screenshot-Copyright bei manapool.co.uk

Der zweite Teil der Saga kam dann schon im schicken 3D – aber ganz an Majesty kam er dann doch nicht ran. //Screenshot-Copyright bei manapool.co.uk

Es reicht schon, wenn ihr Majesty einfach mal eine Chance gebt. Der erste Teil läuft nach wie vor unter allen Windows-Systemen – und auch wenn ich mit Majesty 2 und sogar der App meinen Spaß hatte, empfehle ich euch: Konsumiert den richtigen Shit. Und schreibt mir das nächste Mal, wenn ich euch den Krankenstand versüßt habe.

Übrigens: Im Moment gibt es alle Majesty-Teile auf Steam auch im Angebot – für grandiose 2,5 € bekommt ihr jeweils Teil 1 und Teil 2, jeweils mit Expansion Packs. Gibt es noch irgendeinen Grund, jetzt keinen Quarantänepatienten abzuschmusen und fröhlich in den Krankenstand zu gleiten? Folget diesem weisen Link: http://store.steampowered.com/search/?snr=1_4_4__12&term=majesty

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.