ReCore versprüht nostalgische Gefühle

Am Spielehorizont sind derzeit weder ein neuer Metroid- noch ein weiterer Mega Man-Ableger zu erblicken. ReCore eilt jedoch zur Abhilfe.

Schade, dass es Nintendo verabsäumt, zum 30-jährigen Jubiläum der hauseigenen Metroid-Franchise, Samus Aran die Ehre zu erweisen. Aber auch Mega Man-Fans dürsten schon des Längeren nach einem neuen Teil des Protagonisten im blauen Anzug. Was für ein Glück also, dass sich niemand Geringerer als Keiji Inafune, seines Zeichens Erfinder von Mega Man und Mark Pacini, Director der Metroid Prime Trilogie, zusammengetan und dabei beide Marken in ein Spiel verpackt haben. Das Ergebnis heißt ReCore und kann sich sehen lassen.

ReCore sieht verlassen und doch so wunderschön aus ...

ReCore sieht verlassen und doch so wunderschön aus …

Die Wüste lässt Grüßen

Ihr übernehmt in ReCore die Rolle von Joule, die sich als eine der ersten Freiwilligen gemeldet hat, um eine Kolonie auf dem Wüstenplaneten ‚Neu Eden‘ aufzubauen. Jahrhunderte des Kryoschlafs sind vorbei, ehe ihr in einer Welt aufwacht, die auf den ersten Blick völlig in Ordnung scheint. Jedoch bemerkt ihr schnell, dass der Schein trügt und es ganz anders kommt, als gedacht. An eurer Seite begleitet euch „Mack“, ein Roboter-Hund, der es kaum erwarten kann, sich mit euch ins Abenteuer zu stürzen, um die Menschheit vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren.

Eure Basis ist der „Crawler“. In ihm findet ihr nicht nur Schutz, sondern auch eure Werkbank und weitere nützliche Tools, um die Welt zu erkunden und stärker zu werden. Leider ist dieser während eures Kryoschlafs offline gegangen, wodurch ihr euch auf die Suche nach der Energieversorgungsquelle macht, um diesen wieder ans Netz zu schließen. Gesagt, getan! An dieser Stelle erspäht ihr das erste Mal die eindrucksvollen Sanddünen, welche ein beeindruckendes Bild darbieten. Nach einem kurzen Erkundungsmarsch habt ihr die Versorgungsquelle gefunden und seht am dortigen Terminal, dass auch der Terraforming-Pylon für viele Jahrzente offline war, welcher eure höchste Priorität genießt. Nachdem ihr diesen neu gestartet habt, erreicht euch ein Notsignal. Wie es scheint, gibt es noch andere Überlebende in den Weiten des Sandes.

ReCore ist tricky und fordert euer Geschick

ReCore ist tricky und fordert euer Geschick

Das Metroid Prime x Mega Man Crossover

Was darf man sich nun aber unter ReCore genauer vorstellen? Nun, die Spielmechanik erinnert stark an das wohl beste Metroid Spiel, welches anno 2002 auf Nintendos GameCube erschienen ist – Metroid Prime. Ihr hab eine Laserwaffe, die vier verschiedene Farben abschießen kann, welche ihr mit Zusatzmodulen aktiviert und nach und nach im Spielverlauf erhaltet. Diese repräsentieren die Standardfarbe Weiß, sowie Rot, Blau und Gelb. Habt ihr einen Gegner im Visier, muss durch geschicktes Umschalten der Waffen-Farbe, diese mit der des Gegners übereinstimmen, um maximalen Schaden anrichten zu können. Der Mega Man-Einfluss macht sich am Level-Design und der Positionierung der oft auch bewegbaren Plattformen bemerkbar. Diese sind nur durch perfektes Timing und Sprungkoordination zu erreichen. Ihr habt dazu einen Doppelsprung und einen Vorwärtsschub zur Verfügung, der sich nach jeder Landung wieder resettet. Ermöglicht wird das durch Düsen, die auf eure Füße und am Rücken aufgeschnallt sind und der Kreis unterhalb eurer Füße lässt es euch sehen, wo ihr landet.

Das Leveldesign erinnert stark an nostalgische Tage

Das Leveldesign erinnert stark an nostalgische Tage

Aber auch in der Wüste seid ihr nicht allein. Es werden ziemlich bald auch Widersacher euren Weg kreuzen, die, wie schon erwähnt, in verschiedensten Farben auftauchen. Ihr habt zudem auch die Möglichkeit, den Kampf frühzeitig für euch zu entscheiden und den Kern, den die Maschinengegner in sich tragen, herauszuziehen. Mit einem geschickten Manöver lässt sich dieser in der Farbe des Gegners in den Händen halten, welcher bei der Rückreise zum Crawler, zu Energie wird, die wiederum für Upgrades genutzt werden kann. Sollten euch gleich mehrere Kreaturen in verschiedenen Farben umzingeln, ist es ratsam, sich auf einen davon mit der richtigen Farbe der Waffe zu konzentrieren und einen anderen seinem Gefährten zu überlassen. Auch diese haben einen Farbcode, der mal mehr, mal weniger effektiv sein kann. Übrigens werdet ihr mehrere Wegbegleiter im Spiel finden, die unterschiedlichste Fähigkeiten haben und ihr so neue Wege und Schauplätze erreichen könnt.

Leider ist das Kampfgeschehen manchmal etwas unbalanced, wodurch sind oftmals Frustmomente ankündigen. Dem Tod folgt dann auch eine schier endlos lange Ladezeit, wie auch, wenn man das Spiel startet oder die „Schnellreise“ verwendet. Hier ist noch jede Menge Platz für Optimierungsbedarf.

Sammeln, was das Zeug hält

Apropos Upgrades: Sowohl die aufgesammelten Kerne, als auch das Material, das sonst so in der Wüste rumliegt, können zum Entwickeln neuer Rüstungsteile für die Begleiter verwendet werden. Oder aber auch ihr stärkt die drei Basiswerte eurer Kumpanen, welche sich in Abwehr (gelb), Angriff (rot) oder Energie (blau) aufteilen. Die Spezialfähigkeit ist von Begleiter zu Begleiter verschieden. So könnt ihr mit Mack, dem Roboter-Hund, versteckte Goodies ausgraben; euch mit Seth, der Spinne, entlang von Schienen fortbewegen oder aber auch mit dem Gorilla-Roboter Schalter betätigen oder Dinge kaputthauen. Der Haken an der Sache? Ihr könnt immer nur zwei von euren Freunden gleichzeitig mitnehmen. Ihr werdet somit also definitiv wissen müssen, was ihr tut oder es erwarten euch jede Menge leere Kilometer. Oder ihr nutzt das mitgebrachte Duo, um neue Ecken zu erforschen und Nebenmissionen zu erledigen. Diese werden im weiteren Spielverlauf ohnehin notwendig sein, da ihr sonst in der Story nicht vorankommt.

Sieh mir in die Augen, Kern ...

Sieh mir in die Augen, Kern …

Neue IP – fairer Preis

Erstaunt wird man feststellen, dass ReCore bereits zum Launch eine UVP von rund EUR 40,- aufweist. Einerseits begründet man das damit, dass sich eine neue Marke erst das Vertrauen der Käufer verdienen muss und andererseits bedient man mit dem Titel durchaus eine ganz spezielle Zielgruppe, beinahe schon eine Nischenkäufer-Gruppe. Allenfalls kann sich der Käufer darüber freuen.

Fazit

Ich bin wohl einer der größten Metroid-Fans, die dieser Planet jemals hervorgebracht hat. Dementsprechend enttäuscht bin ich darüber, dass Nintendo keinerlei Anstalten macht, Samus Aran würdig zu feiern und ein Metroid-Debüt auf der Wii U gänzlich vernachlässigt hat. Umso mehr freut es mich, dass nach letztem Jahr mit Axiom Verge auch dieses Jahr wieder ein Metroid-Klon die Konsolenwelt bereichert. ReCore stellt für mich einen tollen Titel dar, der definitiv seine Schwächen hat und an manchen Stellen einfach unfertig wirkt. Die Detailverliebtheit dürfte wohl dem Zeitdruck zum Opfer gefallen sein. Hier kann man Metroid Prime nicht annähernd das Wasser reichen. Aber es fühlt sich trotzdem gut an, wieder so etwas in der Art spielen zu können. Für stundenlangen Spaß ist jedenfalls gesorgt und auch Mega Man-Fans kommen hier definitiv auf ihre Kosten. Ich würde mir wünschen, dass der Mut von ReCore belohnt wird und sich das Spiel als fixe Franchise auf der Xbox One etablieren kann. Von mir gibt es eine ganz klare Kaufempfehlung, wenn man über kleine Schönheitsfehler hinweg sehen kann.

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei Xbox Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at