Ratchet & Clank sind zurück!

Ende der 90er Jahre hatten Jump ’n‘ Runs ihre Hochzeit, welche auch noch eine Weile lang ins neue Millennium andauerte, ehe es wieder still darum geworden war. Mittlerweile findet man kaum noch klassische Vertreter des Genres, wenn nicht gerade Indie-Studios dieses am Leben erhalten. Umso erfreulicher, dass Insomniac Games rechtzeitig zum Kinofilm Ratchet & Clank auch wieder einen neuen Auftritt auf der Heimkonsole spendiert.

Es beginnt alles in einer Gefängniszelle. Captain Qwark, ein doch recht bekannter Knabe im Universum, sitzt leicht geknickt in seiner Zelle und bläst Trübsal. Nachdem er von seinem bodenwischenden Gefängniskumpanen nach dem Grund seiner Einweisung gefragt wird, beginnt dieser kurzerhand zu erzählen, wie alles begann.

Ratchet, unser Held der Geschichte, lebt ein einfaches Lombax-Leben in seiner Werkstatt, als eines Tages eine Raumkapsel vor seinen Füßen auf den Planeten knallt. Darin befindet sich ein kleiner Informations-Roboter, welcher von seinem Heimatplaneten entkommen konnte. Clank, so sein Name, ist eine Fehlproduktion und sollte ursprünglich vernichtet werden. Doch wie es das Schicksal so wollte, hat er in Ratchet seinen Partner gefunden, der ihm helfen soll, die üblen Vorgänge der Blarg auf seinem Heimatplaneten zu vereiteln. Dieser ist mittlerweile durch gewisse Umstände unbewohnbar geworden und so ist es das Ziel der Blarg, sich einen neuen Planeten zu bauen, indem man gesunde Stücke aus anderen bewohnten Himmelskörpern herausreißt. Nicht, dass dies alleine nicht schon schlimm genug wäre, nein, die Planeten werden dabei auch noch gänzlich zerstört. Ohne auch nur mit der Wimper zu zucken, machen sich die beiden auf, um das Schlimmste zu verhindern.

It's good to be back! Und prächtiger denn je.

It’s good to be back! Und prächtiger denn je.

Das Spielgeschehen und die Geschichte von Ratchet & Clank wird dabei von Captain Qwark selbst erzählt und kommentiert, was einen gewissen Charme mit sich bringt. Apropos Geschichte: Das Spiel ist kein reines Remake, aber auch kein wirklicher Reboot. Es ist, so sieht es Insomniac Games selbst, eine Neuinterpretation des Originals. Man nehme also die Basis vom allerersten Ratchet & Clank Teil, erweitert diesen mit Elementen aus den darauf folgenden Ablegern und verfeinert es schlussendlich mit einer an den kommenden Kinofilm angelehnten Geschichte. Voilà!

Dass das Spiel dabei fabelhaft aussieht liegt auf der Hand, gab es doch eine Kooperation des Film- und Spielstudios, welche oft die gleichen Assets und Filter verwenden. Sogar Zwischensequenzen aus dem Film haben es in das Spiel geschafft, was nicht heißen soll, dass alle davon exakt gleich sind. Man wollte aber den Eindruck vermitteln, dass Film und Spiel Hand in Hand gehen. Und das ist auch gelungen. So merkt man den Übergang von gerenderten Sequenzen und tatsächlichem Gameplay kaum, was den Eindruck vermittelt, dass hier enormer Wert auf Polishing gelegt wurde. Zeit genug hatte man nach einigen Verschiebungen des Spiels ja reichlich dafür.

Die Waffenvielfalt im Spiel kennt beinahe keine Grenzen.

Die Waffenvielfalt im Spiel kennt beinahe keine Grenzen.

Mit an Bord sind wieder jede Menge Waffen, welche die Ratchet & Clank Reihe immer schon ausgemacht haben. Neben den Geschossen aus dem ersten Spiel, haben sich auch die Crème de la Crème der gesamten Reihe im Waffenladen eingefunden, welche für eingesammelte Schrauben und Muttern erworben werden können. Auch ganz neue Knarren könnt ihr nun euer Eigen nennen, wie beispielsweise den Pixelizer HD. Dieser verwandelt, wie der Name schon vermuten lassen mag, eure Gegner in Pixelhaufen, die an die 8-bit Ära erinnern und verrichtet nebenbei auch noch enormen Schaden, ehe sie am Ende in einzelne Pixelblöcke verfallen.

Damit ihr im Endgame auch noch mithalten könnt, sorgt das Upgrade-System für gefinkelte Abwechslung. Ihr müsst auf einem hexagonalen Feld mit gesammelten Raritanium-Kristallen Felder freischalten, die eure Waffe in verschiedenen Aspekten verstärken. Habt ihr orange ?-Felder umringt, schaltet ihr zusätzlich eine Spezialfähigkeit der Waffe frei. Hier sind euren Vorlieben keine Grenzen gesetzt und keine Waffe wird euch zwingend vorgegeben. Wollt ihr die Gegner tanzen lassen? Greift zur Diskokugel! Lust auf Barbecue? Dann ist der Flammenwerfer euer Freund! Oder wenn ihr lieber im Team kämpfen möchtet, solltet ihr Mr. Zurkon und Junior an eure Seite rufen, welcher nicht nur guten Schaden, sondern auch lustige Oneliner anrichtet. Mr. Zurkon doesn’t need bolts; his currency is pain.

Auch die Flugsequenzen machen Laune und steuern sich hervorragend.

Auch die Flugsequenzen machen Laune und steuern sich hervorragend.

Die vielen Planeten, zwischen denen ihr reist, sind angenehm abwechslungsreich und bieten cleveres Level-Design. Der kontinuierliche Fortschritt und die Upgrades, die ihr vorfindet, lassen niemals Langeweile aufkommen. Mal hüpft ihr fröhlich durch das Level, im nächsten Moment schnell ihr mit eurem Raumschiff durch die Lüfte und knallt gegnerische Flotten ab, dann wiederum surft ihr auf eurem Hoverboard durch diverse Challenges, ehe ihr auf Schienen dahingleitet und eure Reaktionsfähigkeit auf die Probe stellt.

Clank wird es – die meiste Zeit als Ratchet’s Rucksack missbraucht – ebenfalls nicht langweilig. Auch mit ihm dürft ihr eigene Levelabschnitte bestreiten. Entweder findet ihr euch in einer Verfolgungsjagd wieder, der ihr entfliehen müsst oder aber ihr dürft knackige Rätsel lösen, welche euer logisches Denken erfordern. Auch hier gilt: sämtliche Rätsel waren gut ausgeklügelt und ließen einige Male das Köpfchen rauchen.

Die Endbosse geben euch gerne eins auf die Nuss. Gute Taktik ist gefragt!

Die Endbosse geben euch gerne eins auf die Nuss. Gute Taktik ist gefragt!

Eine Neuerung, die ziemlich interessant ist, soll auch noch Erwähnung finden: Ihr habt die Möglichkeit, sogenannte Holo-Karten im Spiel zu finden, welche es in Dreier-Gruppen zu komplettieren gilt. Hat man dies geschafft, schaltet ihr gewisse Ingame-Boni frei, die euch mehr Fundobjekte garantieren oder Charaktere für den Challenge-Modus freischalten, welchen ihr nach einmaligem Durchspielen in Angriff nehmen könnt. Hier bleiben euch Waffen und Upgrades erhalten, jedoch wurde auch der Schwierigkeitsgrad hochgedreht.

Achja: Endgegner dürfen im Spiel natürlich auch nicht fehlen. Und wow, die können richtig weh tun! Seid also auf ein knackiges Abenteuer gespannt!

Fazit

Ratchet & Clank ist eine Hommage an die guten alten Tage der Jump ’n‘ Run Ära. Selten hatte ich in einem Spiel so viele Glücksmomente, wie in diesem. Die grafische Pracht erschlägt einen förmlich, der Humor ist unerreicht und auch das Gameplay macht enormen Spaß. Durch die Vielzahl der Waffen und den kontinuierlichen Fortschritt hat man immer etwas Neues zu erleben und ehe man sich versieht, hat man unzählige Stunden im Spiel versenkt. Der Schwierigkeitsgrad ist nicht so, dass man daran verzweifelt, aber bietet einige Passagen, in denen Obacht zu geben ist. Rennt man planlos in eine Situation, werden euch schneller die Lichter ausgeknipst werden, als ihr bis drei zählen könnt. Hier ist eine geschickte Kombination der einzelnen Waffenfähigkeiten gefragt, um siegreich aus dem Kampf hervorzugehen. Die Minispiele und Sammelmöglichkeit sind eine gelungene Erweiterung zum restlichen Gameplay und fügen sich nahtlos ein. Ach und Clank ist ja wohl der mit Abstand witzigste Sidekick aller Zeiten! Mit seiner ruhigen und gelassenen Art bewahrt er auch in den kniffligsten Situationen die Contenance. Sum­ma sum­ma­rum ist Ratchet & Clank ein nahezu perfektes Jump ’n‘ Run und eine wahre Offenbarung an Nostalgiker. Für mich der erste Anwärter auf mein persönliches Game of the Year!

Ich habe das Spiel übrigens auf 100% beendet. Ehrensache, versteht sich von selbst.

WERTUNG: 10/10

Wir bedanken uns bei Sony für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

  • Michael Ferstl

    ja ist genial das Spiel 🙂