„Randoms“ – die neuen Endgegner

Jeder kennt sie, jeder hasst sie. Random-Mitspieler. Man braucht sie, weil Freunde unzuverlässig sind, Kinder haben oder einfach die falsche Konsole. Dann greift man auf sie zurück – die, die immer da sind, aber trotzdem nicht gut spielen. Unsere gar nicht so lustigen Erfahrungen mit Random-Mitspielern.

consalex erzählt über Rainbow Six Siege

0ea202f1938e35caf3c2ac4d2b96092cZwei Schüsse in den Rücken. Mein Bildschirm färbt sich rot, alles wird verschwommen. Ein weißes Kreuz in einem Kreis zeigt mir, dass ich noch lebe – aber nicht mehr lange. Meine verbleibende Lebenszeit verblasst gleichzeitig mit dem weißen Kreis, der kleiner wird, wie ein Kuchen, über den sich hungrige Kinder hermachen. Ich versuche die letzten Sekunden meines virtuellen Lebens nachzuvollziehen, was ich falsch gemacht habe. Feindkontakt? Unmöglich in dieser Phase des Spiels. Herzinfarkt? Wird nicht simuliert. Dann treffen mich noch zwei Schüsse. Diese Runde ist für mich zu Ende. Rechts oben am Bildschirm wird mir die Todesursache angezeigt – friendly fire. Kurz darauf tötet der mir unbekannte Mitspieler noch zwei Teamkameraden. Frustriert steige ich aus der Partie aus. „Randoms,“ denke ich mir: „ich hasse sie.“

Aber bevor der Rant meiner Kollegen den meinen noch übersteigt, noch ein Wort an jene, die sich an Regeln halten und versuchen, ob mit oder ohne Mikro dem Team dienlich zu sein und auch mal auf Gegner statt auf Teammitglieder zu schießen: Danke.

vAros Matchmaking-Frust bei CS:GO

Gute Randoms? Eine aussterbende Art! Wenn wir unser CS:GO-Team mal nicht voll bekommen, wird das Matchmaking zur reinsten Lotterie: Kein English, kein Mic, keine Ansagen, keine Taktik, dafür aber ab und an AFK, TAs, TKs, Blocken, Flashen oder anderweitig Trollen. Ich erinnere mich an frühere Zeiten, an denen der kleinste gemeinsame Nenner – die englische Sprache – selbstverständlich war. Ich weiß noch, als Randoms nicht ihre und unsere Zeit vergeudeten, sondern hilfreich waren, ja sogar das Team bereicherten. Zeiten, die scheinbar längst der Vergangenheit angehören.

In den letzten Wochen habe ich besonders auf fremde Mitspieler geachtet und versucht sie zu kategorisieren. Anbei meine zwei liebsten Hassobjekte, beginnend mit dem Verwehrer der englischen Sprache. Dieses Individuum, dass sich auch gern Gleichgesinnten anschließt, ignoriert sämtliche Versuche einer für das gesamte Team verständlichen Kommunikation. Besteht das Team zu einem Großteil aus diesen Verwehrern, können sie getrost gemuted werden. Ihre Sprache wird sich mir weder in einem boshaften, aggressiven Ton als letzter Überlebender erschließen, noch im Teamchat untereinander. Wie selbstverständlich es für den Verwehrer ist, sich in seiner Muttersprache zu unterhalten, erfuhr ich beim letzten War direkt im Warmup: „My whole team speaks english… gg“. Und obwohl er uns verstand und der Sprache mächtig war, blieb dieser Satz das einzig Verständliche für mich.

csgoEine ebenfalls weit verbreitete Art ist das Flame-Kiddy. Überaus kommunikativ und den Sieg vor Augen, verliert es sich leider häufig in kleinen Details wie Waffenskins und Fragen zur Person. Auf der Gewinnerseite kann das Flame-Kiddy als noch tragbar bezeichnet werden, ein Umschwung der Machtverhältnisse hält es allerdings nicht aus. Die Schimpfwörter sprudeln aus dem pubertierenden Bub nur so heraus und der Abzug sitzt fortan auch bei Teamkollegen sehr locker. Das Team muss je nach Situation abschätzen: Leben wir damit oder schmeißen wir das Balg hinaus? Doch Vorsicht, anscheinend haben bei Valve nicht viele an diese Gattung gedacht. Kickt ihr häufig Teamkameraden, so kann euch eine Strafe ereilen.

Blex CoDzt sich aus

Ich hoffe auf eine gemütliche, abendliche Runde in einer meiner letzten Shooter-Guilty-Pleasures, dem guten alten Call of Duty. Entspannung ist bei einem hektischen Shooter wie CoD zwar sehr relativ zu sehen, aber man kann dabei wunderbar das Hirn ausschalten und den Alltag vergessen. Welches genau, bleibt eigentlich egal – meist landet die Wahl aber auf Modern Warfare (ja, da rennen wirklich noch Server) oder Black Ops 2.  Da wie dort kann der Abend von nun genau zwei Wege nehmen:

  • Bushidō – Der Weg des Kriegers: Ich begebe mich auf einen bereits gut gefüllten Server, die wirkliche Partie ist aber noch nicht am laufen. Nach kurzer Zeit wird es ernst; die Teams sind aufgeteilt, die Schlacht nimmt mit all ihren Akteuren Fahrt auf – „gl hf“ allerseits. Gut, dass jeder in beiden Teams die Regeln des Spiels und seine Aufgaben kennt: Es wird hart gefightet, keiner schenkt sich etwas, Schusswechsel sind kurz und hart. Während ein Teil des Teams Rückendeckung gibt, sprinte ich zum Bombspot, lege die Bombe, garniere sie noch mit C4 und hechte wieder in Deckung. Die Kontrahenten bäumen sich ein letztes Mal auf, versuchen den Rush – und vergehen im Kugelhagel unserer Phalanx. Wir sind Kämpfer, Spartaner, Brüder – und kennen uns doch erst seit fünf Minuten. Die Bombe geht hoch, von beiden Teams gibt es „gg“ und „n1“ für alle. Ich verneige mein virtuelles Haupt und ziehe in den Sonnenuntergang davon.
  • Arschidō – Der Weg des Vollhonks:  Ich begebe mich auf einen bereits gut gefüllten Server, der gerade noch in den Vorbereitungen für ein Spiel liegt. Doch halt, was ist das? Eine vorpubertäre Stimme kräht „Wasuuuuuup fucking faggots?“ durch den Voice-Chat, offensichtlich erfreut darüber, dass man gleich mehrere schlimme F-Worte verwenden konnte, ohne dass es Mama gehört hat. Sofort geben mehrere andere ätherische Stimmen Kontra; zwei Drittel davon auf Französisch, das andere Drittel ebenso Stimmbrüchler. Der Countdown endet, das Spiel beginnt – und das erste Genie wirft eine Stun-Granate in die Spawn-Zone. „needed to check my gear, lol“. Leicht benebelt machen wir uns auf in Richtung Bomb Site, immer begleitet von fröhlichen Kollegen, die mir „I fucked your mum!“ ins Ohr schreien. Ich seufze, mache das beste aus der Situation und pirsche mich weiter an den Bombspot heran. Vorsichtig, keinen Camperwinkel übersehen … Boom, tot. Teamkill. Die Wiederholungscam verrät: xXxKevin1337G0TTxXx sprang seit zehn Sekunden hinter mir auf und ab, um mir sein virtuelles Skrotum auf dem Rücken zu platzieren. Als das nicht mehr lustig war, hat er mir stattdessen eine Kugel in den Hinterkopf verabreicht. Ich zweifle am Spiel, dem Internet und allgemein der Existenz der Menschen und schalte den PC ab.

Gretchenfrage: Welcher der beiden Fälle tritt öfter auf?

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.