Rainbow Six Siege oder wie unwichtig Story sein kann

Eigentlich wollte ich Rainbow Six Siege gar nicht spielen. Genau wie bei Battlefront gibt es keinen Story-Modus, „nur“ Multiplayer. Aber wie bei Battlefront schreibe ich die Geschichten selber, wenn ich mit Freunden gemeinsam auf die Jagd gehe oder eine Geisel verteidige. Der Vorteil eines interaktiven Mediums.

Bei StarCraft wollte ich mich nie durch die Story quälen. Die Serie ist für mich der Inbegriff des Multiplayers. Schach mit lebendigen Figuren, Explosionen und Blut. Strategisch, schnell und fordernd. Manchmal zu viel, wenn das Internet wieder seine Muskeln spielen lässt und mir zeigt, was für ein Wurm ich im Weltall des „eSports“ bin. Aber trotzdem treibt es mich an, wie mich früher Beat’em-Ups angetrieben haben. Der Kampf Mann gegen Mann. Frau gegen Frau. Mann gegen Frau … ihr wisst was ich meine.

Wenn ich aktuell Rainbow Six Siege spiele, dann nicht weil es besonders einsteigerfreundlich, komfortabel oder hübsch ist. Ich spiele es, weil ein paar Freunde von mir immer wieder online sind und mich in ihre Partien einladen. Dann spielen wir gegen die KI oder das Internet und jede Partie fühlt sich dabei anders an. Wir versuchen verschiedene Set-ups (mit und ohne Medic), stürmen zu viert oder auch in zwei Zweierteams das Zielgebäude und das Ende ist nie vorhersehbar.

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Einmal laufe ich in eine Sprengfalle und unser letzter Mann räumt das Gebäude trotzdem noch alleine leer. Wir feuern ihn im Chat an und wenn er angeschossen wird, brüllen wir empathisch auf. Wir besprechen nach der Mission sinnvolle Upgrades unserer Waffen und jammern, wenn eine Runde nicht gut gelaufen ist. Wie in all diesen Spielen sagt man auch in Rainbow Six Siege, dass man mit Freunden spielt, weil man mit ihnen privat quatschen kann – aber wie in allen anderen Spielen stimmt das nicht. Vielleicht ist die Einstiegsfrage, wenn jemand online kommt, wie es der Freundin geht, danach geht es nur noch um das Spiel, den erreichten Level und die Fragrate der letzten Runden. Es geht ums Spiel, weil keine Handlung erzählt wird, sondern wir sie erzählen müssen … dürfen – Ansichtssache.

Ob mir ein Single-Player-Modus fehlt? Vielleicht. Spielen könnte ich ihn wohl aus Zeitgründen nicht. Das haben mir Witcher, Fallout und MGS dieses Jahr eindrucksvoll bewiesen. Ich spiele lieber, wenn Freunde von mir online sind. Man sieht sich eh viel zu selten, dann ist es zumindest schön mal ihre Stimmen zu hören. Bei Rainbow Six Siege ist das dann auch ein wenig Arbeit, weil geschenkt wird dir nix – casual sieht anders aus. Dafür habe ich Battlefront. Das viel gescholtene Battlefront, mit dem so viele keinen Spaß haben. Ich schon. Zwar bin ich erst Level 19, aber wenn ich mit Freunden … einem Freund (Buddy-System) auf imperialer Seite auf Endor zumindest bis zur dritten Y-Wing-Attacke komme und meine K/D-ratio nicht ganz den Bach runter geht, dann macht mir das Spaß. Ja, hier hätte ich mir tatsächlich einen Solo-Modus gewünscht, aber weil ich Star Wars Fan bin und immer mehr möchte. Auch mehr als das ein wenig verklärte Star Wars Battlefront II damals war, das mir ein Kollege kürzlich als Artikel hat zukommen lassen. Ich habe das Spiel damals im consol.AT mit 75% bewertet. Als Single-Player-Game, eine 8+ im Multiplayer. Auch der Teil hatte keinen Story-Modus. Schlimm? Natürlich, aber wenn Spiele wie Witcher und Co. nur auf eine Solo-Erfahrung abzielen, warum gute Multiplayer-Spiele für ihren Fokus abstrafen? Ja, der Umfang bei Battlefront ist bescheiden, das wurde ausreichend besprochen, trotzdem habe ich schon etliche Stunden damit verbracht und es werden noch mehr. Aktuell allerdings nicht, weil ich ja Rainbow Six spiele, das gefühlt mehr bietet, dafür halt nicht ganz so spektakulär aussieht. Aber es ist wie Schach, mit lebendigen Figuren, Explosionen und Blut. Für ein Multiplayer-Computerspiel in meinen Augen eine gute Mischung. Empfehlung ausgesprochen.

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Wir bedanken uns bei Ubisoft Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.