Rainbow Six Siege – Fazit nach einem Jahr

Nur wenige Spiele-Beziehungen haben bei mir ein Jahr gehalten. Mein schlimmer Lebenswandel in der Games-Branche hat mich immer dazu getrieben etwas Neues dem Alten vorzuziehen. Rainbow Six Siege spiele ich jetzt seit rund 12 Monaten und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Eine Liebeserklärung an eine Beziehung, die ich eigentlich nie wollte.

Im Dezember 2015 überredeten mich zwei Freunde mir Rainbow Six Siege doch mal anzusehen. Als alter Rainbow-Six-Kenner und Spieler der ersten Stunde (1998, PC) war der Ansatz von Ubisoft, das Spiel als reines Multiplayer-Game zu veröffentlichen, für mich ein Schuss in die Kniescheibe. Dennoch willigte ich sogar in eine kleine Privat-LAN ein. Wie früher – nur jetzt. Mit zwei Operatoren, so heißen die Spielfiguren in Rainbow Six Siege, ausgestattet, ging es in zunächst etwas konfuse Multiplayergefechte gegen andere Spieler. Zerstörbare Umgebung, diese witzigen Zusatzfähigkeiten und das notwendige Teamplay machten die Sessions zu etwas, das mich einfing. Manchmal. Die meiste Zeit starrten wir nämlich auf den Monitor, wartend auf andere Mitspieler. Die Suchfunktion war leider höflich gesagt zunächst „für’n Arsch“. #Infinite6

img_5107

Insgesamt haben wir uns 3x zu einer R6-LAN getroffen. Zu selten.

Irgendwie war ich danach vom Spiel hooked. Ich gewöhnte mich an die 5-vs-5-Gemetzel, in denen ein Team ein Objekt verteidigt, während das andere Team in 5 Minuten genau dieses finden/zerstören/befreien muss. Die taktische Vorbereitungszeit, in der ein Team das Objekt möglichst gut gegen Eindringlinge sichert und das andere versucht Kameradronen möglichst gut zu positionieren, um zu wissen, was am Ort des Geschehens passiert, war und ist zusammen mit der darauffolgenden Auseinandersetzung Adrenalin pur. Speziell weil man mit taktischem Vorgehen und dem Verharren an den richtigen Spots (#mapkenntnis) eine langsamere Reaktionszeit immer wieder ausgleichen konnte.

Entwickler Ubisoft merkte langsam aber sicher, dass das Game offenbar seinen Anklang fand und veröffentlichte regelmäßige Updates, um die Community bei Laune zu halten. Patches trifft es vielleicht besser als Updates, weil meistens Bugs behoben wurden. Leider war das bei diesem Spiel nicht immer der Fall. Erinnert sich noch jemand an den T-Schatten, den die meisten Spieler nach einem der Patches plötzlich über sich schweben hatten? Albtraumhaft. Dann kamen auch noch Teamkiller dazu, die das Spiel mit „Randoms“ unmöglich machten. Unsere Whats-App-Gruppe, die wir für das Spiel angelegt hatten und die mittlerweile 7 Mitglieder zählte, wurde weniger genutzt. Einige wandten sich anderen Spielen zu, andere waren einfach zu frustriert, um noch regelmäßig spielen zu wollen. Ein Spiegel der Community generell. Aber kampflos wollte Rainbow Six Siege nicht aufgeben und verschwand nicht einfach – wie es wohl vielen anderen Spielen ergangen wäre. Jeder wusste, was er an dem Spiel hatte und jeder, der mehr Zeit damit verbracht hatte erhielt sich die Hoffnung, dass die Entwickler das Ding in die richtige Richtung biegen können. Und das taten sie.

406-3

Ich weiß nicht, warum ich in den „schlechten Zeiten“ selbst geblieben bin. Doch, eigentlich weiß ich es schon. Es war dieser Kick, den ich in den letzten Jahren bei wenigen Spielen hatte. Für viele Storygames habe ich nicht mehr die Geduld und viele andere Multiplayer-Games sind mir einfach zu schnell geworden. Erstmals sehe ich mich als 35+ Jähriger in der Lage, auch mal eine Runde zu entscheiden. Ok, das passiert selten, aber deshalb hab ich ja mein Squad. Es sind diese einzigartigen Momente, diese kleinen Storylines die sich ergeben. Es sind zwar immer die selben zehn Maps und immer ähnliche Vorgehensweisen, aber da zehn sehr individuelle Menschen aufeinanderprallen, ist jede Runde ein wenig anders. Auch wenn man die Runde vielleicht nicht am Ende entscheidet, hat man doch diesen einen Moment, an den man sich erinnert. Ein Duell quer über einen Gang. Eine Verfolgungsjagd durch das Flugzeug oder dann doch dieses eine Match, wo man im 1-vs-1 den finalen Frag macht und man den Jubel der Kollegen im Ohr hört.

Ach, Kommunikation. Manchmal will man einfach mit den Freunden quatschen. Wie es in der Arbeit läuft oder wie es den Kindern geht. Aber dann kommt der Ehrgeiz und es dürfen nur noch spielrelevante Dinge über den Funk gehen. Im Eifer des Gefechts zwischen „Haltet mal alle die Schnauze, ich hör nix!“ und „Sag an, steht der Typ links von der Tür oder rechts?“ hin- und herzuswitchen, ist einfach grandios. Kommunikation ist in dem Game erfahrungsgemäß nämlich alles. Glaubt mir, wir haben es auch anders probiert – das funktioniert nicht. In Zweierteams vorgehen, einer mit Drohne voran, miteinander absprechen und gezielt als Team agieren. Anders gewinnt man nicht. Und das ist gut so.

tom_clancys_rainbow_six_siege_game-wide

Nächste Woche erscheint der bereits vierte DLC genannt „Red Crow“. Zwei JapanerInnen warten darauf auf Gadget und Zweitwaffe geprüft zu werden. Die Hoffnung, dass das Spiel auch 2017 noch für mich funktioniert ist groß. Leider kommen die Updates langsam, die letzten zwei Maps fand ich schwach und das kommende Jahr wird erneut ein starkes Games-Lineup haben. Ob ich bleibe wird primär davon abhalten, ob mein Squad trotz Battlefield, Titanfall und diesem Spiel namens „Real Life“ zusammenbleibt. Als Solo-Experience, gemeinsam mit „Randoms“, würde ich dem Spiel wohl nicht die Treue halten. Die Stärke von Rainbow Six Siege ist nämlich eine, die auch viele andere Spiele groß gemacht hat – das Teamplay und die damit verbundenen Emotionen. Rainbow Six Siege ist nach all den Monaten endlich ein großartiges Spiel geworden, auch wenn neben dem Multiplayer-Modus noch immer ein kleiner Button „Beta“ sagt.

Die vierte Erweiterung wird Mitte November 2016 released.

Die vierte Erweiterung wird Mitte November 2016 veröffentlicht.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.