Quantum Break: Gelungener Zeitsprung – mit einigen Schwächen

Inszenierung wie ein Kino-Blockbuster, spielerisch reduziert. Trotzdem finde ich, dass ihr euch Quantum Break anschauen solltet. Zumindest, wenn ihr eine Xbox One zuhause stehen habt.

Hersteller: Remedy
Genre: Third-Person-Action-Geballer
Plattform: Xbox One/PC
Spieldauer: ca. 8-10h (3h davon passiv)

Ich weiß zwar bis heute nicht, was der Kollege Lurz mit seinem Artikel über The Division and media coverage eigentlich sagen wollte, aber nicht nur deshalb möchte ich hier kein klassisches Review zum neuen Action-Game Quantum Break machen. Zwar will ich auch auf das Spiel eingehen aber auch darauf, welche Rolle dieses Spiel in der aktuellen „Konsolensituation“ aussagt.

Bei Quantum Break handelt es sich um eine Mischung aus Spiel und Serie. Das Action-Game von den Alan Wake-Machern ist spielerisch sehr klassisch. „Deckungs-Shooter“ sagt man heute, wenn unser Held Jack, der unfreiwillig in dieses Abenteuer gezogen wird, von Deckung zu Deckung huscht, um nicht von den zahlreichen Feinden getroffen zu werden. Das kennt man von Uncharted, Gears of War und anderen. Sogar das vielgelobte The Division funktioniert auf diese Weise. Der USP (das Ding, warum es anders als andere ist) sind jedoch Jacks Fähigkeiten, mit denen er die Zeit manipulieren kann. Entwickler Remedy hat mit den ersten beiden Max Payne-Teilen hier schon Erfahrungen sammeln können und führt dies nun in Quantum Break konsequent weiter. So versetzt man Gegner in eine Starre, zischt schneller als sein Schatten von einer Ecke des Raumes zur nächsten oder wehrt Kugeln mit einer Zeitblase(!) ab. Die Schwierigkeit ergibt sich daraus, dass eure Gegner, die das Spiel auf euch wirft, immer stärker und besser bewaffnet werden – natürlich. Das fühlt sich alles sehr gewohnt und wenig überraschend an. Für manche ein Vor-, für andere vielleicht ein Nachteil.

Quantum Break

Eure Zeitblase im Einsatz.

Spielerische Abwechslung gibt es nur in kurzen Geschicklichkeitspassagen, in denen ihr ein paar platzierte Sprünge ausführen und ebenfalls eure Zeitfähigkeiten für diverse Rätsel nutzen müsst. Den Rest des Spiels wird euch eine mehr oder weniger spannende Geschichte über Zeitreisen erzählt, deren Charaktere zumeist aus Film und noch mehr aus Fernsehen bekannt sind. Genau hier kommt einer der Twists des Spiels zur Geltung – der Seriencharakter.

Remedy hat es sich nicht nehmen lassen, unter der finanziellen Führung von Microsoft fünf 25-Minüter zu produzieren, die das Geschehen des Spiels weitererzählen bzw. Parallelhandlungen zeigen, die der Spieler sonst nicht sehen würde. Das ist qualitativ etwa auf der Stufe diverser Superheldenserien wie Flash oder Agents of SHIELD und versetzt den Spieler in eine völlig passive Haltung. Nun stellt sich die Frage – will ich das? Nehme ich den Controller nicht in die Hand um zu spielen? Serien gibt es auf Netflix genug. Klar, Games wie Heavy Rain oder speziell Metal Gear Solid haben uns auch schon oft zum Zuseher degradiert, aber extra für die Zwischensequenzen gedreht wurde in echten Kulissen selten. Für den klassischen Hipster-Nerd ist das eigentlich die Verschmelzung seiner zwei Lieblingshobbys – Gaming und Serien. Aufgrund der nur ok-ishen Qualität wäre mir persönlich jedoch das reine Gaming-Erlebnis lieber gewesen. Verstärkend kommt für mich hinzu, dass die eigentlich sehr saubere Optik durch die Zwischensequenzen verliert. Nach über 20 Minuten mit echten Schauspielern starren mich die computergenerierten Augen der Figuren im Spiel vergleichsweise leblos an.

Quantum Break

Die Zwischensequenzen wurden mit echten Schauspielern gedreht und reißen euch etwas aus dem Erlebnis raus.

Was also bleibt ist ein Titel, der in fünf Akten eine spannende Story erzählt, die jedoch sehr schnell vorbei ist. Zurück bleibt das Gefühl, ein nicht wirklich großes Game erlebt zu haben. Ein paar wenige Momente sind zwar großartig inszeniert und ich würde mich freuen, würde die Serie konsequent fortgesetzt werden – wenn man aber sieht, wie lange Remedy normalerweise an einem Spiel arbeitet, ist das wohl ein verlorener Wunsch. Was ich mich jetzt als ehemaliger Xbox-Fanboy frage ist, ob man mit solch einem Titel im Konkurrenzkampf mit den japanischen Konsolenherstellern viel Land gewinnen kann. Während im Sony-Lager alle auf Uncharted und die VR-Brille warten, streuen Nintendo-Fans bereits die ersten Controller-Leaks ins Netz, um die neue NX zu hypen. Dass sich diese Leaks dann eh wieder als geschickte Fakes herausstellen, steht auf einem anderen Blatt – der Hype war da. Was also dagegenhalten? Eine neue Brand, die nach 10h vorbei ist? Sogar ein Alan Wake 2 hätte wohl für stärkere Wellen gesorgt – von einem exklusiv-Deal mit einem Erfolgstitel wie Destiny oder The Divsion ganz zu schweigen. Ach, träumen darf man ja.

So habe ich leider die Angst, dass Quantum Break trotz seiner Qualitäten zwar sehr wohl von der aktiven Xbox-Community gut geheißen und auch gekauft wird, aber wenige Neukäufer bringen wird. Es ist eben eines jener Games, die in der letzten Generation noch als typischer Gamer-Titel gegolten hätte, für den man die Xbox so geliebt hat. Heute ticken die Uhren aber schneller – jede Woche kommt ein anderer Titel, den man sich anschauen „muss“. Die Schnelllebigkeit macht speziell Titeln wie Quantum Break das Leben schwer. Und sonst? Gears 4 steht in den Startlöchern und natürlich die E3, bei der Microsoft zeigen kann, wie man sich im Weihnachtsgeschäft 2016 behaupten will. Vorschläge? Ein paar Ideen hätte ich. Ein neues Dashboard vielleicht, das Spiele, egal was ich sonst mache, nach oben reiht. Schnellere Installationszeiten und einen Controller, der qualitativ zwischen dem Standard- und dem Elite-Controller liegt – auch preislich. Das wären schon ein paar gute Schritte, um mich wieder auf die grüne Seite der Macht zu ziehen. Gemeinsam mit einem tollen Game natürlich. Ich freu mich mal vorsichtig auf Gears 4 und einen möglichen Überraschungstitel 🙂

Quantum Break

Quantum Break: Ein Schlag in den Rücken?

Anteile:

  • 40% Ballern
  • 20% Rätsel/Jump and Run
  • 40% (spielbare) Zwischensequenzen

Tipps:

  • Ich habe mir am einfachsten mit der Tactical SMG getan, weil stark und wenig Rückstoß.
  • Nutzt Jacks Fähigkeiten. Ohne die seid ihr ab dem Schwierigkeitsgrad „Normal“ im späteren Spielverlauf aufgeschmissen.
  • Immer in Bewegung bleiben. Die nächste Granate kommt bestimmt. Außerdem schleichen sich manche Gegner gern hinter euch.

Wir bedanken uns bei Xbox Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.