PS4 Neo – wie ein Update die Konsolenwelt verändert

Schon seit der letzten Generation werden Konsolen mit PCs verglichen. Vergleichbar verbaute Hardware, Installationen, Updates, DLCs, usw. Doch einen Vorteil gab es bis jetzt: Langlebigkeit. Mit der PS 4.5, auch genannt „Neo“, droht nun auch diese Bastion zu fallen. Emotionale Gedanken der Redaktion.

Alex, der Wütende

Ich besitze die PS4 seit Tag 1. Lange habe ich überlegt, ob es nicht doch die Xbox One werden soll (Xbox 360 Fan4life!), aber weil mein gesamter Freundeskreis „blau“ gewählt hat, hab ich das auch getan – Stichwort: Multiplayer. Das ist jetzt zweieinhalb Jahre her. Man sollte glauben, dass das kein Alter für eine Konsole ist, aber mit dem Drohgespenst „PlayStation VR“ am Horizont scheinen die Hardware-Glocken im Hause Sony zu läuten. Wie sonst ist es zu erklären, dass im Herbst/Winter die PS4 Neo auf den Markt kommen soll, die merkbar bessere Hardware verbaut hat?

Während meine Kollegen sicher andere Aspekte erläutern, mag ich kurz aus Entwicklersicht sprechen. Wer glaubt, dass sich nun alle Hersteller dazu überreden lassen, zwei Versionen ihres Spiels zu entwickeln? Es muss ja schließlich auf der 40 Millionen breiten Basis auch funktionieren, sonst werden die Software-Verkäufe ganz schnell zurückgehen. Das Internet ist jetzt schon voll mit Pixel- und Auflösungs-Vergleichen, und bis jetzt hat die PS4 meist die Nase vorne gehabt. Doch wenn ich als PS4-Besitzer ab Herbst lesen muss, dass ich eine Neo brauche, um das bessere Spielerlebnis zu haben, wie fühle ich mich dann? Das Rennen um ein aktuelles Smartphone ermüdet ja ebenfalls – und jetzt ist mein Rückzugsort Wohnzimmer gefährdet.

Ich habe Morpheus vorbestellt, d.h. ich gebe Sony ohnehin nochmals das Geld, was eine PS4 aktuell kostet, um mein Vertrauen in die Plattform zu bestätigen. Aber die Konsole selbst austauschen und damit nochmal 800 Euro investieren? Genau deshalb habe ich eigentlich keinen PC mehr, auf dem ich regelmäßig spiele, weil mich genau diese Hardware-Jagd ermüdet hat. Deshalb, sofern man das heute sagen kann, bewegt sich PlayStation für mich damit auf dünnes Eis. Morpheus kann man auch wieder abbestellen und sich stattdessen eine andere Konsole kaufen. Uncharted 4 habe ich bis dahin durch. Ich sag’s gern nochmal: dünnes Eis.

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Blex, der Indifferente

Ich bin das Idealexemplar eines sogenannten Late Adopter. Wenn eine neue Konsole auf den Markt kommt, dann setze ich mich erstmal auf meinen Hintern und warte. Warte auf die unvermeidlichen Kinderkrankheiten. Warte auf den ersten Preisverfall, der unweigerlich kommt – immerhin steht immer wieder mal Weihnachten oder Ostern vor der Tür. Somit habe ich im Gegensatz zu Alex meine PS4 nicht schon seit dem ersten Tag, sondern erst seit knapp drei Monaten mit meinem Fernseher gepaart.

Somit sehe ich einem eventuellen Update der Hardware innerhalb einer Konsolengeneration eher gelassen entgegen. Immerhin wurde auch schon das WLAN-Modul der PS4 seit der allerersten Verkaufsversion ausgetauscht, und dabei wurde kein derartiger Aufstand angezettelt. Ja, mir ist schon klar – hier geht es um gravierende Leistungsupgrades, die, wenn sie kein volles 4K-Gaming erlauben, zumindest bestehende Inhalte auf eine höhere Auflösung hochrechnen können. Aber es könnte mir nichts egaler sein: Mein Fernseher ist ein sieben Jahre altes HDready-Ding, das keine Anzeichen davon zeigt, seinen Geist auszuhauchen. Von einem Interesse an 4K bin ich so weit entfernt wie vom Südgipfel des Kilimanjaro.

Marktwirtschaftlich gesehen ergibt der Move von Sony schon einen gewissen Sinn: Nachdem die Idee „3D-Fernseher“ auch in den letzten Jahren keinen reißenden Absatz gefunden hat, muss man dem Kunden einen Grund geben, die hauseigenen 4K-Fernseher zu erwerben. Und immerhin ist welche Sparte die ertragreichste des Multimedia-Konzerns? Richtig, die PlayStation-Abteilung. Mit einem Produkt, das die Möglichkeiten eines 4K-Fernsehers ordentlich nutzt, könnte man also die Erträge aus beiden Departments beträchtlich ankurbeln.

Ob man das als User zwingend braucht, sei dahingestellt. Solange Sony die Early Adopter und Besitzer der „alten“ PS4 nicht mit Nachteilen in Sachen Games und Equipment bestraft – was finanzieller Harakiri wäre –, dann sehe ich keinen Grund, warum es keine PS4 Neo geben sollte. Niemand zwingt uns mit vorgehaltener Waffe, immer den neuesten, heißesten Scheiss zu kaufen. Wer seinen Spaß an diesem Konsum-Ding haben will, der soll ihn haben; ich werde weiterhin gemütlich auf meinem dummen Schaukelsessel sitzen und meine „reguläre“ PlayStation 4 jahrelang in den Sonnenuntergang reiten.

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Christoph, der Chipnerd

Da ich hauptsächlich auf dem PC spiele und für exklusive Schmankerl eine Wii U besitze, beobachte ich das restliche Konsolengeschäft meist nur aus der Ferne. Die ersten Gerüchte rund um eine potentere PlayStation haben schnell mein Interesse geweckt, so könnten die Japaner noch vor Nintendo und (mit noch größerem Abstand) Microsoft endlich frische Technik verbauen.

Im Grafikkartengeschäft schlagen sich Spieler seit Jahren mit den altgedienten 28nm-Chips herum. Immense Leistungssteigerungen speziell im „Best-bang-for-the-Buck“-Bereich blieben aus, mehr Leistung wird mit erhöhtem Strombedarf und einhergehender Abwärme erkauft. Das wird sich allerdings im Sommer ändern: Nvidia als auch AMD vollziehen den sehnsüchtig erwarteten Fertigungssprung von 28nm auf 14nm. Die Grafikkarten werden effizienter, mehr Leistung und gezügelter Stromhunger stehen uns ins Haus.

Und hier kommen die Konsolen ins Spiel: PlayStation 4 als auch Xbox One verbraten derzeit noch viel Strom, auch sie greifen auf die alten Chips zurück. Mit der PS4 Neo wird sich das, den Gerüchten nach zu urteilen, ändern. AMD könnte bereits in wenigen Monaten den Polaris getauften Chip für Sony in großen Stückzahlen produzieren, eine Veröffentlichung im vierten Quartal wird immer wahrscheinlicher.

Durch den Hardware-Refresh wird die „PS4.5“ schönere Grafik ausspucken (höhere Sichtweiten, detailliertere Texturen, bessere Kantenglättung), mehr und konstantere Bilder pro Sekunde liefern (60fps incoming!) oder gar ein paar simplere Spiele in 4K-Auflösung zeigen. Wem die PlayStation 4 zu langsam ist und die häufig angepeilten 30 Frames per Second ein Dorn im Auge sind, der könnte sich schon jetzt auf den großen Bruder freuen. Alle anderen können sich entspannt zurücklehnen und abwarten, denn exklusive Titel stehen uns nicht bevor, Sony soll Entwickler dazu bereits vertraglich informiert haben.

Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.