PC-Journey Teil 2: Der Baukrampf

Wusstet ihr, dass der Himmel um 2:30 am Morgen verdammt finster ist und zu spät für verdammte Schraubereien am PC ist?!

Die Woche war wunderschön. Also, wunderschön ist jetzt auch ein wenig übertrieben – aber die Gesundheit läuft wieder halbwegs, die Sonne war hin und wieder auf einen Besuch da und was noch wichtiger ist: Die Bauteile für den neuen PC sind nach und nach eingetroffen!

Nicht, dass das ein einfaches Geschäft gewesen wäre; die vergangene Woche markiert das erste Mal, dass ich mit DPD massiv mehr Probleme hatte als mit der Österreichischen Post AG (man könnte das wohl auch als Fortschritt deuten, aber ich sehe es eher als 100-Meter-Sprint unter Schnecken mit Orientierungsschwierigkeiten). Das inkludiert einen Zustellungsversuch um 16 Uhr (ausgemacht war zwischen 8 und 11 Uhr), die Behauptung, dass ich in meiner Wohnung nicht mehr wohnen würde (danke, ich fühle mich noch recht heimisch da) und zum Schluss die geniale Aktion, das Paket mit dem Motherboard einfach vor die Tür an meinem Arbeitsplatz zu stellen und zu behaupten, dass beim Klingeln niemand geöffnet hätte. Nein, sind ja nur 15 Leute da drinnen am Arbeiten, da macht sicher niemand auf. Nun gut, das bringt DPD eine Beschwerdemail, aber mir immerhin die Komponenten für ein fesches neues PC-System – die Nachbarn in der Arbeit waren nämlich nett genug anzuläuten und zu fragen, ob ich ein Paket vermisse.

Entsprechend rattig auf PC-Bastelei war ich also Freitagnachmittag nach der Arbeit. Meine Selbstsicherheits-Batterien waren bis zum Rand gefüllt – hey, PC-Bauteile und ich, wir sind so dick. Hab‘ doch meine Matura an einer technischen Schule für Informatik gemacht; was soll da schon schief gehen?

Kurz gesagt: Eine Menge.

Der Einfachheit halber werde ich die folgende Montierung des Systems und gleichzeitige Demontierung meines Egos der Uhrzeit nach sortieren.

17:00

Der Startschuss ist gefallen. Das neue Gehäuse sieht mächtig hübsch aus, wirkt wertig und wird wohl genug Platz für alles bieten, das im Folgenden darin Unterschlupf finden soll. Beim Auspacken schneide ich mir zwar mit dem Karton in den Finger, aber ich deute das als rituelles Blutopfer, um die PC-Götter gütig zu stimmen (anscheinend habe ich die falsche Blutgruppe, ich habe sie nämlich erzürnt).

Das dezente neue Case direkt nach dem Auspacken. Blutspuren wurden bereits entfernt. //Foto des Autors

Das dezente neue Case direkt nach dem Auspacken. Blutspuren wurden bereits entfernt. //Foto des Autors

Motiviert mache ich mich an die Öffnung des Gehäuses und Sondierung der Lage. Mhm, das Mainboard ist also im Mini-ATX-Format statt wie angegeben im ATX-Format – kein Problem, für alles gibt’s Platz und Schrauben im Cooltek-Häuschen. Noch stehen alle Zeichen auf Liebe.

18:00

Die Montage läuft auf Hochtouren: Das Netzteil springt geradezu an seinen Platz, nur beim Anschrauben ist leichtes Drücken notwendig. Das ist der Iso-Matte geschuldet, die überall im Gehäuse als Schalldämmung herumliegt, und nicht weiter ein Problem – hat man einmal herausgefunden, wie man drückt und schraubt gleichzeitig.

Das erste größere Problem hingegen ist der Anschluss des Lüfter-Steckers. Die Versorgung der drei Gehäuselüfter erfolgt nämlich über einen vierpoligen Stecker, der theoretisch perfekt in den vierpoligen Anschluss am Netzteil passt. Praktisch sind die Pins aber jeweils um den Bruchteil eines Millimeters verschoben, ein einfaches Stecken gibt es deshalb nicht. Der Erfinder-Schuh ist erfinderisch und biegt ein bisschen mit einem Schraubenzieher herum – nach ungefähr zwanzig Minuten finden somit die Pins ihr neues Zuhause.

Netzteil: Check. Dann kann sich der Rest ja nur mehr im Minuten handeln, ne? Ne. //Foto des Autors

Netzteil: Check. Dann kann sich der Rest ja nur mehr im Minuten handeln, ne? Ne. //Foto des Autors

19:00

Nun geht es ans Eingemachte: Die schnittig aussehenden Teile wollen verbaut werden. Das ist nach wie vor (ja, meine Schulzeit ist schon eine Zeit her und damals gab es noch viel mehr Kabel!) eine verhedderte Angelegenheit, sieht aber dank der gut verbauten Kabelführungen des Cooltek-Gehäuses zumindest geordnet verheddert. Wenn man denn einmal herausgefunden hat, wie die Designer sich das System überlegt haben, sieht’s echt fein aus.

Gesammelte Werke: Kommt rein und macht mir ein schnelles System! //Foto des Autors

Gesammelte Werke: Kommt rein und macht mir ein schnelles System! //Foto des Autors

Sehr praktisch und wichtig ist dabei, die Anleitung von Mainboard und Gehäuse aufgeschlagen zu haben. Manche Hersteller schaffen es nämlich, von standardisierten Pinbelegungen abzuweichen, womit man hocheffizient seine neue Hardware grillen könnte. Glücklicherweise habe ich bei smarten Herstellern eingekauft, die sich an Standards halten können – keine Probleme an dieser Front. Alle Stecker springen geradezu in ihre vorgesehenen Sockel, sieht man davon ab, dass aufgrund der Mini-ATX-Bauweise an manchen Stellen wenig Platz ist. Das mündet dann in verrenkten Fingern, die herumdrücken und -schieben, bis alles an seinem Platz ist.

Pimp my Motherboard: Warum Bauteile mit dem Branding "Gaming" immer aussehen wie Sportwagen, wird mir ein Rätsel bleiben. //Foto des Autors

Pimp my Motherboard: Warum Bauteile mit dem Branding „Gaming“ immer aussehen wie Sportwagen, wird mir ein Rätsel bleiben. //Foto des Autors

20:00 – 22:00

Ach, ich fühle mich wie in der guten alten Schulzeit. PC zusammenbasteln hat schon etwas leicht Meditatives, vor allem, wenn man mal im „Flow“ gelandet ist. Alles läuft, alle Kabel sind gut verlegt, und sobald die Grafikkarte in ihrem Slot gelandet ist, kann ich mir „Job well done!“ auf die Fahnen schreiben und glücklich auf den Einschaltknopf hämmern.

Alles an seinem Platz, alles hat seinen Platz: Die Endfertigung. Leider nur die der Hardware. //Foto des Autors

Alles an seinem Platz, alles hat seinen Platz: Die Endfertigung (noch ohne Grafikkarte). Leider nur die der Hardware. //Foto des Autors

Doch da gibt es ein kleines Problem: Nach dem Hämmern auf den Einschaltknopf sehe ich einen blauen Bildschirm – Windows begrüßt mich in bester Roulette-Manier mit einem „Rien ne va plus“. Nichts geht mehr.

22:00 – 2:30 und am folgenden Tag

Was hat sich also getan, das mir den Boot-Fehler mit der wunderschönen Nummer 0x0000007 einbringt? Nun, eigentlich hätte ich es mir eigentlich denken können: So, wie jedes Bauteil seine Treiber braucht, damit Windows mit ihm reden kann („Hi, wie geht’s dir? Was bist du? Kann ich dich essen oder machst du etwas Sinnvolles für mich, zum Beispiel Grafik?“), muss auch für das Mainboard ein entsprechender Treiber vorhanden sein. Will man also kein komplett neues Windows aufspielen, so sollte man schon vor dem Wechsel des Mainboards und des Prozessors Windows die entsprechenden Treiber beibringen. Das war bei mir leider keine Option, da der PC ja abgeraucht ist; ich stand also vor einem nicht funktionierenden Windows, dessen Registrierungsnummer ich nicht mehr auslesen konnte und von dem ich keine Recovery-DVD hatte – mit einem Wort schwierig.

Der Denkprozess bis zur Lösung war lange, aber sie selbst war dann vergleichsweise einfach: Ich habe in der Not von meinem kleinen Netbook aus noch eine OEM-Version von Windows von softwarebilliger.de gekauft, auf ebendiesem Netbook noch das Image für Windows heruntergeladen und aus diesem dann einen bootfähigen USB-Stick erstellt. Ich darf euch in kurzer Art und Weise berichten: Unter einem Linux-Derivat einen bootfähigen Windows-USB-Stick zu erstellen ist ein kompletter ARSCH voll Arbeit und nicht zu empfehlen. Wenn ihr euch nur einen Tipp aus diesem Artikel mitnehmt, dann diesen: Erstellt euch schon im Voraus einen Boot-USB-Stick, für alle Eventualitäten. Ihr werdet mir danken.

War dieses Hindernis erst aus dem Weg geschafft, war der Rest ein Kinderspiel: Windows installieren auf der blitzschnellen neuen SSD. Treiber einspielen (zum Glück mit dem Mainboard mitgeliefert – Windows hätte sie nicht erkannt). Updates einspielen (work in progress – Windows hat echt absurd viele Updates!). Steam und die ersten Spiele installieren.

Fertig.

Das fertige, schick-schwarze und ziemlich schnelle Werk. //Foto des Autors

Das fertige, schick-schwarze und ziemlich schnelle Werk. //Foto des Autors

The takeaway?

Was nehmen wir also mit von der Idee, ein PC-System selbst zu basteln? Zahlt es sich aus?

Nun, monetär macht es auf jeden Fall einen Unterschied. Ein Fertig-System mit entsprechenden Komponenten wäre gut 15% teurer gewesen und wäre wahrscheinlich mit einem ganzen Kanal voll Bloatware gekommen. Insofern spart man sich hier sogar ein bisschen Arbeit, diesen Müll wieder von der Platte zu verbannen.

Womit man aber auf jeden Fall rechnen muss ist eine Menge an Arbeitszeit. Dabei ist es noch vergleichsweise einfach (mit ein bisschen handwerklichem Geschick), die Komponenten entsprechend zusammenzustöpseln – sie dann dazu zu bringen, miteinander zu sprechen, kann noch einmal eine größere Herausforderung sein. Solltet ihr also erwägen, euer Mainboard und euren Prozessor zu tauschen, dann empfehle ich an dieser Stelle auch ein komplett neu aufgesetztes Windows. Das spart viel Zeit, Nerven und Arbeit.

Alles in Allem bin ich sehr zufrieden damit, was ich hier zusammengeschraubt habe – vielleicht komme ich in den nächsten Tagen noch dazu einen Leistungscheck zu machen und herauszufinden, welche Games denn in der kommenden Zeit noch auf meinem neuen Arbeitsgerät herumlaufen dürfen und können.

In diesem Sinne – danke für die Aufmerksamkeit!

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.

  • Michael Ferstl

    3h schrauben find ich aber echt sehr lang, hätte mit 1h gerechnet

    • derNeue

      Joah, das Problem war, dass ich immer wieder Bauteile neu rumsetzen musste bzw. immer wieder mal Kabel anders gelegt habe (Entscheidungsfreudigkeit olè).
      Und, um komplett ehrlich zu sein: Es kann auch sein, dass die tatsächliche Schrauberei auch ein wenig kürzer und die Software-Kämpfe länger waren. Ich habe irgendwann aufgehört, auf die Uhr zu sehen … ich war nervlich am Ende. Meine Freundin war auf einer Party und ich schraube am PC herum – das war zu viel für mich. 😀

      • Neue Hardware verschrauben oder auf eine Party gehen? Die Frage könnte nicht leichter zu beantworten sein!

        Btw: Hast hoffentlich ordentlich an der Hardware geschnüffelt? Der Geruch frischer PCBs spielt in der gleichen Liga mit Tankstellen, frisch gemähter Rasen und ein verregneter Tag am See. <3

  • Thomas

    Also 3h finde ich absolut realistisch, vor allem wenn man sowas vorher noch nie gemacht hab. Hab selbst erst kürzlich einen PC komplett alleine zusammengebaut und man stößt auf so einige Hürden wenn man sowas eben noch nie gemacht hat. Wie oft ich bei meiner Schrauberei einfach das Mainboard rein und raus gegeben habe, weil ich Teile vergessen habe, oder zu manchen Dingen einfach nicht anständig hingekommen bin. Das Kabelmanagement braucht auch einige Zeit bis man es versteht und die Kabel so verlegt, wie sie vom Gehäuse-Hersteller vorgesehen sind.

    Die meiste Zeit nimmt aber definitiv die Installation in Anspruch. Dabei ist das Aufsetzen im Gegensatz zu früher fast gar nicht mehr zeitaufwendig, aber bis man alle Windows-Updates installiert hat, können auch gut und gerne schon Tage vergehen. Vor allem dann, wenn man meint ein aktuelles System zu besitzen, weil Windows keine Updates mehr findet, aber dann plötzlich irgendwann doch noch einmal bemerkt, dass Windows Update selbst ein Update braucht. Das nervt und kostet imo sinnlos Zeit.

    • derNeue

      My point exactly. Bin noch immer nicht ganz mit den Updates, Treibern und größeren Programmen (Photoshop, AfterEffects, …) durch – aber Hauptsache Steam und Dark Souls laufen. 🙂 Und was mich wirklich begeistert: Installationen und Ladevorgänge auf der SSD. Das macht nur mehr wooooosh, woooooooosh, wooooooooooooosh.
      Und naja, das erste Mal war’s ja nicht gerade. Wie gesagt hab‘ ich eine HTL für Technische Informatik gemacht, also hab‘ ich schon Erfahrung. Ist nur einfach lange her.

      • Thomas

        Das mit der Erfahrung hast du bissl falsch verstanden. Ich hab früher auch schon PCs zusammengeschraubt, aber eben noch nie alles von Grund auf, sondern alle Teile irgendwann mal ausgetauscht, aber halt immer laufend und nicht alles auf einmal. Beim nächsten Mal weiß ich zb, dass ich das Mainboard erst am Ende reinschraube, wenn schon alle anderen Komponenten an ihrem Platz sind. 😀

        Der Kampf mit der CPU-Kühlung hat auch sicher auch eine ganze Stunde gedauert. Da sind die Anleitungen mehr als dürftig, aber immerhin läuft jetzt alles wunderbar. 😀

  • Michael Ferstl

    Kommt ja auch drauf an, wieviel Bier man während dem Schrauben benötigt.

    • derNeue

      Hatte keines daheim. Schwerer Fehler. Gebraucht hätte ich’s.
      Dringend. 🙂