PC-Journey Teil 1: Der Trennungsschmerz

Darf ich euch schnell von einer Woche erzählen, in der einfach alles schief ging? Ernsthaft. Alles. Da wäre zum einen das Faktum, dass ich mal wieder ordentlich krank bin – Grippeviren kuscheln anscheinend gerne mit mir und würden mich am liebsten gar nicht mehr verlassen. Dann war da noch mein Fieberwahn-Stunt: Mitten im Krankenstand bildete ich mir ein, dass jetzt eine super Zeit für „Hey, ich schraube einfach mal an der Gasheizungstherme herum“ sei.

Beschränken wir uns darauf zu sagen, dass ich jetzt weiß, wie viel Wasser aus einem Überdruckventil herauskommen kann.

Mehr Drama, Baby!

Das unangenehmste Ereignis der Woche (und der eigentliche Anlass für diesen und kommende Einträge) war allerdings ein technisches. Nachdem ich mich gerade noch immer mitten im Umzug befinde – was auch die geringere Anzahl an Posts meinerseits erklärt -, war es diese Woche an der Zeit, meinen treuen Kompagnon von und zu Stand-PC in seine neue Bleibe zu übersiedeln. Schnellbeschreibung: Schwarz, mittelgroß, schwer, als halbwegs potentes Fertig-Set bei MediaMarkt gekauft und später mit einer Nvidia GTX 660 nachgerüstet. Kurz gesagt ein halbwegs brauchbares Spielegerät, auf dem  aber auch ein Teil meiner Arbeit und mein Medienleben stattfindet.

Ihr ahnt mittlerweile, wohin das alles führt, oder? Angekommen im neuen Heim begannen die Macken: Anstatt zu starten begrüßte mich mein Tower nur mit einem kläglichen „Piiiiiiiieps“. Dauerhaft. Kacke, dachte ich, was ist denn da los? Nach ein paar Mal Ein- und Ausschalten ging das Geraffel auf einmal wieder und ich vermutete nur einen Hardware-Schluckauf.

Eine unscharfe PC-Leiche nach der Obduktion. Eine Träne wurde vielleicht vergossen. //Foto durch den Autor

Eine unscharfe PC-Leiche nach der Obduktion. Eine Träne wurde vielleicht vergossen. //Foto durch den Autor

Exitus

Der nächste Tag brachte dann die traurige Gewissheit, dass es doch mehr war. Trotz stundenlanger Versuche, das Ding hochzufahren, gab es keine Chance mehr. Nur noch Pieps. Nachdem ich in einem vorigen Leben auch eine EDV-Technik-Ausbildung genossen hatte, machte ich mich an die Diagnose der einzelnen Bauteile. RAM okay, Netzteil okay, Grafikkarte okay … das ließ nur zwei schmerzhafte Urteile übrig.

Nach einem kurzen Spaziergang zum PC-Shop um die Ecke wurde ich bestätigt: Entweder der Prozessor oder das Mainboard (oder beides) ist über den Jordan gegangen, Reparatur unmöglich, Austausch der baugleichen Komponenten wird teuer. Mit anderen Worten: Zeit, sich eine Alternative zum 3,5 Jahre alten Gerät zu überlegen. Doch es sollte keine Fertigmaschine sein, denn ein starkes Netzteil und eine brauchbare Grafikkarte sind ja noch vorhanden – selbst ist der Mann und sucht Einzelkomponenten!

Die gesammelten Bauteile, die noch verwendet werden, staubsicher eingepackt. Und Hippokrates hat sich auch ins Bild geschlichen. //Foto durch den Autor

Die gesammelten Bauteile, die noch verwendet werden, staubsicher eingepackt. Und Hippokrates hat sich auch ins Bild geschlichen. //Foto durch den Autor

Silentium

Einfacher gesagt als getan, bei dem ganzen Angebot, das da draußen herumlungert – und auch der PC-Artikel von Kollege Chris war mir in dem Fall leider keine Hilfe. Ein großer Vorteil des Internet ist aber, dass es umso bessere Suchergebnisse liefert, je genauer man weiß, was man mit seinem zukünftigen PC denn machen will. In meinem Fall: Arbeiten, Zocken (muss nicht auf MaxDetail UltraHiRes 600xAntiAliasing sein) und ein wenig Video- sowie Bildbearbeitung. Das bedeutet übersetzt: Die Grafikkarte (Nvidia GTX 660) wird auf jeden Fall mitgenommen, ebenso das Corsair-Netzteil, das mehr als genug Saft für alle mitbringt.

Bleibt nur noch die Frage nach Mainboard, Prozessor und Arbeitsspeicher. Und da ich mich abenteuerlich fühlte, wollte ich die Mistsituation auch gleich für zwei zusätzliche Upgrades nutzen: Die Zukunft sollte leise sein, weswegen ein Silent-Gehäuse ins Haus musste (der PC fungiert auch als Film-Zentrum und hat mir schon manche dramatisch-leise Szene mit plötzlichem Lüfter-Wirbelsturm verhunzt), und sie sollte auch schneller geladen sein, was eine SSD-Festplatte verlangt. Kurzer Ausflug ins Technische: SSDs haben im Gegensatz zu normalen Festplatten keine mechanischen Teile, sondern funktionieren wie absurd große Speicherkarten. Am richtigen Anschluss untergebracht lesen und schreiben sie Daten so um bis zu zehn Mal schneller als herkömmliche Festplatten – ideal also Heimatort für das Betriebssystem und ladeintensive Programme (PhotoShop, AfterEffects,…).

Nach einigem Hin- und Herrecherieren durch die Weiten des Internet darf ich also hier meine Shopping-Liste für ein zukunftssicheres PC-Paket präsentieren. Die einzige „schwächere“ Stelle ist die Grafikkarte, die vielleicht in ein oder zwei Jahre ein Upgrade vertragen kann – sie hat aber auch schon zwei Jahre auf dem Buckel.

  • Cooltek Antiphon Black: Silent-Tower sind normalerweise eher im teureren Preissegment angesiedelt. Cooltek bietet hier einen mehrfachen Testsieger für verhältnismäßig schmales Geld an – einziges Manko sind die kurzen Anschlusskabel für die drei eingebauten Lüfter, die somit nicht frei im Tower verteilt werden können. Ansonsten in Sachen Preis-Leistung nicht zu schlagen.
  • Intel Core i5 4690K: Ein Prozessor der sehr gehobenen Mittelklasse. Nachdem die Hyperthreading-Technologie (virtuelle Verdoppelung der Prozesse, die gleichzeitig abgearbeitet werden können) der höheren Entwicklungsstufe i7 von sehr wenigen Games unterstützt wird und es für mich nicht ins Gewicht fällt, wenn das Rendern von einem Video mal ein bisschen länger dauert, fällt die Wahl auf diesen Chip – auch, um Mehrkosten zu sparen. Außerdem deutet das „K“ im Namen darauf hin, dass man ihn mit einem entsprechenden Mainboard noch sicher übertakten kann
  • ASRock Fatal1ty Z97 Killer: Ein Mainboard mit so einem pseudocoolen Namen lässt Schlimmstes vermuten, doch hinter dem Gangster-Kiddie-Slang verbirgt sich ein Brett an Steckplätzen, USB 3.0-Verbindungen, High-Speed-Anschlüssen für die SSD sowie einer sehr brauchbaren On-Board-Soundkarte. Das BIOS („Betriebssystem“ des Mainboards) ist Tests nach sehr intuitiv und verträgt sich gut mit dem erwähnten „K“ im Namen des Prozessors.
  • Crucial Ballistix Sport 8GB RAM: Wenn wir schon dabei sind, das ganze System zu überarbeiten, können wir auch gleich einen flotten und ausreichend großen Arbeitsspeicher reinknallen. In meinem Fall ist der Vorteil, dass ich noch einen 4 GB-Riegel übrig habe und das Mainboard genügend Steckplätze bietet, dass ich alles unterbringe – im Idealfall finden sich also bald 12 GB RAM im System wieder.
  • Samsung 128 GB SSD: Die angekündigte flinke Festplatte. Die Größe ist für meine Zwecke ausreichend, da hierauf wie gesagt nur das Betriebssytem und wichtige Programme laufen sollen – und vielleicht ein oder zwei Spiele. Hust hust.
    Wichtig beim SSD-Kauf: Von Kingston-SSDs derzeit absehen! Diese waren zwar früher günstig und gut, haben aber vor einigen Monaten Einzelbauteile (ohne Ankündigung) in neuen Platten gewechselt. Dadurch wurden sie zwar für den Hersteller billiger, sind aber insgesamt fehleranfälliger und langsamer geworden. An dieser Stelle lieber 15 Euro mehr investieren und dafür glücklich mit dem Produkt sein.

Puh. Das war’s also mit meiner Einkaufsliste. Nicht wenig und auch nicht komplett günstig (mit Liefergebühren knapp unter 600 €ulen), aber für das Paket mehr als fair.

Jetzt heißt es nur noch auf die gesammelten Bauteile warten und dann schrauben, schrauben und genießen – was natürlich auch hier dokumentiert wird.

Bis dahin würde ich mich über Input freuen: Wie habt ihr eure Systeme konfiguriert? Selbst gebaut, fertig gekauft? Warum bin ich ein Vollidiot, der sich nicht auskennt und alles falsch gekauft hat (das Feedback hab‘ ich immer am liebsten)? Kommentare, Tweets, ihr wisst wie’s funktioniert.

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.

  • manuelhndler

    Keine Kritik, nur eine kleine Anmerkung meinerseits. 😉

    Statt dem i5 hätte ich einen Xeon E3 1231 v3 genommen. Dieser ist laut Geihals genau so teuer wie dein i5 und bietet noch dazu Hyperthreading. Die Einsparung kommt durch die fehlende Grafikeinheit. Ist also ein billiger i7 sozusagen. 😉
    Zusätzlich würdest du hier beim Mainboard sparen, da du den billigeren Chipsatz H97 verwenden könntest, da du den Xeon nicht übertakten kannst.
    Durch die Current Gen Konsolen werden, denke ich, auch die Spiele in Zukunft von mehr Threads profitieren.

    Bei deinem Vorhaben, den alten RAM Riegel einzubauen:
    Es wird immer empfohlen die gleichen Riegel zu verbauen und immer in 2, bzw. 4 facher Ausführung, da der RAM im Dualchannel angebunden ist. 🙂

    Lg Manuel

    • derNeue

      Den Xeon hatte ich mir auch angeschaut, war mir aber dann doch zu unsicher, ob ich die Hyperthreading-Kiste überhaupt brauche. Klar, in der nächsten Zeit wird sich das Thema auch auf Games stärker ausbreiten – aber mit dem Mainboard kann ich auch später imnmer noch einen schnelleren / stärkeren Prozessor reinknallen. Bis dahin kann ich den 4690K ein bisschen höher takten und schauen, was passiert.

      Und ja, ich weiß noch aus der schönen HTL, dass man immer nur baugleiche RAM-Riegel reinbasteln sollte. Aber – und hier bewegen wir uns im sehr theoretischen Bereich, da ich nicht weiß, ob ich mir das antun will – ich könnte die zusätzlichen 4 GB immer nur für den Videoschnitt reinbasteln. Das einzige große Problem, das dann nämlich auftaucht ist, dass die schnelleren Riegel auf den Takt des langsameren Riegel runtergeschraubt werden – in meinem Fall wären das dann statt 1,6GHz noch immer 1,33GHz. Langsamer, aber auszuhalten, wenn ich dafür ein Drittel größere Videos auf einmal rausrendern kann. Wie gesagt – theoretisch. Ich lasse mich von meinem neuen System überraschen. 🙂