Ori and the Austrian Forest

Da ist es endlich. Die österreichische Seele fühlt sich befreit. Ein Games-Tophit auf Metacritic aus unserem Land. Das ist wie wenn Herman Lauda uns mit einem linken Schlenzer zum WM-Titel schießt und dabei die Gleichheit der Menschheit besingt. Nein, lieber Leser, das wird kein normales Review.

Ich hatte letzte Woche die Möglichkeit kurz mit Thomas Mahler, dem Mann hinter Ori, zu plaudern. Dem Gespräch vorangegangen war ein Interview mit dem webstandard, wo Herr Mahler mal schön die österreichische Szene zur Sau gemacht hat. Schlechte Ausbildung, schlechte Studios, schlechte Menschen. Hier könne man kein Studio aufbauen, es fehle einfach an Fachkräften. Witzig, denn schließlich wird in jedem heimischen Review von Ori and the Blind Forest darauf hingewiesen, dass es sich um eine österreichische Produktion handelt. In ausländischen Testberichten wird das übrigens nicht getan. Zwei Mal habe ich die Formulierung „internationales Projekt“ gefunden. Was es auch ist. Das knapp 15 Mann starke Team setzt sich aus vielen Nationalitäten zusammen, was auch Mahler gern betont. Immerhin zwei davon sind aus Österreich.

Aber sehen wir einmal davon ab was die Entwickler von der heimischen Szene halten und widmen wir uns dem Spiel, von dem aktuell alle reden. Vielleicht weil es sonst nicht viel gibt, aber auch, weil Ori einfach wirklich wunderschön geworden ist. Der Retro-Charme, gepaart mit moderner Technik, hat weltweit Spieler und Tester begeistert. Die meisten Spielmechaniken kennt man bereits aus unzähligen anderen Titeln, doch sind sie frisch zusammengemischt und knackig gewürzt, sodass man ähnlich oft stirbt wie das in diesem Zusammenhang gern zitierte Dark Souls. Wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, kennt man ähnliche Spiele natürlich schon seit NES-Zeiten, aber bei allem Gram, den ich gegen Herrn Mahlers pubertären Rundumschlag hege, Ori hat viel von dem, was man bei vielen Spielen vermisst – diesen Drang, weiterspielen zu wollen.

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Vier Jahre haben die Moon Studios an Ori gearbeitet. Die letzten beiden unter starker Mithilfe von Microsoft Xbox. Viel (berechtigte) Vorberichterstattung, ein Orchester für den Soundtrack, schier unendlich viel Geld in den Marketingmühlen zermahlen – am Ende hat es sich gelohnt. In jedem Fall für die Moon Studios, schließlich ist Ori ihr Debuttitel, und vielleicht auch für die Xbox One, die mit einem solch corigen Titel in den Foren dieser Welt aufhorchen lässt. Ob sich jemand tatsächlich für Ori eine Xbox One zulegen wird ist zu bezweifeln – den Titel gibt es auch für den PC -, aber zumindest braucht es vielleicht im Weihnachtsgeschäft „nur“ noch ein Halo oder Gears of War, um Skeptiker endgültig zum Kauf einer grünen Konsole zu bewegen.

Aber was passiert eigentlich nach Ori? Werden die Moon Studios ähnlich wie Peter Molyneux oder Cliffy B. die nächsten zehn Jahre an einer Marke arbeiten (müssen), bis sie ihr Studio und damit Microsoft verlassen? Mitnichten. Die gute Zusammenarbeit zwischen Mahler und Xbox wird immer gelobt, aber mit ein wenig Glück überbieten sich in den nächsten Monaten Activision und Co. mit Angeboten und machen aus den Moon Studios ein Multiplattform-Studio. Ob dann erneut vier Jahre für ein neues Projekt zur Verfügung stehen ist zwar unwahrscheinlich, aber das Talent für einen weiteren Hit ist sicher vorhanden. Deshalb an dieser Stelle nochmal meine Glückwünsche in Richtung Thomas Mahler. Ich bin sehr gespannt, was wir in den nächsten zehn Jahren noch von dir sehen werden.

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Oh, bevor wir es vergessen. Wir dürfen auch ein tolles Gewinnspiel in Kooperation mit Xbox Österreich anbieten. Eine Xbox One? Ne, die hat der webstandard bekommen, aber eine Kappe und eine Xbox-Hülle* haben wir im Angebot? Was ihr dafür machen müsst? Schreibt uns ein Comment. Muss nicht mal besonders kreativ sein. Viel Glück!

*Xbox-Hülle: was ist das? Das ist ein Ding, wo ihr eure Xbox One Schachtel vor Staub schützen könnt. Braucht man das? Schwierige Frage. Aber die Kappe is cool! 🙂

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Written by: Alexander Amon

Motivator Ich bin seit ca. 12 Jahren redaktionell mit Videospielen verbunden und war zuletzt Chefredakteur des Fachmagazins für Computer- und Videospiele consol.AT und ihren deutsch-schweizerischen Ableger consolPLUS. Aktuell bin ich PR Manager beim Spieleentwickler Sproing, gebe auf dieser Website allerdings nur meinen privaten Senf zur allgemeinen Situation ab. CONTINUE betreue ich redaktionell und emotional, diene in vielen Punkten als Ansprechpartner und Koordinator. Bei Fragen und/oder Anmerkungen schreiben Sie mir doch einfach an amon@continue-magazin.at. Besten Dank und bis bald.

  • Bernhard R.

    Ein Traum von einem Spiel. Ich kann mich noch erinnern, als ich das Game auf der Gamecity letztes Jahr anspielen konnte – es war Liebe auf den ersten Blick. Gameplay, Grafik, Sound, Leveldesign,… alles perfekt. tatsächlich gibt es nichts, was ich kritisieren könnte. Jaaa, sogar den Schwierigkeitsgrad finde ich passend 😉

    Jetzt warte ich noch auf die (mehr als verdiente) Retail-Special-Edition und den Soundtrack auf CD – und alles ist perfekt 🙂

  • Michael Ferstl

    Ich glaub ich bin der Einzige, der dieses Spiel absolut zum einschlafen findet. Trotzdem stolz darauf das ein teilweise österreichisches Spiel die Welt erobert