Nintendo und das Problem der Neuzeit

Die Geschichte wiederholt sich spätestens zur Veröffentlichung neuer Hardware immer wieder: alle belächeln Nintendo und schimpfen sie tot. Auch wenn Letzteres wohl nur ein Wunschdenken von absoluten Nintendo-Gegnern ist, hat der Traditionskonzert aus Japan dennoch ein großes Problem – oder auch mehrere.

So ziemlich jeder, der im letzten Millennium geboren wurde, ist mit einer Nintendo-Konsole aufgewachsen. Sei es das Nintendo Entertainment System, Super NES oder der GameBoy. Viele werden auch noch das Nintendo 64 als prägende Jugend-Konsole nennen können, hat es uns doch alle endlich in die fantastische 3D-Welt der bis dato geliebten Franchises gebracht. Aber im Laufe der Zeit stemmten auch Nintendos Konkurrenten ihre Flaggschiffe aus dem Boden und kopierten oft nicht nur unverschämt, sondern eben auch besser. Der schleichende Untergang hatte begonnen.

Die prägendste Konsole meiner Kindheit: Das Nintendo 64.

Die prägendste Konsole meiner Kindheit: Das Nintendo 64.

Prinzipiell könnte ja jeder von uns sagen, dass es egal wäre und wir keine Gedanken dran verschwenden sollten. Aber insgeheim ist uns allen Nintendo doch noch viel wert, nicht nur aufgrund der Vergangenheit, sondern, weil wir auch weiterhin großartige Zelda-, Mario- oder auch Metroid-Spiele erleben wollen. Ohne Nintendo ist das nicht möglich. Ein Sterben ist also ausgeschlossen und auch die Mitstreiter im Konsolen-Geschäft sollte daran festhalten, denn Konkurrenz belebt Innovation, die uns Nintendo schon mehrmals gebracht hat, und ohne dessen würde uns allen wohl schnell langweilig werden. Was kann Nintendo also tun, um wieder vorne mitzuspielen und sich auch mit Fans der ersten Stunde zu versöhnen?

Online als Fremdwort

Ich möchte nach und nach die einzelnen Bereiche ansprechen und beginne mit dem wohl größten Problemkind von Nintendo: das Online-System. Angefangen hat alles am Nintendo DS und der Nintendo Wi-Fi Connection. Zugegeben, als der revolutionäre Handheld im Jahre 2004 den Markt stürmte, steckte das Online System noch in den Kinderschuhen. Microsoft hatte zwar erfolgreich Xbox Live ins Leben gerufen und auch die PlayStation 2 hatte ihre Online-Funktionalität, aber richtig „State of the Art“ war das Ganze noch nicht. Nintendo entschied sich den Weg mit Freundescodes zu gehen, welche eine Aneinanderreihung zufällig zugewiesener Zahlen an die Hardware sind. Es stellte sich bald heraus, dass all das natürlich eine Schnapsidee war. Man musste den Code eines Freundes im System hinzufügen und auch dieser musste das selbe machen, um Freundschaft zu schließen. Es gab keine Anfragen, die man einfach nur annehmen muss. Umständlich wäre ein noch zu gütiger Begriff dafür.

Nintendo Wi-Fi Connection

Die Jahre vergingen und die Wii löste den violetten Würfel ab. Man hoffte auf Besserung und bekam lediglich eine Faust ins Gesicht. Auch Nintendos meistverkaufte Heimkonsole nutzte Freundescodes. Online gegen Freunde zu spielen war nur in wenigen Spielen wirklich einwandfrei möglich, sofern diese das überhaupt unterstützten. Nachrichten an Freunde zu schicken war ebenfalls eine Tortur: Man konnte quasi nur einen „Gästebucheintrag“ im Journal eines Freundes hinterlassen, welche auch noch mit reichlich Verspätung ankamen. Freundeslisten gab es zwar, aber ein Eintrag im Telefonbuch war hilfreicher, als das. Zusammenfassend kann man sagen, dass Nintendo nicht wirklich verstanden hat, was Xbox Live so beliebt und erfolgreich gemacht hat. Und Microsoft knallte zusammen mit der Xbox 360 das nochmals überarbeitete Xbox Live Erlebnis ein ganzes Jahr früher auf den Markt, als die Konkurrenz ihre neuen Konsolen. Es wäre also genügend Zeit geblieben, um rechtzeitig nachzubessern.

Dann kam der Nintendo 3DS. Mit Freundescodes. Noch dazu wieder an die Hardware gebunden. Aber wir akzeptierten es und staunten über den 3D-Effekt. Nintendo wusste eben noch von ihren Mankos abzulenken und spätestens mit dem Launch der Wii U wurden viele Gebete erhört. Aber eben auch nicht alle. Das Online-System wurde um die Nintendo Network ID erweitert und man konnte erstmals einen Account anlegen und diesen auf sämtlichen Geräten nutzen. Moment mal, wirklich? Nicht von Anfang an! Der Nintendo 3DS erhielt erst fast ein Jahr später einen Patch, um das zu ermöglichen. Eigentlich unglaublich, wie viel Zeit hier vergangen ist, nur, damit am Ende wiederum eine Enttäuschung da stand: Der 3DS nutzte weiterhin die Freundescodes. Die Nintendo Network ID dient bis dato lediglich für die Registrierung des Geräts und Online-Käufe, nicht aber für Online-Play und Freundeslisten.

Das Lächerlichste an den ganzen Freundescodes ist allerdings, dass Nintendo es stets untersagt, diese per Nachrichten auf den Konsolen, im Audio-Chat oder in Foren bzw. dem Rest des Internets preiszugeben. Damit ist ein Freundessystem ohnehin ad absurdum geführt, nur folgender Hinweis stößt mir seit Kurzem auch auf der Wii U wieder mal sauer auf, welche zwar endlich Nicknames verwendet, aber diese wohl auch ein Dorn in Nintendos Augen sind:

Nintendo Miiverse

Der Austausch von Nintendo Network IDs oder Freundescodes ist durch die Miiverse-Verhaltensrichtlinien untersagt. Ganz genau. Nintendo erschafft ein neues System der Online-Freundschaft und untersagt es gleichzeitig, neuen Freunde zu schließen. Mit Verlaub: Ich denke, ich bin immer noch selbst Herr meiner Entscheidungen, insbesondere mit wem ich meine bescheuerten Codes austauschen möchte. Ich suche einen würdigen Gegner für Super Smash Bros.? Dann darf es auch meine Sache sein, ob ich meinen Nickname oder meine Codes in Nachrichten teile. Hier wäre es also höchste Eisenbahn, dass die Verantwortlichen bei Nintendo ihren Stecken aus dem Arsch nehmen und im 21. Jahrhundert ankommen.

Das Konsolen-Interface

Konsole einschalten und sofort loslegen, das war das Motto der 90er. Immer wieder war eines der Hauptargumente zwischen Nintendo 64- und Playstation-Spielern, dass es auf ersterer Konsole schlichtweg keine Ladezeiten gab. Kids heutzutage werden wohl nichts mit dieser Aussage anzufangen wissen, aber das war eines der Killer-Argumente für mich. Wenn ich mich an beispielsweise FIFA ’99 zurückerinnere, welches ich am N64 quasi rund um die Uhr gespielt hatte, war der Ablauf etwa so: Konsole eingeschaltet, geilen EA-Slogan gehört, Sekunden später mit dem Ball am Feld rumgedribbelt. Hin und wieder war ich dann bei einem Freund zu besuch, welcher eine PlayStation, als auch FIFA ’98 sein Eigen nennen konnte. Nach dem Einschalten von Sonys Erstlingskonsole konnte man mal getrost einen Happen Essen gehen. Die minutenlangen Ladezeiten wurden nur durch das absolut zeitlose Intro des Spiel wieder wett gemacht. Ansonsten war das Erlebnis direkt aus der Hölle.

Das hat Nintendo dann auch lange so beibehalten, bis die Wii das erste Mal ein „HUB“ inklusive Menü und sämtlicher Einstellungsmöglichkeiten aufbot. Somit begannen auch die Tage der ladefreien Zeit zu schwinden. Das Interface war zwar einfach gehalten und wirkte nicht überladen, aber beim Zugriff auf Applikationen oder den eShop musste man wirklich aufpassen, dass man nebenbei nicht wegnickte. Updates für Retail-Spiele gab es zu dem Zeitpunkt noch keine, auch wenn einige Spiele mit Game-Breaking Glitches auf den Markt kamen. Da musste man dann seinen Spielstand zu Nintendo schicken, die das wieder in Ordnung brachten oder eine Ersatzdisk anfordern. Klingt wie aus der Steinzeit, war aber nun mal so.

Das Wii U Interface ist einfach und verspielt, aber auch verdammt langsam.

Das Wii U Interface ist einfach und verspielt, aber auch verdammt langsam.

Die Wii U setzte auf diesem Konzept auf: Einfach gehaltenes Menü am Gamepad und das Mii-Plaza am Fernseher. Leider hatte man auch die ewigen Ladezeiten der Vorgängerkonsole geerbt und das System war vor dem ersten großen Update nach dem Shitstorm der Benutzer quasi nicht bedienbar. Nach der Aktualisierung war das System zwar schneller, aber ist nach wie vor jenseits von vorzeigewürdig. Wo auf anderen Systemen Shop und wichtige News direkt in das Interface integriert sind, muss man bei Nintendo eigene Apps aufrufen oder in Menüs rumwursten. Nachrichten und Freunde, die gerade online gekommen sind, poppen nicht am Display zum schnellen visuellen Check auf oder führen mit Deeplinks zur jeweiligen App, sondern müssen separat angesteuert werden. Einzig und allein der Button am Gamepad leuchtet blau. Aber das kann vieles bedeuten: Ein Freund ist online, man hat eine neue Freundschaftsanfrage erhalten, ein Kommentar auf einen Beitrag wurde gepostet oder Nintendo schickt Spam per Spotpass. Also ein Ratespiel, welches nicht nur einen längeren Bart trägt, als ich gerade, sondern auch keineswegs up-to-date ist, im Vergleich zu anderen Systemen am Markt.

Die Software Updates erweitern das Problem durch ihre langsame Verbindung und der ebenso langsamen Installationszeit. Der Standby-Modus der Wii U lässt den Benutzer zwar im Hintergrund Updates herunterladen und installieren, legt man ein Spiel aber zum allerersten Mal ein, heißt es waaaaaa… ups, sorry, war kurz eingenickt.

Cross-Buy, Schmoss-Buy

Apropos Nintendo Network ID: Man möge davon ausgehen, dass, wenn ich einen Account auf verschiedenen Systemen nutze, auch meine Einkäufe übertragbar wären. Denkste! Was Apple auf iOS für iPhone und iPad bereits vorgemacht und Sony für PS3, PS4 und PS Vita nachgezogen hat, ist bei Nintendo offenbar nicht nur im Wörterbuch unauffindbar, sondern lässt auch jüngst keine Veränderung der konservativen Politik erkennen. Dabei geht es gar nicht um Titel wie beispielsweise Super Smash Bros., die zwar für Wii U und 3DS erschienen sind, jedoch einzeln gekauft werden müssen, sondern hauptsächlich um Virtual Console Spiele. Was viele vielleicht nicht wissen: Den eShop zum Download von Spielen hat Nintendo als erster der ‚Großen Drei‘ verwirklicht. Mit der Wii war es erstmals möglich alte Klassiker von diversen Systemen herunterzuladen und mit einem Classic-Controller zu spielen, der sämtliche Plattformen unterstützt. Der Preis wurde dabei sehr fair gestaltet und ich denke jeder von uns konnte einige Titel nachholen, die man in der Kindheit bzw. Jugend verpasst hat. Außerdem brachte Nintendo zuvor Japan-exklusive Titel in andere Territorien dieser Welt, was von allen Seiten sehr begrüßt wurde.

Virtual Console

Nun, zwei Konsolen später, hat Nintendo aber bereits mehrere Vögel abgeschossen. Angefangen beim Nintendo 3DS, wo man anfangs noch keine Verknüpfung zu einem gemeinsamen Account hatte, ließen wir uns alle noch einreden, dass es schwierig wäre, zu eruieren, was man gekauft hat und wie man das mit der Wii, die ebenfalls keine Account-Unterstützung hat, paaren sollte. Bereits hier machte sich der Ruf nach einem Nintendo-Account bemerkbar. Mit dem Release der Wii U war es möglich, die Daten und Einkäufe der Wii zu übertragen, da diese eine integrierte Emulation beinhaltet. Abwärtskompatibilität wurde bei Nintendo immer schon groß geschrieben. Aber: Käufe im eShop, welche man bereits auf der Wii getätigt hatte, sind nicht erneut kostenlos zu erstehen! Man muss einen kleinen „Upgrade-Preis“ bezahlen, der zwischen EUR 1,00-2,00 liegt. Begründet wird dies damit, dass man erneut Arbeit in die Emulation dieser Titel gesteckt hat. Nun gut.

Sony macht es vor: Sämtliche Spiele, die für mehr als eine Plattform verfügbar sind, sind in einem einzigen Einkauf enthalten.

Sony macht es vor: Spiele, die für mehr als eine Plattform verfügbar sind, sind in einem einzigen Einkauf enthalten.

Wie sieht es dann jetzt aber mit dem Nintendo 3DS aus? Nach der Verknüpfung mit der Nintendo Network ID sieht Nintendo ja, welche Titel man bereits auf der Wii, Wii U und dem 3DS erstanden hat und könnte uns ja eigentlich ohne Weiteres unsere oft schon mehrmals gekauften Klassiker kostenlos herunterladen lassen. Nope. Richtig dreist fand ich ja, dass die Spiele für das SNES jetzt auch exklusiv für den New(!) Nintendo 3DS kommen und alte Geräte ausgeschlossen werden. Es würde „technisch nicht machbar sein“. Bullshit. Aber was auf traurige Art und Weise richtig amüsant war, ist die Tatsache, bemerkt zu haben, dass SNES Spiele, die bereits auf Wii oder Wii U gekauft wurden, nicht mal annähernd im Preis verändert aufscheinen. „Du hast Earthbound bereits auf der Wii U gekauft und willst es jetzt am 3DS spielen? Na dann bedanken wir uns nochmals recht herzlich für weitere EUR 9,99 Vollpreis! Sincerly, Mr. In-your-face from Nintendo!“

Ihr denkt es geht nicht schlimmer? Dann werft mal einen Blick auf den DLC von Super Smash Bros. (3DS/Wii U) bzw. dem kürzlich erschienenen Hyrule Warrios Legends für 3DS, welches auch nur ein „Extended Port“ der Wii U Fassung ist. Hat man hier einen DLC für ein System seiner Wahl gekauft und besitzt beide Spiele, muss der DLC ebenfalls doppelt gekauft werden. Ein neuer Charakter für Super Smash Bros. gefällig? Mit EUR 3,99 auf der Wii U und weitere EUR 1,00 Aufpreis, damit dieser auch am 3DS spielbar ist, seid ihr dabei. Am Anfang nicht das Bundle für beide Systeme gekauft? Tja, Pech gehabt! Nochmals Vollpreis, danke schön. Es gibt übrigens auch Bundles, wenn man alle neuen Charaktere, Stages oder Kostüme auf einmal kaufen möchte. Nintendo verrechnet dann exakt den Preis, den die Einzelkäufe ausmachen würden. Willkommen im Jahre 2016.

Die Software

Waren Nintendo Spiele bis zum GameCube noch frisch, neu und interessant, so stumpften diese größtenteils ab, je mehr Iterationen einer Franchise wir durchleben durften–Schrägstrich–mussten. Nehmen wir das oft diskutierte Thema der Sprachausgabe, die in Nintendo Spielen schlichtweg nicht existiert. Natürlich lasse ich die Argumentation von Herrn Aonuma (Leitender Entwickler der Zelda-Reihe, Anm.) gelten, dass man nicht die Illusion eines Spielers zerstören und ihm ein gewisses Bild bzw. eine Stimme des gespielten Charakters aufzwingen möchte. Aber wenn man über den Tellerrand blickt, wird auch er schnell merken, dass das bei gefühlten 99% der Spiele am Markt eben funktioniert. Ein Ausnahme-Beispiel für Nintendo stellt Metroid: Other M dar, welches sowohl mit packend gerenderten Zwischensequenzen, als auch vollständiger Sprachausgabe punkten kann. Sogar Samus Aran, die Kopfgeldjägerin, in deren Rolle der Spieler schlüpft, wurde komplett synchronisiert. Als eingefleischter Metroid Fan stellt das meinen persönlichen Höhepunkt der Serie dar, wenn ich auf die Inszenierung blicke. Und ja, ich mag Metroid: Other M, auch wenn man über die Darstellung von Samus Aran und die Story an sich streiten kann.

Metroid: Other M konnte durch packende Cutscenes und Sprachausgabe punkten. Zur restlichen Nintendo-Politik senkt aber auch Samus Aran ihren Daumen.

Metroid: Other M konnte durch packende Cutscenes und Sprachausgabe punkten. Zur restlichen Nintendo-Politik senkt aber auch Samus Aran ihren Daumen.

Aber auch davor wurde in Metroid Prime 3: Corruption bereits damit experimentiert. Sämtliche Hunter und auch Offiziere waren mit einer Stimme gesegnet. Samus noch ausgenommen. Aber seien wir uns nun mal ehrlich: Würde es uns wirklich stören, wenn Charaktere in Nintendo Spielen plötzlich reden würden? Gut, wenn man den Hauptcharakter das nicht tun lassen möchte, von mir aus. Aber das bedeutet nicht, dass der Rest der Welt schweigen muss.

Nicht weit von Sprachausgabe entfernt sind die Animationen der Charaktere. Die übliche Technik bis vor 10 Jahren war die so genannte Keyframe-Animation. Diese wurde jedoch in der letzten Generation beinahe komplett durch Motion-Capture abgelöst, einem Verfahren, bei dem echte Schauspieler Bewegungen vollziehen, die als Animation gefilmt und in Spielen verwendet werden. Somit wirken die Bewegungen nicht nur authentisch, sondern tragen enorm zum immersiven Erlebnis bei. Nintendo nimmt bislang immer noch Abstand davon und damit wirken die Spiele nicht nur angestaubt, sondern sind technisch einfach veraltet. Auch hier muss man im neuen Jahrtausend ankommen und sich dem widmen.

Selbst Peach versteht den ganzen Textblödsinn nicht mehr.

Selbst Peach versteht den ganzen Textblödsinn nicht mehr.

Ein weiteres Problem zeichnet sich in der kontinuierlichen Verschlechterung vom Game-Design an sich und dem Einstieg in ein Spiel selbst ab. Seit geraumer Zeit versucht Nintendo zunehmens mehr und mehr Text in ihre Spiele zu klopfen. Nun stellt sich mir nur eine Frage: Welche Zielgruppe soll damit eigentlich angesprochen werden? Denn einerseits ist der Text auf Kindergartenniveau und zielt unausweichlich auf eine jüngere Zielgruppe ab, andererseits aber erschlagen einen die Textmassen, die sich doch kein Kind durchlesen kann und wird. Die stundenlangen Tutorials sind also für die einen lächerlich und nervig und für die anderen qualvoll und demotivierend.

Und wenn wir uns die Spiele selbst ansehen, dann merken wir, dass der Westen in der Gaming-Industrie einfach meilenweit davongezogen ist. Wenn mittlerweile sogar Indie-Studios bessere Spiele als ein Milliardenunternehmen macht, ist irgendwo der Wurm begraben. Interessantere Ideen, wunderschöne Art-Direction, orchestraler Soundtrack (den Nintendo erst mit Zelda: Skyward Sword im Jahre 2011 eingeführt hat!) und tiefgreifendere Spielmechaniken. Das Humble Bundle war immer wieder eine beliebte Anlaufstelle für unbekannte Perlen aus der Indie-Szene. Großgemacht hat diese Microsoft mit der Xbox Live Arcade. Seither sind die Indies nicht mehr wegzudenken und bringen immer wieder erstaunliche Knüller auf den Markt. Welch Ironie also, dass gerade die Wii U als die beste Plattform für Indie-Studios beworben wird. Hoffentlich ist sie nicht Nintendos Software-Untergang.

Die Hardware

Nun ist das böse Wort endlich gefallen. Auch ich war einer, der immer wieder vor sich hin posaunte: „Hardware-Specs sind nicht wichtig, die Spiele machen den Unterschied!“. Ja und nein. Wo in vergangenen Generationen Nintendo noch ungefähr gleichauf mit Konkurrenten war, macht sich der Unterschied spätestens seit der Wii enorm bemerkbar. Keine HD-Ausgabe, keine Möglichkeit DVDs/Blu-Rays oder andere Medien abzuspielen, schwache Konsolenleistung, welche 3rd-Party-Unterstützung ausschließt und folglich auch wenig interessante Spiele, außer hauseigener Unterhaltung. Wie bereits in Podcast #004 erwähnt, war die Enttäuschung der Wii für mich Kaufgrund einer Xbox 360 und folglich auch PlayStation 3. Ich wollte endlich Spiele spielen, die nicht nur grafisch beeindruckten, sondern auch durch die Leistungssteigerung der Konsolen neue Möglichkeiten boten. Außerdem bekam ich jedes mal Augenkrebs, wenn ich wieder zurück zur Wii wechselte.

Der Vergleich zwischen der Wii (SD) und Wii U (HD) Version von Twilight Princess ist enorm. – Quelle: IGN

Der Vergleich zwischen der Wii (SD) und Wii U (HD) Version von Twilight Princess ist enorm. – Quelle: IGN

Nintendo machte mit der Wii U den gleichen Fehler, wie schon zuvor mit der Wii. Wieder bestückte man die neue Hardware mit geringer Leistung, sodass nach anfänglichem Support alle 3rd-Parties absprangen und mittlerweile nur noch Nintendo selbst Spiele liefert. Oder auch nicht, denn sie kommen ja auch mit der Entwicklung nicht nach, um Löcher zu füllen. Und wenn dann mal Spiele zur Überbrückung erscheinen, dann enttäuschen sie meist mit lieblosen Umsetzungen, wie Mario Party 10 oder auch Mario Tennis, die selbst ihre Vorgänger mit Umfang und Spaß nochmals unterboten. Außerdem sind sowohl der Bildschirm des Wii U Gamepads, als auch der 3DS mit einer Auflösung der 90er ausgestattet. Wer schon mal auf Retina-Screens von Apple Geräten oder auch anderen aktuellen Smartphones geblickt hat, wird wohl seinen Augen nicht trauen können.

Jedenfalls ist die Blockade der 3rd-Parties natürlich nicht nur auf die schwache Leistung der Konsole zurückzuführen, sondern auch auf die Fehlkonzeption im Ganzen. Einerseits wurde die Ankündigung und Vermittlung, was die Wii U überhaupt sei, völlig in den Sand gesetzt und die Namensgebung war dann auch nur mehr die Spitze des Eisbergs. Viele Leute begreifen auch heute noch nicht, dass es eine eigenständige Konsole und keine Erweiterung zur Wii ist.

Und wo wir schon bei Hardware sind: Wie schon die Wii bietet auch die Wii U keinen Ethernet-Anschluss, um sich direkt mit dem Internet zu verbinden. Dies klappt ausschließlich per WLAN und davon hat Nintendo auch nicht unbedingt den stärksten Adapter eingebaut. Bei meinem Möbelverbau werden die meisten Signale gar nicht empfangen, sodass ich auf den LAN-Adapter der Wii zurückgreifen muss, welcher von Nintendo selbst schon lange nicht mehr produziert wird. Lucky me. Oder auch nicht, denn der LAN-Adapter ist signifikant langsamer als die WLAN Option, weil dieser nur USB 1.0 unterstützt. Well done, Nintendo.

Fazit

Das waren nur einige der Punkte, die man bei Nintendo anpacken sollte, dafür aber in meinen Augen die wichtigsten. Themen wie Lizenz-Vermarktung oder auch Streaming gießen sicherlich auch noch eine Menge Öl ins Feuer, sollen aber ein anderes Mal beleuchtet werden. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Nintendo endlich in der Neuzeit ankommt, auf seine Fans und User hört und sich auch mal von der Konkurrenz ein paar Dinge abschaut. Man hat mittlerweile auch den letzten Fanboy vergrault, bald geht auch das allerletzte Standby-Lämpchen aus. Nein, Nintendo wird nicht von der Bildfläche verschwinden und auch nicht untergehen. Dafür sind die finanziellen Barreserven zu groß. Dennoch werden sie sich schwer tun, sollte sich nicht bald was ändern, nochmals Fuß fassen zu können. Die Konkurrenz ist stark und auch den Kids von heute ist Nintendo kein Begriff mehr. Man kann nur drauf hoffen, dass sie mit der NX-Konsole wie Phönix aus der Asche emporsteigen und sich den Thron im Videospiel-Business zurückholen.

Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at

  • TiLMENᴰᴼᴹᴵᴺᴬᵀᴵᴼᴺ

    OMG!!! Also zuerst einmal…
    vielen lieben dank für diesen traurigen, doch zugleich wunderbar geschriebenen Artikel! Nahezu ALLE Punkte wiederspielen meine Meinung und ich habe noch immer eine Gänsehaut, weil ich seit langem zum ersten Mal „YEEEEEEEEESS GENAU DASSSSS DA“ raus schreien musste…nach nahezu jedem Absatz. Ich werde deinen Artikel Teilen und ich wünsche mir, dass jeder Gamer es lesen sollte!!!
    Vielen lieben dank nochmal ♥♥♥♥

    • Danke für die Blumen! Es tat auch ein wenig weh, den Artikel zu schreiben, Nintendo liegt ja auch mir enorm am Herzen. Seufz. //mp

  • Michael Ferstl

    Hast das eh auch an Nintendo weitergeleitet?