Nachlese zum Apple-Event: Geduld ist eine Tugend!

Neue Hardware von Apple? Die Hände werden schwitzig, ich weiß. Doch wartet noch mit dem Kauf: Die Vergangenheit lehrte es uns und so werden Watch und auch das neue MacBook mit Generation 2 oder 3 viele Kompromisse über Bord werfen.

Faszinierende Produkte mit einigen Kompromissen – das Problem erster Generationen bei Apple. Zwei neue Produkte aus Cupertino werden in den nächsten Wochen auf die Menschheit losgelassen. Eines ist nach 18 Stunden wieder stromhungrig, hat nicht so viele Sensoren wie geplant bekommen und setzt zwingend ein iPhone voraus. Das andere trennt sich von fast jeglichen Anschlüssen, ist langsam wie ein Notebook vor drei Jahren und kostet dafür 1.449 Euro.

Dick und funktionsarm: Was hält Apple für kommende Generation (bewusst) zurück? // Bildrecht: Apple Inc.

Dick und funktionsarm: Was hält Apple für kommende Generationen (bewusst) zurück? // Bildrecht: Apple Inc.

Ihr wisst es schon, die Rede ist von Apple Watch und dem neuen MacBook. Wieder einmal polarisierend, wieder einmal scheiden sich die Geister, ob es sich hierbei um ein Werk Gottes oder um elektronischen Schrott handelt. Early Adopters haben es einfach schwer bei Apple: Sie setzen zwar Trends und sorgen für Aufsehen, doch die Vergangenheit zeigte uns schon mehrfach, welchen Preis sie dafür zahlen.

Im Jahr 2008 präsentierte Steve Jobs das erste MacBook Air. Gefeiert für seine schlanken Maße, verteufelt wegen der Anschlussarmut. Neben dem MagSafe-Port und einem Kopfhörerausgang, befand sich nur noch ein einziger USB-Anschluss am Gerät. Ganz zu schweigen von dem damals noch relativ notwendigen aber gestrichenen CD/DVD-Laufwerk. Die Empörung war groß, Apple gab nach zwei Jahren endlich nach: Die neue Generation bekam einen weiteren USB-Port, es gab fortan zwei Größen, das 13″-Modell wurde sogar um einen Cardreader erweitert. Zeitgleich sanken die Maße, das Gewicht und der Preis.

Etwas drastischer gestaltete sich die Lage bei den iPads. Erstmals 2010 präsentiert, bereits ein Jahr darauf komplett überarbeitet. Dual-Core-CPU, doppelter Arbeitsspeicher, kompaktere Maße und deutlich leichter. Das iPad 2 verhalf Apple zum großen Tablet-Boom und wird sogar noch mit dem aktuellen iOS 8 versorgt, auf dem Ur-iPad war nach einem Major-Softwareupdate (iOS 5) Schluss.

Kommt Zeit, kommt Anschluss.

Soviel zur Vergangenheit, werfen wir unsere continue’sche Glaskugel mit dem erlangten Wissen für die beiden neuen Produkte an: Neben den obligatorischen Verbesserungen, höhere Leistung und bessere Laufzeiten dank neuer Technik, muss Apple der Watch unbedingt mehr Funktionsumfang spendieren und die Bindung an das iPhone (Stichwort: GPS) verringern. Ein Smartphone voraussetzen ist logisch und notwendig, sowie wirtschaftlich wichtig, da es das Zugpferd des Herstellers ist. Außerdem problematisch sind die noch wenigen (wirklich sinnvollen) Apps für die Uhr. Warten würde sich also doppelt auszahlen, bis Dritthersteller brauchbaren Code auf euer Handgelenk zaubern.

Mutig und doch töricht: Das neue MacBook besitzt einen(!) USB-3.1-Typ-C-Anschluss // Bildrecht: Apple Inc.

Mutig und doch töricht: Das neue MacBook besitzt einen(!) USB-3.1-Typ-C-Anschluss // Bildrecht: Apple Inc.

Das MacBook ist indes eine ganz andere Baustelle. Eingeordnet zwischen der Air- und Pro-Serie, soll es einen neuen Markt erschließen. Das Lifestyle-Notebook für’s Surfen, Mails verfassen und Filme schauen ist geboren – für 1.449 Euro. Argh, was für ein Dilemma. Unfassbar dünn und leicht, lautlos dank des Core-M-Prozessors von Intel, ein Vibrations-Trackpad, endlich wieder in mehreren Farbtönen (Spacegrey und Gold) verfügbar und mit einem Hardwareporno erster Güte angepriesen, spricht es eben nicht nur Rich-Kids, sondern auch Techniknerds gleichermaßen an.

Doch was soll die zweite Fraktion mit nur einem USB 3.1-Anschluss vom Typ C? (Gratulation an Apple, sich einem einheitlichen Standard anzuschließen und kein eigenes Süppchen zu kochen!) Wir brauchen mehr Ports und vor allem mehr Dampf dahinter. Hinsichtlich der Performance angesiedelt zwischen lahmen Atom-Netbook und flinkem Ultrabook, schlägt der Preis nicht doppelt, sondern gleich dreifach unangenehm auf, zumal die angezogenen Europreise (1299 US-Dollar = 1.449 Euro) es in sich haben. Und dann hätten wir noch die 480p-Webcam im Jahr 2015, selbst das iPad mini der ersten Generation konnte da mehr. Die Community nimmt’s aber auch mit einem Lächeln und beschreibt die Lage mit einem schon jetzt kultigen Video.

Die Geschichte hat es uns gezeigt, die Indizien sprechen für sich und der technische Wandel sowieso: Wartet auf die nächsten Generationen von Watch und MacBook. Auch wenn es schwierig ist, haltet durch –  ich leide mit euch mit. Bis zum nächsten Modell-Upgrade werden einige Monate vergehen, die ersten Gerüchte und Leaks kündigen sich aber in einigen Wochen an, versprochen!

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.