Moorhuhn im Star Wars-Gewand

Pew pew pew – die Blaster tönen, die Sturmtruppen und Rebellen werden von ihnen niedergestreckt, die TIE-Fighter röhren. Und dennoch bleibt ein schaler Beigeschmack bei der Star Wars Battlefront-Beta hängen.

Alex Schuh

Eigentlich sind die Zutaten ja schon fast zu leicht vorgegeben: Ein großer Name – Star Wars. Eine früher geliebte Serie, die es wiederzubeleben gilt – Battlefront gab es ja schon zu früheren Zeiten. Eine unglaublich große Fanbase, die nur darauf wartet, dieses Spiel endlich kaufen zu dürfen und am besten noch ein paar Euro extra in den Sarlacc-Schlund der DLCs zu werfen.

Und dennoch – irgendwie zündet das Spiel bei mir nicht. Also, jetzt rein von der Beta-Phase her beurteilt, die dieses Wochenende auf sämtlichen Plattformen zu spielen war. Das mag einerseits damit zu tun haben, dass der Umfang der Beta (z.B. im Vergleich zur Black Ops 3-Beta) äußerst beschränkt war und nur einen sehr kleinen Einblick darauf gewährte, was im fertigen Spiel zu erwarten ist. Geschenkt – immerhin gibt es im Leben nix umsonst, und DICE wäre auch dumm gewesen, alle Inhalte reinzuschmeißen. Hauptsächlich war die Beta ja auch als Stresstest für die Server gedacht, denn wirklich grobe Balancing- und Programmierfehler könnte man so spät im Produktzyklus sowieso nicht mehr vor dem Release wegmachen. Ein bisschen mehr hätte dennoch sicher nicht geschadet, um den potentiellen Käufern zu zeigen, was man so im Plan stehen hat.

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Andererseits – und das ist für mich der triftigere Grund dafür, das Spiel anzuzweifeln – leidet es für mich persönlich unter dem Titanfall-Syndrom: Großer Hype, sieht wahnsinnig gut aus (auch auf schwächeren Rechnern – Riesenkompliment an dieser Stelle an DICE für diese Skalierbarkeit), klingt wunderschön und macht mit Freunden auch Spaß. Sobald aber die ersten Stunden Begeisterung abgeflaut und die Freunde vielleicht mal nicht mehr am Server sind, geht mein Spielspaß stark in Richtung Null. Wo ist das Waffenfeeling, das mir auch vermittelt, einen Blaster abzufeuern? Wo sind die Tweaks, mit denen ich mich ewig beschäftigen und genau _meinen_ Spielstil finden kann? Wo ist der Sinn darin, riesig große Maps zu haben, wenn man stellenweise das Gefühl hat, dass nirgends etwas los ist – und man nach dem Ableben auch noch ewig braucht, um wieder im Geschehen zu sein?

Star Wars: Battlefront hat mich am Beta-Wochenende zwar unterhalten, aber auch stark ernüchtert. Klar kriege ich beinahe einen Fangasm, wenn Darth Vader oder Luke Skywalker übers Schlachtfeld hampeln, AT-ATs herumstapfen und Snowtrooper den Hangar der Rebellen auf Hoth stürmen. Aber das alleine wird mir wahrscheinlich keine 60 € wert sein, denn es sind die drüberliegenden Qualitäten wie Balancing, Taktik, Spieltiefe und Personalisierbarkeit, die für mich in Online-Shootern wichtig sind. Dieser Hype wird wohl an mir vorüberziehen müssen – und vielleicht spiele ich dann ein halbes Jahr später zum verringerten Preis mit. Dann wird auch die Macht wieder mit mir sein.

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Christoph Liedtke

Multiplayer-Shooter haben einen schweren Stand bei mir: Seitdem ich mich in der Betaphase mit Counter-Strike infizierte, konnte sich, neben ein paar Runden Unreal Tournament oder Quake, nichts durchsetzen. Ich testete Battlefield, versuchte mich an Call of Duty und war im letzten Jahr besonders von Titanfall gehyped. Doch alle verwirkten ihre Chance, wenn es um das Waffenhandling und -feeling geht – sei es eine Eigenheit meinerseits oder doch nachgewiesener Fakt. Als Openminded-Spieler versuchte ich mich trotz allem an der Battlefront Beta und wurde zunächst auch positiv überrascht.

Die Frostbite 3-Engine zaubert detaillierte Landstriche, beeindruckende Explosionen und schöne Charaktermodelle auf den Monitor; lässt sich darüber hinaus auf dem PC nach Herzenslust konfigurieren. Selbst ein betagter PC sollte so schnell in spielbare FPS-Regionen vorstoßen, besonders bei Shootern hängt davon schnell euer Leben ab. Neben der Grafik beeindruckte mich die gewaltige Soundkulisse von Battlefront. Stampfende AT-ATs auf der Hoth-Map, knapp an mir vorbeizischende Tie-Fighter und tausende rote Laserschüsse untermalt von vertrauten Klängen des Star Wars-Universums – was will man mehr?

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Nachdem sich dieses lärmende Drumherum nach einigen Minuten legt, kommt das karge Grundgerüst des Spiels zum Vorschein, dass sich in erster Linie für den schnellen Einstieg und ebenso seichten und beiläufigen Zeitvertreib eignet: Mit wenigen Klicks stehe ich in der eisigen Hoth-Schlacht, entweder auf der übermächtigen Seite des Imperiums oder der schwächlenden Rebellion. Ohne Wahl werde ich einem Team zugeordnet, innerhalb dessen keine Klassen existieren. Einzig zwischen ein paar Gewehren und Extras darf ich varieren, um mich so auf die unterschiedlichen Modi und Maps anzupassen. Das sind nicht unbedingt negative Punkte, sie stören mich dennoch und kombiniert mit den folgenden Fehlentscheidungen, schlägt mir die dunkle Seite der Macht schwer auf den Magen:

  • Häufig lege ich weite Strecken ohne Feindkontakt zurück, um wenig später von einem Sniper oder einem verschanzter Stormtrooper erwischt zu werden.
  • Ich spawne ohne Einfluss an einem Punkt der Map, manchmal mit Feinden vor meiner Flinte, manchmal mit ihnen im Rücken – ärgerlich.
  • Lasersalven kann ich nach Belieben, ohne großes Verziehen oder gar mit Rücksicht auf Munitionsmangel versprühen, lediglich auf das Überhitzen muss geachtet werden.
  • Treffer jeglicher Art geben mir kein ansprechendes Feedback. Egal ob Arm-, Brust- oder Kopftreffer, einzig anhand der Statusmeldung und der Belohnung kann ich meinen Erfolg und mein Können einschätzen.
  • Es existiert kein Serverbrowser und auch das Spielen mit mehr als einem Freund war bislang ein Try-and-Error auf leeren Servern.
  • DICE verzichtet auf Einstiegsanimationen für Fahrzeuge, auch ein Blick auf das imperialische Cockpit des AT-ATs bleibt mir verwehrt.

Kurzum: Star Wars Battlefront will mit kurzweiligen, unkomplizierten und schnellen Partien locken, verscheucht mich als taktikliebenden Teamspieler und Equipment perfektionierenden Shooteranhänger allerdings nach wenigen Minuten. Für alle, die nur nebenher auf der Couch intergalaktische Kämpfe bestreiten wollen und über solch spezielle Gamerprobleme hinwegsehen können, wird der November wahrscheinlich zum Highlight des Jahres!

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Alexander Amon

Fazit: Da die Kollegen schon ausführlich ihre Meinung kund getan haben, möchte ich mich kurz fassen. Ja, Star Wars Battlefront scheint im Moment nicht perfekt zu sein und ich befürchte, auch die fertige Version wird viele Erwartungen einzelner Fans nicht erfüllen können. Aber: ich habe in den letzten Jahren selten das Gefühl gehabt, jede freie Minute vor der Konsole hocken zu wollen, um mich in einem Online-Shooter duellieren zu können – Battlefront löst das bei mir aus. Das Star Wars Flair schafft es mich noch immer zu verzaubern (vielleicht mehr als im Kino), der Sound ist der Knaller, die Spielmechaniken funktionieren (nein, es ist nicht Battlefield: Star Wars) und noch performe ich einigermaßen, sodass ich motiviert bin weiterzuleveln. Kein langes Einstellen irgendwelcher Perks, kaum taktische Überlegungen welche Waffe ich für welche Map einsetze … einsteigen, überleben. Mehr Ziele gibt es kaum. Erscheinen ausreichend Kartenpakete in den nächsten Monaten und passt das Balancing, dann werde ich die nächsten Monate vielen Rebellen das Fürchten lehren. Die Macht ist nämlich stark in mir. Ich schwöre!

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Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.