Möge der Saft mit euch sein!

Der 4. Mai kam und ging wie jedes Jahr. Dieses Mal hat er allerdings Spuren auf meiner Festplatte hinterlassen – folgt mir auf einem kleinen „trip down Memory Lane“ mit Star Wars – The Force Unleashed.

Ach, Star Wars. Viele Worte sind zu dir schon gesagt und geschrieben worden; du begleitest mich mittlerweile schon 20 Jahre lang durch mein Leben, hast mich mit Film-, Lese- und Spielstoff versorgt, bis die Augen rauchten. Deswegen begehe ich wie viele andere Star Wars-Jünger rund um den Globus jährlich am 4. Mai den Feiertag des Wortwitzes zu deinen Ehren (wer die letzten Jahrzehnte unter einem Stein gelebt hat: „May the force“ -> „May the fourth“. Geddit?), und in der Zeit des digitalen Einzelhandles gibt es für Kultisten wie mich diverse Möglichkeiten, um feierlich das Konto zu erleichtern. Und das ohne den Schreibtisch zu verlassen. Der Steam Store hat mich eiskalt erwischt: Ein Abverkauf auf diverse Spiele aus dem Star Wars-Universum, mit bis zu -80 %. Ja herrlich – wer da nicht zugreift, hat eine zu große Selbstbeherrschung!

Lichtschwert. Laser. Sturmtruppen. Ja, hier sind wir richtig. //Bildrecht bei mobygames.com

Lichtschwert. Laser. Sturmtruppen. Ja, hier sind wir richtig. //Bildrecht bei mobygames.com

Twisted Sith-ter

Ich konnte mich gerade noch meinen Patschefinger vom „Buy all“-Button fern halten, doch kam dieses Ausweichmanöver nicht ohne Kosten: Star Wars – The Force Unleashed ist nach kurzer rationaler Überlegung („Hey, das hat dir doch damals auf der Konsole so unglaublich gut gefallen, und irgendwas musst da ja jetzt kaufen…“) in meine Steam Library eingezogen. Sechs Euro. Ein Schnäppchen. Ist zwar ein Spiel, dass ich bereits für die PlayStation 3 besessen habe, aber hey, Abverkauf!

Einen Bezahl- und Downloadvorgang später war ich zurück im Weltall. Das aus alten Zeiten noch vertraute LucasArts-Logo empfing mich wie ein lang vermisster Freund, und alleine dafür hatte sich der Kauf ja schon fast ausgezahlt. Ein paar Drücker auf dem Controller später war ich im Spiel gelandet und war spontan frustriert: Wer hat mir denn die Texturen aus dem Spiel geklaut?

An dieser Stelle muss selbst der eingefleischteste Fan erkennen: Spiele altern. Gerade solche, die gefühlt „noch gar nicht so lange her“ sind, schockieren den geneigten Wiederspieler gerne mit verwaschenen Texturen, klobigen Animationen und Designmacken, die im heutigen Kanon der Entwicklerbibel längst nicht mehr zu finden sind. Dabei sind es im Fall von The Force Unleashed hauptsächlich die Texturen, die das Auge foltern. Zur Illustrierung: Nehmt ein handelsübliches Papiertaschentuch zur Hand. Malt ein post-expressionistisches Gemälde darauf. Schmeißt das Werk mit drei Messern und Weichspüler in die Waschmaschine. Voilà – ihr habt eine gute Annäherung an die Texturen aus dem Spiel.

Machtspiele

Als wahrer Fan der Serie sieht man jedoch hinter das Offensichtliche und gräbt tiefer. Dort fand ich dann genau das, was ich mir von einem Spiel aus dem Hause LucasArts erwarte: Eine Story, die das Universum des epischen Kampfes zwischen Imperium und Rebellion, zwischen Hell und Dunkel bereichert und erweitert. Mit der Story rund um den Sith-Jünger Starkiller, der zuerst der Schüler Darth Vaders und später der eigentliche Begründer der Rebellion wird, ist das dem Studio definitiv gelungen – ich wollte wissen, wie die Story-Fäden in die Geschichte eingewoben werden, die von den Filmen ja recht klar vorgegeben wurde. Das gelingt überraschend gut – die Logiklöcher halten sich im Rahmen. Dass manche der Charaktere unangenehm flach und wenig ausgebaut bleiben, ist ein Lapsus, über den ich gerne hinwegsehe.

Das wichtigste Feature des gesamten Spiels bleibt aber die Nutzung der Macht. Ja klar, was dachtet ihr denn? Als Seriengeek will man nun mal fühlen, wie es sich anfühlt, mit seinen Gedanken die Welt um sich beeinflussen zu können. Sieben Jahre nach dem Erscheinen des Spiels muss man sagen: Verdammt, das begeistert mich immer noch mehr als es wahrscheinlich sollte. Dabei meine ich weniger die handelsüblichen Lichtschwert-Duelle (eh auch lustig) oder die Blitze aus den Fingerspitzen (Gewitter gibt’s bei uns auch, dafür muss ich nicht in ferne Galaxien), sondern hauptsächlich die direkte Manipulation der Umgebung und der Objekte darin. Mit dem Machtstoß dekoriere ich einen kompletten Raum in Windeseile neu – inklusive kleiner Kollateralschäden aufseiten der Sturmtruppen – oder breche durch Blockaden durch, die für jeden minderen Menschen ein Hindernis werden. Doch ich bin Übermensch. Ich bin Jedi.

Wir öffnen Ihnen Türen. "Macht" den Weg frei. //Bildrecht bei mobygames.com

Wir öffnen Türen. „Macht“ den Weg frei. //Bildrecht bei mobygames.com

Aber … geht das?!

Und als Jedi / Sith verfüge ich über das geilste Feature in diesem Spiel: Den Machtgriff. Mit diesem schnappe ich per Triggerdruck ein beliebiges Objekt oder eine Person im Raum mit meinem Geist hochheben und dann entlang der drei Raumdimensionen manövrieren. Wird das zu langweilig, kann das gehobene Objekt mit hoher Geschwindigkeit auf  Opponenten geschossen werden. Kann zu Beginn nur ein Einzelobjekt kontrolliert werden, lernt man in den Ausbaustufen (looten und leveln, ihr kennt das) bis zu drei Gegenstände zu levitieren – oder eben quer durch den Raum zu schießen. Das macht absurd viel Spaß und gibt gleichzeitig ein Gefühl für die Macht, die ein Jedi besitzt, das ich bis zu dem Zeitpunkt noch in keinem Spiel hatte.

Doch mit dem Machtgriff können auch noch größere Dinge beeinflusst werden: Alles, was im Spiel zu groß für einen Machtstoß ist, ist meist ein Fall für den Griff. Riesige Tore in eine Festung des Imperiums? Die biegen wir einfach mal nach oben. Eine Brücke, die zu stark noch unten zeigt? Kleinigkeit – holen wir sie wieder in ihre rechte Position!

Und dann war da noch die Szene aus dem Trailer. Ja, auch LucasArts waren große Könner darin, wichtige Szenen aus dem Spiel bereits im Trailer zu verraten – ganz in der Tradition von vielen Filmtrailer-Produzenten. Falls ihr grade nicht auf den Link klicken wollt: Ja, der böse Sith-Lehrling holt in diesem Spiel tatsächlich mittels der Macht einen Sternenzerstörer vom Himmel. Nein, das macht nicht viel Sinn. Ja, die Szene spielt sich teilweise hakelig und würde heute wohl anders gelöst werden. Aber gottverdammt, fühlt es sich gut an, wenn man es geschafft hat. In Momenten wie diesem spürt man die komplette Epik dessen, was man im Bezug auf das Star Wars-Universum da gerade tut. Ho lee crap.

Ja, das passiert wirklich. Während man von TIEs beschossen wird. Wow. //Bildrecht bei Youtube

Ja, das passiert wirklich. Während man von TIEs beschossen wird. Wow. //Bildrecht bei Youtube

Ich möchte darum eine Idee anstoßen. Ja, ich weiß, dass wir dieses Jahr noch ein neues Battlefront bekommen. Ja, ich freue mich ebenso darauf, denn die letzten beiden Teile waren irrsinnig gut. Aber trotzdem hätte ich noch einen Vorschlag: Gebt uns ein neues The Force Unleashed (Teil zwei vergessen wir hier mal schnell – der war zu lieblos, um zu zählen). Gebt uns ein The Force Unleashed mit all den Nettigkeiten, die in den letzten sieben Jahren in dieser Industrie gelernt wurden: Offene Levels, die man frei erkunden kann. Ansprechende Grafik. Befriedigende Gameplay-Mechaniken, wie man sie aus Dark Souls kennt. Ich würde sterben für ein Star Wars-Spiel, das mich Kämpfe mit dem Lichtschwert so intensiv erleben lässt wie die Souls-Reihe. Gebt uns dieses Spiel, und verdammt noch mal, wir werden es kaufen. Und sieben Jahre später vielleicht noch einmal kaufen.

Ein Traum? Ja. Aber ein schöner. Mit etwas Verspätung: May the fourth be with you!

Written by: Alexander Schuh

Kaffeemaschinenbelagerer Und auf einmal bin ich wieder mittendrin. Eingestiegen in diese Branche ungefähr zwei Jahre vor dem Ende des großen C, hatte ich schnell einen Narren an den Irrungen, Wirrungen und Spaßungen gefressen, die das Erstellen von interessantem Content für Leser so bieten. Umso bitterer, als die Zeit dort endete und mich zurück ins Studium trieb. Nach dem ging´s dann den “klassischen” Weg mit seriösem Job entlang – was aber auf die Dauer auch nicht reicht, wenn man einen ganzen Affenzirkus im Kopf hat, den man gerne auch mal entlüften würde. Deswegen gibt´s diese Seite mit dieser Nase und denen links und rechts von hier. Feedback gerne unter schuh@continue-magazin.at oder über Twitter.