Mirror’s Edge Catalyst

Lange hat Faith auf eine Fortsetzung ihrer Geschichte warten lassen, nun ist sie endlich da. Leicht verändert und offener, als je zuvor.

Ganze acht Jahre nachdem DICE mit Mirror’s Edge einen Überraschungshit gelandet hat, beendet man nun mit Catalyst die lange Wartezeit der Fans auf den zweiten Teil des innovativen Spielerlebnisses. Dass das Phänomen ‚Parcours‘ seinen Höhepunkt schon so lange hinter sich hat, ist selbst mir kürzer vorgekommen, als gedacht. Aber die Zeit rennt nun mal unaufhaltsam vor sich hin und genau um das dreht sich auch wieder alles im lang ersehnten Nachfolger der Franchise.

Faith, bist du's?

Faith, bist du’s?

Nachdem sich Faith, die Protagonistin des Lauf-Spiels, offenbar einer Schönheits-OP unterzogen hat und mit einem markant verändertem Aussehen ins Rampenlicht tritt, findet ihr euch schnell wieder im Spielgeschehen zu recht. An der Steuerung aus der First-Person-Perspektive hat sich nicht viel geändert: Ihr springt, slidet und rennt von A nach B, zieht manchmal die Füßchen an, um nicht am Geländer hängen zu bleiben oder rollt euch ab, solltet ihr euch mal in der Höhe verschätzt haben, um nicht den Asphalt zu küssen. Besonderes Augenmerk wird im Tutorial jedoch bereits auf das Kampfgeschehen gelegt, was bereits zu diesem Zeitpunkt vermuten lässt, dass ihr diesmal nicht drum rumkommen werden, euch den Gegnern in eurem Weg zu stellen. Und das ist auch bereits ein großer Kritikpunkt in meinen Augen. Wenn ich der Parcours-Disziplin schon nachkomme, möchte ich doch so schnell wie möglich auch an Hindernissen vorbeieilen. Leider wird man immer wieder in Kämpfe gezwungen, bevor sich Türen öffnen oder wichtige Objekte einsammeln lassen. Geschmäcker sind natürlich verschieden, aber mir hat es sofort den Wind aus den Flügeln genommen und einen fahlen Beigeschmack hinterlassen.

Das Kampfgeschehen bremst euch immer wieder aus.

Das Kampfgeschehen bremst euch immer wieder aus.

Eine weitere große Neuerung ist das Open-World-Szenario. Habt ihr in ersten Teil der Reihe noch eine Story verfolgt, welche euch von Level zu Level führte, habt ihr in Catalyst eine große Karte, die ihr nach Belieben erkunden könnt. Gespickt mit vielen Geheimnissen, Herausforderungen und Sidequests bleibt es euch überlassen, wie ihr euren Spielfortschritt vorantreibt. Aber wie bei so vielen Open-World-Spielen ist auch hier die Umsetzung nicht von Vorteil. Man verliert dadurch leicht die Story aus dem Auge, wenn man zu sehr auf Erkundungstour geht. Glücklicherweise ist die Geschichte nicht wirklich bahnbrechend, als dass einem das unglücklich machen würde – aber unglücklicherweise ist die Story eben nicht gut und zeigt wenig sympathische oder komplexe Charaktere. Schade.

Damit es aber dann noch ein wenig anders als Teil eins wird, bekommt ihr im Laufe des Spiel einen Greifhaken, mit dem ihr euch in Spider-man-Manier durch die Lüfte schwingen könnt. Ein nettes Feature, welches in der Open-World definitiv Sinn macht und eure Routen erleichtert. Zusätzlich könnt ihr Faith auch mit neuen Skills ausrüsten, indem ihr im Spiel voranschreitet und Skill-Punkte sammelt. Bekommt ihr im Kampf oftmals eine auf die Zwölf, lassen sich auch Kampffähigkeiten verstärken, um am Ende nicht doof aus der Wäsche zu schauen. Hier wirkt das Spiel ein wenig unbalanciert, denn wenn man früh in Kampfeskunst invesiert, ist das Spiel beinahe zu einfach; vergisst man jedoch anfangs darauf, werden Kämpfe im Verlauf zur schier unbewältigbaren Qual.

Die Optik täuscht. Es ist eben nicht alles Gold, das glänzt.

Die Optik täuscht. Es ist eben nicht alles Gold, das glänzt.

Da Mirror’s Edge auf eine hohe Framerate und flüssiges Spielgeschehen abzielt, musste man (vor allem auf Konsolenversionen) einige Abstriche machen. Das, was einem sofort ins Auge fällt, sind die verwaschenen und alles andere als beeindruckenden Texturen. Eine Stadt, die von ihrem Artdesign leben sollte und mit knalligen Farben die Wege weist, sieht leider nur halb so prickelnd aus, wenn man sich an unschöner Optik stört und ablenken lässt. Auch Gesichter und Animationen der NPCs wirken altbacken. Schade, denn ganz ruckelfrei hat man das Spiel zumindest auf Konsolen dann auch nicht bekommen. Insgesamt wurde hier sehr viel Potential auf etwas optisch ganz wunderbares vergeudet.

Fazit

Mirror’s Edge Catalyst ist ziemlich bald von der Werbefläche nach Release verschwunden. Kaum wo, sieht man es beworben; es wirkt fast so, als hätte EA gewusst, dass es nicht der erhoffte Sommerhit wird. Zugegebenermaßen ist das Spiel für all jene, die sich an einer Open-World erfreuen und einfach nur durch die Stadt rennen und neue Rekorde erzielen wollen eine ganz klare Empfehlung. Voll ausgerüstet und mit allen Tricks gespickt, wird es eine Leichtigkeit sein, euch an die Spitze eurer Freundesliste zu rennen. Diejenigen, die sich aber mehr an einer guten Story erfreuen wollen, werden durch die Finger schauen. Story ist vorhanden, aber eher mittelmäßig präsentiert. Catalyst hat viele gute Ansätze, welche aber in der blassen Stadt verloren gehen. Ist es deshalb ein schlechtes Spiel? Keineswegs; aber es wird wohl ziemlich bald in Vergessenheit geraten, wie so viele Spiele heutzutage, die nur „more of the same“ sind. Teil eins war innovativ, Teil zwei ist es leider nicht.

WERTUNG: 7/10

Wir bedanken uns bei Electronic Arts für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at