Metroid Prime: Federation Force

Super Mario feiert seinen 30. Geburtstag, Link feiert seinen 30. Geburtstag … und was macht Samus? 

Es ist schon ein Jammer. Da haut Nintendo ein Jubiläums-Goodie nach dem anderen für ihre Franchises (u.a. Super Mario, The Legend of Zelda oder auch Kirby) auf den Markt und vergisst nach dem 25-jährigem Jubiläum nun auch den runden 30er von Kopfgeldjägerin Samus Aran. Dass Metroid eine ungeliebte Marke intern bei Nintendo ist, ist wohl offensichtlich, wird diese doch so stiefmütterlich behandelt. Nun warten Fans schon seit 2010 (bzw. all jene, die Metroid: Other M verteufeln bereits seit 2007 – der Veröffentlichung von Metroid Prime 3: Corruption) auf ein neues, episches Abenteuer mit einer der rar gesäten weiblichen Hauptdarstellerinnen in Videospielen. Doch da war ja noch etwas … Metroid Prime: Federation Force, welches mysteriös während der Nintendo World Championships 2015 – gleichzeitig zur E3 2015 – enthüllt wurde und so quasi das Geburtstagsgeschenk von Nintendo an die Fans von Samus Aran darstellen sollte. Enthüllt durch ein Fußball-ähnliches Mini-Spiel, zuerst noch unter „Blast Ball“ bekannt, ließ man einen Tag später die Bombe platzen und fügte einen berühmten Namen hinzu: „Metroid Prime: Blast Ball„. Metroid und Fußball – ob das gut geht?

Die Chibi-Optik trifft auf das Metroid-Universum.

Die Chibi-Optik trifft auf das Metroid-Universum.

Glücklicherweise stellte sich heraus, dass Blast Ball lediglich ein Minispiel ist, welches in Federation Force enthalten ist. Das eigentliche Spiel konzentriert sich auf eine Story im Metroid-Prime-Universum und eben dieser Zeit. Ihr spielt einen kleinen Chibi-Rekruten der Galaktischen Föderation und eure Aufgabe ist es, Missionen zu erledigen. Diese reichen von simplen Fahndungs-Missionen bis hin zur Eliminierung von gigantischen Widersachern. Das Ganze gestaltet sich aber etwas anders, als die Metroid-Spiele, die man bislang kannte. Nachdem Co-op bei Nintendo nun offenbar im Trend ist und auch die Zelda-Franchise schon ihren Ableger dazu bekommen hat, darf man nun auch hier mit bis zu drei weiteren Mitspieler ran, sowohl lokal als auch online. Was cool klingt, muss es aber leider nicht immer sein. Der Reihe nach: die Präsentation des Spiels ist bombastisch. Grafisch dürfte Federation Force das wohl bestaussehendste Spiel auf Nintendos Handheld sein und auch was die Soundkulisse betrifft, kann sich das Spiel wirklich hören lassen. Leider ist das Gameplay auf der Strecke geblieben und das auf mehrere Arten und Weisen.

Die Präsentation des Spiels ist sehr cineastisch gehalten.

Die Präsentation des Spiels ist sehr cineastisch gehalten.

Nehmen wir das Game-Design an sich. Man bekommt die unterschiedlichsten Missionen vor die Nase geworfen, welche sich auf drei einzigartige Planeten aufteilen. Man schlüpft als Soldat in seinen Chibi-Mech und rüstet ihn für die bevorstehende Aufgabe aus. Missiles, Reparaturcontainer oder auch Feuerschüsse müssen darin Platz finden, aber drei freischaltbare Slots an eurem Mech können dazu genutzt werden, um Upgrades zu installieren und den Platz zu erweitern oder euch stärker zu machen. Spielt ihr alleine, habt ihr die Möglichkeit bis zu drei Dronen als Begleiter auszuwählen, um nicht ganz allein durch die Weiten der Planeten zu hatschen. Seid ihr auf dem jeweiligen Planeten gelandet, findet ihr eine großzügig ausgelegte Map vor, welche oft nicht nur leer erscheint, sondern es auch ist. Oftmals durchquert man Räume, die völlig sinnlos sind und nur Zeit einnehmen, da man auch nicht wirklich mit Feuer unterm Hintern durch die Gegend rennt. Hat man dann die Aufgabe vor sich, stellt diese oft eine einfallslose Problemlösung dar. „Platziere Ball auf Podest“, „Besiege alle Gegner und öffne mit Schlüssel das Tor“, „Gehe vom Anfang des Levels bis zum Ende“. Es ist irgendwie steril, ganz ohne Charakterzüge oder Story-Entwicklung, wie man sie so sehr in der Prime-Trilogie geliebt hat. Auch wenn man sagen muss, dass einige Gegnertypen und auch die Umgebung sowie Steuerung enorm an Metroid Prime erinnern. Zumindest das hat man gut eingefangen.

Boss-Kämpfe sind oft unbalanced.

Boss-Kämpfe sind oft unbalanced.

Apropos Steuerung: abseits von den langweiligen und repetitiven Missionen der zirka 12-stündigen Kampagne spielt es sich zumindest hervorragend. Ihr könnt zwischen zwei Arten wählen. Zum einen mit Gyro-Sensor oder zum anderen mit dem rechten Stick des New 3DS. Ich kam mit ersterer besser zurecht, da man gezwungen ist, präzise zu zielen und dies mit einer kurzen Neigung des Geräts tiptop funktioniert. Vor allem bei Bosskämpfen kommt das gelegen, welche oftmals aber unbalanced sind bzw. nicht klar ist, warum ein Boss plötzlich einen One-Hit-Kill vollführt. Da kam des Öfteren leichtes Frustpotential auf. Außerdem ist das Spiel im späteren Verlauf in der Solo-Kampagne sehr unbalanced, sodass man fast gezwungen ist, jemanden mit ins Boot zu holen. Habt ihr die Mission dann geschafft, könnt ihr bis zu drei Medaillen pro Mission verdienen und einen Highscore einsacken. Ob das die Wiederspielbarkeit des Titels erhöhnt, will ich weder anzweifeln, noch bestätigen. Aber immerhin hätte man einen Grund, alles mehrmals zu spielen, sollte es beim ersten Versuch nicht perfekt gelingen.

Was Blast Ball angeht: Dieses gibt es derzeit (noch) im eShop sogar gratis als Standalone-Download zu holen und macht doch Spaß. Ihr tretet in einem 3-gegen-3 Spiel an und euer Ziel ist es mit eurer Beam-Waffe auf einen Ball zu schießen, damit dieser seinen Weg ins gegnerische Tor findet, welches nach jedem Treffer kleiner wird. Mehr ist’s auch schon nicht mehr. Aber oftmals sind die simplen Dinge doch die besseren.

Fazit

Was soll ich zu Federation Force als hardcore Metroid-Fan schreiben? Nun, würde ich das ‚Metroid Prime‚ im Titel nicht ausblenden können, würde ich dem Spiel eine glatte Absage erteilen. Themenverfehlung auf voller Linie. Aber nachdem es nur ein Spinoff darstellen soll, blicke ich mit einer gewissen Objektivität auf den Titel. Leider kam ich mir oft vor, als würde ich ein Smartphone-Spiel in den Händen halten, welches für Kids gedacht ist. Letzteres stimmt wohl so, da der Chibi-Look und die Simplizität der Story, sowie des Missions-Designs das vermuten lässt, aber über das fahle Gameplay komme ich dennoch nicht hinweg. Es macht leider nicht den erhofften Spaß, den man sich erwarten würde. Hier wäre viel mehr drin gewesen. Was versucht Federation Force also zu sein? Ein Metroid-Spiel, welches sich nicht verkauft oder ein Spinoff-Spiel mit „Metroid“ im Titel, damit es sich verkauft, aber nichts damit zu tun hat? Nun, beide Optionen ziehen den Zonk. Es heißt also weiter warten, auf das nächste richtige Abenteuer mit Samus Aran, wenn dies nicht bereits der finale Todesstoß für die Franchise war. See you next mission … maybe.

WERTUNG: 6/10

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at