Mechanische Glücksgefühle – Teil 1

Eine neue Tastatur sollte es werden. An einem Tag recherchieren, aussuchen und bestellen – so die Theorie. Die Wochen vergingen, ich versank in Foren, klickte mich analog durch Kaufhäuser, kaufte Gummiringe quer aus Europa und werde Unsummen für Kleinstauflagen von Tastenkappen ausgeben. Wie konnte es nur soweit kommen? Ein Erklärungsversuch.

Mechanische Tastaturen. Vor einigen Wochen noch kein Thema, heute schon zu einem essenziellen Bestandteil der Peripherie herangewachsen. Nur selten hatten meine Finger die Ehre gehabt, mechanische Schalter bis zum Anschlag drücken zu dürfen. Daher war ich der festen Überzeugung, ich bräuchte so etwas nicht. Meine Rubberdome erfüllte ihren Zweck, ich war vollkommen zufrieden… bis ich mich Anfang des Jahres mit ihren teuren Kontrahenten auseinander setzte und es mir immer mehr vor meiner „Gummimatte“ grauste.

Dieser präzise, immer gleiche, hochwertig anmutende Tastenanschlag ist kaum in Worte zu fassen, man muss es an den eigenen Fingern erleben!

Ich hatte eine ungefähre Vorstellung von dem, was ich wollte: Eine mechanische Tastatur ohne Numpad (Tenkeyless), Handballenablage und Gamerschickschnack. Das schränkte die Suchergebnisse stark ein, meine Zuversicht auf einen unkomplizierten Kauf wuchs.

Nach einer kurzen Recherche stand schon das Modell fest, namentlich Cooler Master Quick Fire Rapid-i. Zu meinen Wünschen gab es obendrein eine Beleuchtung – ein Feature, das ich am MacBook liebe und nicht mehr missen möchte. Doch bevor ich den Einkaufswagen befüllen konnte, musste wohl die wichtigste aller Fragen und zeitgleich Auslöser diverser Glaubenskriege innerhalb der Gamingcommunity geklärt werden: Welches Switch darf es denn sein?

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Die Rapid-i von Cooler Master erfüllte alle Anforderungen und bot obendrein noch eine Beleuchtung.

Drum prüfe, wer sich ewig auslöst

Die Rapid-i wird mit Cherry MX-Browns oder -Reds angeboten, welche Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede besitzen. Beide sollen 50 Millionen Anschläge schaffen, benötigen 45 Gramm Auslösekraft, um den 4 mm Tastenweg zu betätigen, der bereits nach 2 mm die Taste auslöst. Der Unterschied der Switches liegt im Feedback. Die Browns erzeugen ein spürbares Feedback, die Reds verzichten komplett darauf. Bei diesen Varianten bleibt es allerdings nicht, Cherry bietet mit Blacks, Blues, Clears und Whites vier weitere Schaltertypen an, die sich wiederum in der Art des Feedbacks und/oder der Auslösekraft unterscheiden. Obgleich andere Hersteller auf dem Markt sind (Achtung: nerdische Übersicht hier), habe ich mich auf den Platzhirsch für Fingerfreude beschränkt.

Welche Taster letzten Endes für wen die „richtigen“ sind, kann eine Internetrecherche nur bedingt klären (knackige Übersichten hier und hier). Manche schwören auf Reds fürs Zocken, andere wiederum auf Blacks; Browns gelten als ein perfekte Lösung für Spiele, Mails und Co. Ich kam um einen Besuch beim Händler nicht drumrum, das brachte mir aber direkt DIE Erkenntnis: Ich mag kein Feedback!

Somit waren nur noch Blacks und Reds im Rennen. Erstere brauchen mir zu viel Auslösekraft, daher verliebte ich mich noch während des Test-Klickens inmitten von Menschenmengen in die Cherry MX-Reds. Jeder Tastenanschlag ließ meine Fingerspitzen alles um sich herum vergessen.

Dumm nur, dass die Rapid-i dort nicht verfügbar war und ich noch ein paar Tage auf sie warten musste. Zeit, die in weiterführende Recherche gesteckt werden konnte! Und auch genug Zeit, um mir einzugestehen, wie schwammig sich eine herkömmliche Rubberdome-Tastatur anfühlt, sobald man einmal das Gefühl einer Mecha aufgesogen hat.

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Cherry MX Reds – die Objekte meiner Fingerbegierde. Welches Switch euch taugt, müsst ihr selbst herausfinden.

Ein Ring, sie zu dämpfen

Nicht jeder könnte meine Begeisterung für „Mechas“ teilen, denn bedingt durch die im Switch befindliche Feder, die Metallplatte auf denen sich die Schalter befinden und die hohen Tastenkappen, entsteht ein erhöhtes Geräuschniveau. Um dies zu verringern können O-Ringe in die einzelnen Tastenkappen gesetzt werden. Sie federn den Aufschlag ab, senken die Lautstärke und verkürzen bei dickerer Ausführung den Auslöseweg.

Das Geschäft mit O-Ringen haben bereits diverse Händler gewittert und bieten diese stinknormalen Gummis für großes Geld an. Es geht auch günstiger: Ein kleiner Versandhändler bietet verschiedene Varianten ohne Gamingaufschlag an. Zu den dort bestellten Ringen (2mm dick, Härtegrad 70 Shore) gesellte sich noch eine erlesene Auswahl von einem privaten Dude aus Frankreich.

Eingedeckt mit O-Ringen in vier unterschiedlichen Varianten (Dicke 1,6 bis 3mm, Härtegrade 40 bis 70 Shore) kam zeitgleich meine Rapid-i endlich bei mir an.

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Mechas machen Lärm, O-Ringe schaffen Abhilfe. Es gibt sie in verschiedenen Größen und Härtegraden.

I für irgendwas stimmt hier nicht

Paket aufgemacht, Tasta ausgepackt, Finger laut gelacht. Die Rapid-i war genau das, was ich suchte: Eine minimalistische Tastatur mit guter Verarbeitungsqualität und stabilem sowie haptisch ansprechendem Gehäuse, das auf dem Schreibtisch in jeder Situation standhaft bleibt. Die aus dem Elektromarkt bekannten MX-Reds schlossen sich endgültig in mein Herz: Dieser präzise, immer gleiche, hochwertig anmutende Tastenanschlag ist kaum in Worte zu fassen, man muss es an den eigenen Fingern erleben!

Insgesamt gefiel mir die Tastatur sehr gut, denn bis auf die etwas nach Gaming-Marketing schreiende Font der austauschbaren Tastenkappen und dem angewinkelten, aber zum Glück abnehmbaren USB-Kabel, kränkelt die Beleuchtung durch ausfallende LEDs und trübte den Gesamteindruck. Bei mir erlosch bereits nach einigen Minuten die R-Taste, gefolgt von den Tasten Rollen und Pause. Und selbst bei deaktivierter Beleuchtung glimmte die Tastenreihe Q bis * weiter vor sich hin.

Die Tastatur musste zurück. Ersatz anfordern oder den Markt nochmals durchforsten? Das Präteritum ließ es wahrscheinlich schon erahnen: Ich hab die Communities von Geek HackDeskthority und Reddit durchkämmt und bin auf etwas gänzlich anderes gestoßen, als ich anfangs suchte. Ohne eine solch tiefgreifende Recherche, wäre ich niemals auf das von mir seit dem ersten Tag innig geliebte Modell aufmerksam geworden. Doch dazu an anderer Stelle mehr!

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Tolle Tastatur mit nervigem Nachteil: Einige LEDs fielen bei mir aus.

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.