Mario und der Tennis Court auf Kriegsfuß

Wenn man mit dem Thema Tennis konfrontiert wird, denkt man unweigerlich an Größen, wie Andre Agassi, Roger Federer oder auch Thomas Muster. Spricht man jedoch mit einem Nintendo Fan, gehört wohl Mario die volle Aufmerksamkeit. Unser kleines moppeliges Sportwunder scheint völlig ohne Konditionsprobleme jegliche sportliche Herausforderungen zu meistern. Fragt sich nur, warum er dann immer noch sein Bäuchlein behält. Vielleicht gibt das neueste Spektakel am Tennis Court die Antwort darauf.

Mario Tennis 64 wurde zwar bereits zur Jahrtausendwende veröffentlicht, war jedoch erst anno 2002 das Spiel, welches meine Videospiel-Karriere abschließen sollte. Da der GameCube-Launch zum Greifen nah war und ich nicht vorhatte, mir diesen zuzulegen, nahm ich also mein Erspartes und investierte ein allerletztes Mal in ein Videospiel. Ungelogene hunderte Stunden verbrachte ich am saftigen Grün zusammen mit meinem Bruder und spielte einen Gegner nach dem anderen an die Wand. Gemeinsam machte das Spiel genau so viel Spaß, wie sich alleine durch zahlreiche Modi zu kämpfen. Viele Jahre und einige Fortsetzungen später schaffen es Mario & Co. mit ihren Tennisschlägern also auch auf die Wii U und mir kribbelten die Ameisen unter dem Allerwertesten. Als großer Fan der Serie war ich kaum vor Vorfreude zu halten, ehe mich der Tennisball mitten auf die Zwölf traf. Ouch.

Mario Tennis: Ultra Smash

Wer auf seine Linie achtet, wird mit dem Riesenpilz nicht glücklich sein.

Wir alle wissen, dass sich der Lebenszyklus der Wii U dem Ende zuneigt. Nintendo kann noch so oft beteuern, dass der Softwaresupport für die vielerseits ungeliebte Konsole nicht eingestellt wird, aber das selbe Nintendo hat uns auch ein neues Zelda und StarFox für 2015 versprochen. So much for that. Doch was hat das Ganze jetzt mit Mario Tennis zu tun? Nun, lasst es mich erläutern: das Spiel wirkt einfach wie ein liebloser Füller, um die Zeit zur NX zu überbrücken.

Sehen wir uns mal die Modi an, die euch Unterhaltung bieten sollen: Es gibt den Mega-Wettkampf, der im wahrsten Sinne des Wortes groß beworben wird. Funktioniert eigentlich wie richtiges Tennis, nur dass ihr immer wieder mal mit einem Riesenpilz beworfen werdet, wenn’s euch an den Kragen geht. Nette Idee, aber eigentlich völlig sinnlos. Einen wirklichen Vorteil kann man daraus nicht ziehen, da es sich nicht sonderlich anders, als in normaler Größe spielt. Klar gibt es den ein oder anderen Trumpf, wenn man mal kräftig draufknallt und der Gegner dabei planlos am Feld rumeiert, aber nachdem das auch bereits das einzige Item ist, kommt mir der Modus wie ein Testraum vor, bei dem die Entwickler mal was ausprobieren wollten.

Der amiibo Support bringt euch einen motivierten Partner an eure Seite.

Der amiibo Support bringt euch einen motivierten Partner an eure Seite.

Dann wäre da noch der Mega-Ballwechsel. Hier knallt ihr einen Tennisball hin und her, der anfangs die Größe eines Volleyballs hat und immer kleiner und schneller wird. Aber das Ziel ist es nicht, den Gegner zu besiegen, sondern den Ballwechsel so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Die Umsetzung ist aber sehr unspannend und auch die Motivation zum Wiederspielen hält sich leider in Grenzen. Und nach mehr solcher Modi sucht man vergebens.

Nächster Versuch: K.O. Herausforderung. Hier befindet ihr euch im Tie-Break und müsst so viele Gegner wie möglich nacheinander besiegen. Dauert nicht lange und wird leider auch schnell öde, da es keine Abwechslung darin gibt.

Wer sich bislang fragt, ob es gar keinen klassischen Modus gibt, den kann ich beruhigen. Der ist natürlich auch mit an Bord und macht genau das, was er soll. Er spielt sich wie gewohnt, ohne Schnickschnack und macht wirklich Spaß! Im Einzel oder Doppel könnt ihr mit oder ohne amiibo Mitspieler beeindruckende Ballwechsel vollführen.

Und wer ganz mutig ist, kann sich auch noch den Online-Modus reinziehen. Hier gibt’s zwei Varianten: einerseits könnt ihr „Nur zum Spaß“ spielen oder ihr werft euren Gegnern den Fehdehandschuh vor die Füße und schreit „Jetzt wird’s ernst!“. Bei letzterem zählt dann jeder Sieg und jede Niederlage für eure Statistik und die Rangliste. Nur gegen Freunde könnt ihr online nicht spielen. Aber das ist bei Nintendo ja auch nichts mehr Neues.

Fazit

Ich würde gerne noch weiter über Mario Tennis: Ultra Smash schreiben, aber es gibt leider nicht mehr. Die wenigen Modi, die man vorfindet, sind leider nicht die besten und machen auch keinen Spaß. Wenn man an die guten alten N64-Zeiten zurückdenkt, hat der neueste Ableger leider nur ein Bruchteil des Umfangs seiner Vorgänger. Somit fühlt sich das Spiel nicht nur unfertig, sondern auch ungeliebt an. Und das tut mir als Fan der ersten Stunde richtig weh zu schreiben. Dennoch muss man festhalten, dass ihr mit Freunden und alleine nach wie vor euren Spaß im Klassik- oder Online-Modus finden werdet. Das war’s dann aber auch schon. Schade.

Achja: den GameCube bekam ich damals dann doch noch geschenkt. Welch ein Glück aber auch, sonst würdet ihr vermutlich diese Zeilen gerade nicht lesen. 😉

WERTUNG: 6/10

Wir bedanken uns bei Nintendo Österreich für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at