Mafia III – Lincoln Clay auf Rachefeldzug

Lincoln Clay hat noch eine Rechnung offen … und begleicht sie mit Blut.

Wir schreiben das Jahr 1968. Lincoln Clay, gerade erst aus dem Vietnam-Krieg zurückgekehrt, findet sich nach seiner Entlassung aus dem Heer in seiner alten Heimat New Bordeaux (eine fiktive Stadt, angelehnt an New Orleans) wider. Der einst von schwarzen Gangstern adoptierte Junge hat im Krieg einiges erlebt und sucht um erneuten Anschluss in der Gesellschaft. Dabei sollen ihm seine Gangster-Homies helfen, welche ihn schon mit offenen Armen empfangen – allen voran sein Ziehvater, Sammy Robinson. Leider herrscht zwischen Sammy’s Gang und den Haitianern nach wie vor ein erbitterter Revierkampf, welcher ihn in die Schuld von Sal Marcano stellt, dem Don der Marcano Familie.

Lincoln trifft sich alsbald mit Sal, der ihm offenbart, dass sein Vertrauen in Sammy erloschen ist und Lincoln selbst neuer Anführer der Gang werden sollte. Aufgrund seiner Vergangenheit steht er jedoch in Sammy’s Schuld und verneint. Doch um Sal zu besänftigen, hilft er ihm bei einem Raubüberfall. Zusammen mit Sal’s Sohn Giorgi plündert er die Louisiana Federal Reserve, schlittert jedoch geradewegs in einen Hinterhalt. Sal krallt sich die Kohle und lässt die gesamte Gang beim anschließenden Feiern auslöschen. Selbst Lincoln erlitt einen Kopfschuss, konnte jedoch durch glückliche Umstände überleben. Sein Retter ist Vater James, der ihn vor Ort auffand und wieder gesund pflegte. Nach seiner Genesung bittet er John Donovan, seinem CIA Vetrauten aus Vietnam-Zeiten, um Hilfe. Donavan willigt ein, seine Ressourcen und Expertise in diesem Fall zugunsten von Lincoln einzusetzen, welcher es sich zum Ziel gemacht hat, die gesamte Marcano Familie auszulöschen und die Kontrolle über New Bordeaux unter seinen Nagel zu reißen. Der Rachefeldzug beginnt.

Lincoln Clay stellt sich der Mafia auf seine Art

Lincoln Clay stellt sich der Mafia auf seine Art

Um euer Vorhaben nicht alleine zu bewerkstelligen, schafft ihr euch Verbündete an. Drei, um genau zu sein, die ihr als Unterbosse einstellt. Jeder von ihnen hat seine eigene offene Rechnung mit den Marcanos und ist somit voller Motivation auf Jagd zu gehen. Sobald ihr die Distrikte eurer Gefährten von Marcanos Kontrolle befreit habt, offenbart ihr euren Plan. Ihr geht systematisch gegen die Leutnants und Capos der Familie vor und unterbindet auch gleichzeitig die Pläne von Sal, sich ein legales Standbein in der Casino-Branche in Louisiana aufzubauen. Dies wäre eigentlich illegal, aber durch einige schmutzige Bestechungen wäre es ein Leichtes für Sal, hättet ihr da nicht was dagegen.

Die Geschichte wird dabei richtig gut erzählt. Im Stile einer Dokumentation erfahrt ihr nach und nach unter Einfluss eurer eigenen Handlungen, was passiert ist. Ihr könnt euch nämlich entscheiden, ob ihr derzeitige Gebietsregenten tötet oder für euch rekrutiert und arbeiten lasst, um das Einkommen auf Dauer zu erhöhen, anstatt schnellen Gewinn zu machen. Je nachdem, wird auch eine andere Geschichte erzählt. Mafia III erfindet hier das Rad jedoch nicht neu. Im GTA Stil bahnt ihr euch euren Weg in der Open World Map von Auftrag zu Auftrag und verhört Leute, löscht ganze Gruppen in einer Lagerhalle aus, richtet Wertschaden an oder stehlt Geld, sabotiert Gewerbe oder kutschiert auch Drogen durch die Gegend – von der Mafia gestohlen und zu eigenem Vorteil, wohlgemerkt.

Der Stil der 60er wurde schön eingefangen

Der Stil der 60er wurde schön eingefangen

Je nachdem für wen ihr die Aufträge erledigt und wem ihr welche Gebiete zuweist, erhaltet ihr zusätzliche Unterstützung und Gefallen. Unter anderem werden ihr die Möglichkeit haben, einen Waffenwagen an eure Position zu bestellen, wo ihr neue Waffen kaufen oder vorhandene upgraden könnt; um euer ergaunertes Geld bei einem Tod nicht zu verlieren, könnt ihr dieses in eurem Haus bunkern oder im späteren Verlauf auch jemanden schicken lassen, der es für euch abholt; die Polizei ist euch ebenso gut gesinnt – weil geschmiert –, sodass ihr ein Verbrechen begehen könnt und diese erst verzögert einschreitet oder auch ein Schlägertrupp wird sich euch anschließen, falls ihr mal einen Überfall auf ein Gebiet plant.

Dies und noch viel mehr machen das Ganze sehr interessant und lustig zu spielen. Natürlich kennt man das alles schon irgendwoher, aber egal wie repetitiv das Gameplay auch sein mag, es funktioniert eben. Einen Deckungs-Shooter im Flair der späten 60er Jahre sieht man auch nicht alle Tage. Nicht nur die harsche Sprache, der Rassismus und die explizite Gewalt wurden detailgetreu umgesetzt, sondern auch die Straßen und Autos von New Bordeaux lassen euch nostalgisch fühlen. Obendrein gibt’s noch jede Menge Hit-Songs aus der Zeit, welche euch auf diversen Radio-Sendern in Autos und auch in Cutscenes zu Ohren kommen werden. Die Inszenierung und vor allem die Story werden euch an der Stange halten.

Vorsicht hat oberste Priorität in Gefechten. Das Deckungssystem kommt hier zur Hilfe.

Vorsicht hat oberste Priorität in Gefechten. Das Deckungssystem kommt hier zur Hilfe.

Achja, auch die Bürger sind oft etwas übergenau. Klaut ihr nämlich ein Fahrzeug oder verhaltet ihr euch auffällig, werden diese losstürmen und die Polizei rufen. Ihr könnt sie natürlich auf unsanfte Art davon abhalten oder den darauf folgenden Polizeieinsatz über euch ergehen lassen bzw. fliehen. Manche sind von euch jedoch auch so eingeschüchtert, dass sie euch gleich entgegenrufen, dass sie nichts gesehen haben. Das will ich auch hoffen 😉

Abgerundet wird das alles von Verfolgungsjagden oder auch Verhören, wo ihr im Auto des Glücklichen wie bescheuert durch den Straßenverkehr rast, um ihn zum Reden zu bringen. Als Mafia Fan bzw. Befürworter des Settings kommt man hier allenfalls auf seine Kosten. Und es ist auch mal lustig, nicht IN, sondern GEGEN die Mafia zu kämpfen.

Fazit

Ja, ich bin absoluter Fan von Mafia- und Gangster-Filmen und liebe die 60er. Der Noir-Stil und die Musik lassen mich einfach richtig wohl in der Welt von Mafia III fühlen und mal ernsthaft: Die Story kann sich wirklich mal sehen lassen und die Art und Weise, wie sie erzählt wird, sieht man nicht allzu oft. Da können sich andere ein Stück davon abschneiden. Leider Gottes plagt das Spiel auch einige Bugs und Schluckaufs, sodass es einen manchmal etwas aus dem Erlebnis rausreißt. In der einen Szene ist es Tag, einen Kameraschwenk weiter plötzlich Nacht. Stirbt man bei sonnigem Wetter und stirbt, kann der nächste Reload schon unter bewölktem Wetter oder mit starkem Regnen gesegnet sein. Die grafische Repräsentation reicht auch von PS2-Niveau bis hin zu beeindruckender Next-Gen-Grafik – vor allem die Wassereffekte sind oftmals unterirdisch. Dennoch bietet das Gesamtpaket von Mafia III ein tolles Erlebnis, welches man nicht missen sollte. Mafia III ist für Nachwuchs-Ganster und solche, die es noch werden wollen, ein Pflichtkauf.

WERTUNG: 8/10

Wir bedanken uns bei 2K für die Bereitstellung eines Testmusters.


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Written by: Michael Pölzl

Geschichten-aus-dem-Leben-Erzähler Wenn mein Handy läutet, lese ich zumeist Namen am Display, die mir schlaflose Nächte bereiten werden. Dieses Mal war es aber gar nicht mal so schlimm, denn es ging um ein Projekt, an dem viel Nostalgie hängt und zugleich ein Thema behandelt, welches genau meinen Nerv trifft: Videospiele! Meine Laufbahn in der Branche hat nun doch schon einige Jahre am Rücken und auch diesmal konnte ich nicht "Nein" sagen. Das Extraleben musste abermals eingeworfen werden und Continue wurde endlich Realität. Aber was mache ich hier eigentlich? Nunja, ich werde mein Auge auf alle technischen Dinge hier werfen und wohl auch das ein oder andere Mal über meine Geschichten aus dem Videospielleben erzählen. Und davon habe ich viele auf Lager, stay tuned! Ach und Leserpost ist natürlich immer willkommen: poelzl@continue-magazin.at