Los Santos: Warten auf Asyl. Oder: Die Leiden der „Masterrace“

Ein gelungener Start, ein toller Port. Das habe ich zumindest im Internet zum Release von GTA V für PC gelesen. Unser Flug ins Ferne Los Santos war mühsam und technische Probleme verzögern unseren Asylersuch.

Einchecken, bitte. Die Installation

Ich habe mich wirklich vorbildlich auf die bevorstehende Reise nach Los Santos vorbereitet: Am Wochenende zwecks Spielgröße eine weitere SSD eingebaut, zeitgleich Staubmäuse aus dem Gehäuse verbannt, Lüfter geputzt und Kabel für einen optimierten Luftstrom aus dem Weg geräumt. Am Montag wurde es dann ernst: Spiel abgeholt und den 7-DVD-Installationsmarathon begonnen, zwischendurch mich mit vier TBBT-Folgen bei Laune gehalten und meinem armen, externen Crappylaufwerk beim Rödeln zugeschaut. Half alles nichts, das Ding war zu lahm, ich ging schlafen.

Aufstehen, letzte DVD einlegen, Zähneputzen, 5 GB-Patch über den Rockstar Social Club – mit Fullspeed(!) – ziehen, GTA V aktivieren und … ab zur Arbeit. Von Problemen gehört und gelesen, anscheinend habe ich den Flug wirklich gut gemeistert. Häufig klagten einige Spiele über mäßige Downloadspeeds, sogar von nicht lesbaren DVDs ist die Rede, Updates mussten mehrmals wiederholt werden; die Masse konnte dennoch seit 1 Uhr in der Früh spielen, berichtet über einen tollen Port, der ordentlich läuft und im krassen Kontrast zum schwachen Start von GTA IV steht. Rockstar kann es also doch – Zeit hatten sie ja diesmal genug, zumal die Mädels und Jungs von Max Payne 3 für den Port zuständig waren. Übrigens, eine gute Anlaufstelle für Probleme, Einzelheiten zum Spiel und das ganze Drumherum liefert der riesige Sammelthread zum Spiel im Hardwareluxx-Forum.

Ein seltener Anblick: Das notwendige Update konnten wir am Dienstagmorgen mit Fullspeed ziehen.

Ein seltener Anblick: Das notwendige Update konnten wir am Dienstagmorgen mit Fullspeed ziehen.

Trotz starken Turbolenzen gelandet

Bevor es am Dienstagnachmittag nachhause ging, erstmal eine neue Grafikkarte abholen – Los Santos soll schließlich in voller Pracht genossen werden. Vor dessen Installation die neusten Windows-Updates gezogen und den brandneuen AMD-Treiber geladen (Nvidia hat ebenso geliefert!), alte Graka raus, neue rein, Power on, Lüfter drehen, kein Bild – Fuck! Kabel wechseln, zwischen Monitor und TV umschalten, neue Graka raus, alte rein. Treiber deinstallieren, BIOS/UEFI resetten, wieder Graka tauschen, immer noch kein Erfolg. Anscheinend liefert das Netzteil nicht genug Power, die Augen werden langsam feucht, die Arbeit hat bereits seit dem Wochenende die Überhand gewonnen, langsam nervts.

Also mit der alten GPU GTA V starten, konfigurieren und (vermutlich) Spaß haben. Was wir Besitzern von Grafikkarten mit „nur“ 2 GB-VRAM raten können: 1080p, Texturen auf Medium, FXAA aktiviert, 2x MSAA, den Rest auf hoch stellen. Das Ergebnis, einen potenten Vierkerner  vorausgesetzt, sind recht hohe FPS (40-60) und eine gute Weitsicht. Doch die verwaschenen und niedrig aufgelösten Texturen schmerzen derweil so sehr, dass ich nach dem Intro und den ersten Spielminuten direkt abgedreht und ein neues Netzteil bestellt habe.

19 Monate, 7 DVDs und 2 Hardwareinvestitionen später, läuft GTA V endlich!

19 Monate, 7 DVDs und 2 Hardwareinvestitionen später, läuft GTA V endlich!

Warten auf Asyl

Heute, am Donnerstag, scheint es endlich soweit zu sein: Nach der Arbeit wird die neue Hardware verbaut und GTA V hoffentlich mit sehr hohen Details und vierfacher Kantenglättung gezockt. Nach Tagen des eifrigen Handtierens und mehreren Hundert Euro darf nun auch ich endlich Los Santos betreten, Asyl ersucht und bekommen! Doch welcher „normale“ Mensch tut sich diesen Zwang an? Millionen von verrückten PC-Spielern vermutlich, die genau wie ich deswegen von Konsoleros gern belächelt werden. Zwar sind deren „Spiel-rein-und-los-Zeiten“ auch längst vorbei, dennoch entfallen händische Downloads, Hardwarewechsel und stundenlanges Forendurchstreifen zur Problembeseitung. Mühsam, sagen die einen; interessant und irgendwie Tradition behaupte ich. Damit bin ich groß geworden und auch wenn ich mich nach einem einfachen Prozess sehne, um schneller spielen zu können, würde ich im Leben nicht auf diese Frickelei verzichten.

Am Ende des heutigen Tages werde ich geflasht auf der Couch mit dem Controller in der Hand liegen, auf meinen Fernseher starren und das bestaussehendste, an mein System händisch angepasste und ruckelfreie Vergnügen mit GTA V genießen. Salonfähig ist das nicht, man muss es mögen, ja gar lieben. So wie ich eben.

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.

  • Michael Ferstl

    Lächel