Wiedersehen in intergalaktischer Stille

Taylor ist zurück! Nachdem sich das Entwickler-Team in Lifeline 2 einer komplett anderen Handlung samt weiblichem Hauptcharakter widmete, dreht sich Lifeline: Stille Nacht wieder um den abgestürzten Astronauten. Fesselnde Story? Verschiedene Enden? Beeinflussbare Aktionen? Ich kläre euch auf.

Die Geschichte um den gestrandeten Astronauten Taylor war mitreißend: Ängstliche Momente wechselten sich mit Freudensprüngen ab, schwere Entscheidungen mussten getroffen werden, manchmal ging es gehörig schief. Genau wegen diesen Gefühlsbädern war Lifeline auch mein Mobile-Game des Jahres 2015 (zum Test). Umso mehr freute ich mich, als ich vom „richtigen“ Nachfolger erfuhr, der die Geschichte fortsetzt.

Lifeline: Stille Nacht beginnt dort, wo Teil 1 endete. Achtung: Spoilers incoming – Gerettet vom Mond Tau Ceti IV, findet sich Taylor an Bord der White Star wieder. Nicht viel Zeit vergeht, bis ihn die jüngste Vergangenheit einholt: Irgendetwas verfolgt das Raumschiff, die Crew gerät in Alarmbereitschaft und rätselt über den unangekündigten Besuch. Schnell stellt sich heraus, dass die mutierten Menschen von Tau Ceti IV ein Raumschiff gekapert haben und der White Star hinterherjagen. Entkommen? Ausgeschlossen! Schon bald docken die Aliens an, ein Katz-und-Maus-Spiel beginnt… Spoiler over und out.

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Erstmals können wir auch Gespräche anderer Charaktere mitlesen.

In gewohnter Lifeline-Manier kommuniziert Taylor in Nachrichtenform mit mir. Sein eher bescheidender Wortwitz, seine häufigen, mir unbekannten Referenzen aus Film- und Musikkultur und seine tapfere Einstellung, hat er sich beibehalten und ausgebaut – im Guten wie im Schlechten. Ich unterstütze ihn bei Entscheidungen, doch sie scheinen sich weniger auf die Handlung auszuwirken. Auch kurze Recherchen wie im ersten Teil, wo ich nach der maximal verträglichen Strahlendosis im Internet suchte, sind passé. Diese Dämpfer sind schade, halten mich aber nicht davon ab, die Geschichte gespannt zu verfolgen und immer wieder auf eine neue Nachricht zu hoffen.

Neu ist die Einbeziehung der Crewmitglieder in den Nachrichten. Taylors Text-to-Speech-Tool zeichnet Unterhaltungen auf, wodurch die Story ausgebaut und um neue Charaktere, Hintergrundwissen und Beziehungen untereinander erweitert wird. Diese Kommunikation beschränkt sich auf nur wenige Zeilen, Star des Spiels bleibt weiterhin Taylor. Nichtsdestotrotz hat es meine Entscheidungen beeinflusst und ich konnte Taylors Handeln besser verstehen  – Pluspunkt an die Entwickler!

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Gut gedacht, schlecht gemacht: Die Übersichtskarte hat keinen Mehrwert.

Ein weiteres neues Feature ist die Übersichtskarte des Schiffes. Dort mache ich Taylors momentanen Aufenthaltsort ausfindig, zumindest mehr oder weniger. Manchmal kann ich anhand eines eingefärbten Raumes seine Position erkennen, manchmal färbt sich nichts ein, speziell wenn er von Raum zu Raum unterwegs ist. Diese klägliche Umsetzung ist schade und verschenkt Potenzial. Ich hätte mir gewünscht, dass ich Gegner und Crew-Mitglieder darauf erkenne und so Taylor sicher durch die White Star lotsen kann.

Ich hake es als nebensächliches, optionales Feature ab und komme zum eigentlichen Problem des Spiels: Die Geschichte mit einem Happy End abzuschließen kostete mich einige Nerven und endete in einem Tri­al-and-Er­ror. Versteht mich nicht falsch, die Story ist toll und spannend erzählt, die Charaktere verfeinern das Spiel und Taylor punktet einmal mehr mit seiner liebenswerten und zeitgleich nervigen Art, doch bis ich das Spiel positiv abgeschlossen hatte, kannte ich etliche Dialoge schon auswendig. Die Entwickler können diesen Umstand mit schnellen Vor- und Zurück-Scrollen von Antworten und einem Schnellmodus ohne Wartezeit lindern – der tolle Ersteindruck wird dennoch getrübt.

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Hoffentlich seht ihr das nicht so häufig wie ich. Das Happy End kostete mich Nerven…

Kleiner Tipp am Rande: Genießt das Spiel auf Englisch. Die deutsche Übersetzung weist nicht nur Typos und Grammatikfehler auf, sondern ergibt stellenweise einfach keinen Sinn.

Fazit

Meine Gebete wurden erhört, die Story von Taylor wird fortgeführt und reißt mich wieder mit. Das Spielprinzip ist immer noch frisch, die weiteren Charaktere beleben es zusätzlich. Schade nur, dass meine Entscheidungen diesmal weniger das Spiel beeinflussen und das Happy End in einem fast schon exzessiven Trial-and-Error endete. Hoffentlich habt ihr mehr „Glück“, dann springt am Ende auch eine bessere Wertung heraus!

WERTUNG: 7.5/10

Lifeline: Stille Nacht ist für knapp einen Euro im AppStore von Android und iOS verfügbar. Den Vorgänger gibt’s derzeit kostenlos für iOS.

Written by: Christoph Liedtke

Luftpolsterzerdrücker Vor über 20 Jahren entstand die Liebe zu Videospielen – SNES sei Dank. Es dauerte einige Zeit, bis ich auch der Hardware verfallen war. Nach Jahren der nerdigen Bildung mit diversen Spiele- und Technikmagazinen, entschloss ich mich 2012 erstmals über meine Passion zu schreiben. Es folgte ein Blog, ein Volontariat bei consol.AT sowie Gamers.at und derzeit schreibe ich als freier Redakteur für E-MEDIA. Um die Zeit neben Artikeln, Studium, Freundin und Hündin noch weiter zu dezimieren, entstand parallel unser Projekt namens CONTINUE, denn Videospiele und Technik dürfen niemals zu kurz kommen! Fragen, Anregungen, Feedback oder harsche Kritik bitte an: liedtke@continue-magazin.at Danke für’s Lesen und auf bald.